30.01.2001 · Die Ergebnisse der großen Biotech-Werte fielen nur durchwachsen aus. GZ Bank Analyst Garbe sieht Unternehmen wie Amgen, Biogen und Serono daher unter Handlungszwang.
Von Christian Garbe, Biotech-Analyst bei der GZ-BankDie Quartalszahlen der großen und etablierten Biotechunternehmen wie Amgen, Biogen und Serono zeigen es. Biotech-Unternehmen dürfen sich nicht nur auf Forschung und Entwicklung fokussieren.
Nach der Produkteinführungen stellen sich neue Herausforderungen: Wie kann der Produktzyklus optimiert, wie soll Marketing und Distribution effizient ausgestaltet werden und welche Produktionskapazitäten müssen vorhanden sein, um die Nachfrage nach den Produkten befriedigen zu können? Bei den großen Unternehmen ist längst die Fantasie gewichen und die harte Realität des Pharmamarktes hat Einzug in die Businesspläne gehalten.
Quartalszahlen nur durchwachsen
So meldete Amgen für das vierte Quartal 2000 ein Minus beim Nettoergebnis von neun Prozent auf 256 Millionen Dollar und verfehlte damit knapp die Erwartungen der Analysten. Im Gesamtjahr stieg der Umsatz auf 3,6 (3,3) Milliarden Dollar. Die wichtigsten Umsatzträger sind Epogen und Neupogen, wobei Epogen den Zenit seines Produkzyklus erreicht hat. Amgen hat allerdings eine interessante Produktpipeline und plant die Neueinführung von drei Produkten. Durch den gewonnenen Patentstreit gegen Transkaryotic ist die Ausnahmestellung von Epogen und dem Zusatzprodukt Aranesp gesichert. Die geplanten neuen Produkte müssen zu einem starken Wachstum von Umsatz und Gewinn führen, ansonsten wird es schwer fallen, Amgen weiter als wachstumsstarkes Biotechunternehmen einzuordnen und eine klare Grenze zu den Pharmagesellschaften zu ziehen.
Biogen meldete für das vierte Quartal einen Umsatzanstieg auf 245 (225) Millionen Dollar und für das Gesamtjahr auf 919,6 (794,4) Millionen Dollar. Wichtigster Umsatzträger ist das Produkt Avonex, mit dem im vierten Quartal ein Rekordumsatz von 203 Millionen Dollar erzielt wurde. Die Abhängigkeit von einem Produkt ist damit unübersehbar: Biogen muss daher dringend neue Produkte auf den Markt bringen. Eine Gefahr droht Avonex durch das direkte Konkurrenzprodukt Rebif von Serono, das spätestens ab 2003 auf dem US-Markt verkauft werden kann.
Serono, das größte Biotechnologieunternehmen Europas, hat mit einem Umsatzplus von 15 Prozent auf 1,15 Milliarden Dollar im Jahr 2000 die Erwartungen der Analysten verfehlt. Etwas mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielte Serono mit Medikamenten gegen Unfruchtbarkeit. Allerdings wächst dieser Markt jährlich nur mit fünf Prozent. Das Hoffnungsprodukt des Unternehmens ist nach wie vor das Multiple-Sklerose-Medikament Rebif, das einen Umsatz von 279 Millionen Dollar brachte. Sorgenkind ist das Aids-Produkt Serostim, das nach einem fulminanten Jahr 1999 einen Umsatz von 137,4 Millionen Dollar erreichte. Das Wachstum nahm damit im Jahr 2000 auf fünf Prozent nach 56 Prozent im Jahr 1999 ab.
Gefragt sind neue Produkte oder Akquisitionen
Amgen, Biogen und Serono zählen zu den großen Unternehmen im Biotechsektor. Alle drei Unternehmen müssen aber die nächste Produktgeneration auf den Markt bringen und/oder durch Fusionen und Akquisitionen einen Wachstumsschub erzeugen. Sonst wird eine Abgrenzung zu den Pharmawerten schwer fallen, und eine schmerzhafte Kurskorrektur bei den Bewertungen wäre die Folge. Amgen scheint diese Aufgaben bisher am besten bewältigt zu haben. Biogen hat zwar rund 20 Produkte in der Pipeline, mit signifikanten Neueinführungen ist 2001 jedoch nicht zu rechnen. Serono hat Barmitteln von etwa 1,3 Milliarden Dollar. Die Konsolidierung der vergangenen Wochen im Biotechsektor eröffnet Serono eine gute Möglichkeit, durch strategische Akquisitionen anorganisch zu wachsen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |