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Biotechnologie Geneart-Aktie kämpft gegen Widerstände

22.05.2007 ·  Große Sprünge macht der Genkonfektionierer Geneart, um mit dem rasanten Marktwachstum mitzuhalten. Der Aktienkurs arbeitet derzeit an der Überwindung vorhandener Widerstände.

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Gentechnik ist nicht zuletzt als Börsenstory in aller Munde. Vieles, wenn nicht alles, wird ihr zugetraut, auch wenn die wenigsten eigentlich wissen, wie genau sie funktioniert. Meistens geht der Laie davon aus, dass irgendwo ein Gen entnommen, daran herumgedoktert und dieses wieder eingesetzt wird.

Grundsätzlich ist das nicht falsch, war dies doch der Anfang und funktioniert das auch vielerorts noch heute so. Indes liebt die industrielle Forschung und Produktion das Zufällige an natürlichen Rohstoffen nicht besonders. Und so begann zu Beginn des Jahrzehnts die Ära der konfektionierten Gene, für die Basenpaare nach einem Zellenbauplan für alle gängigen Zwecke maßgeschneidert werden.

Fortschritt in Riesenschritten

Nach eigenem Bekunden mit weitem Vorsprung Marktführer ist die Regensburger Geneart. 1999 nahm das Unternehmen seine Anfänge, als noch eine Handvoll promovierter Biologen in Labors pro Monat etwa ein Gen zusammenschneidern konnte und die Konfektionierung noch recht teuer war.

Doch wie bei allen neuen Techniken verlief auch hier der Fortschritt in Riesenschritten. Mittlerweile produziert jeder Mitarbeiter im Monat 20 bis 40 Gene zu deutlich geringeren Kosten. Zu verdanken sei das, so Firmenchef Christian Ehl gegenüber FAZ.NET, vor allem der Tatsache, dass Teile der Arbeit mittlerweile maschinisiert werden konnten. Dadurch wuchs zum einen die Mitarbeiterzahl nicht in derselben Geschwindigkeit, zum anderen stellt der Produktionsprozess nicht mehr dieselben hohen Qualifikationsanforderungen wie noch vor einigen Jahren. Dadurch sind auch die durchschnittlichen Personalkosten niedriger geworden.

Geneart produziert für die Forschung von Pharmazie- und Biotechnik-Unternehmen sowie Universitäten, zu etwa 70 Prozent für die sogenannte „rote“ Biotechnologie der Medizin und Pharmazeutik. Rund 20 Prozent entfallen auf die „weiße“ Biotechnologie für Industrieprodukte, etwa Waschmittel. Wenige Bedeutung hat die „grüne“ Biotechnologie der Landwirtschaft, da deren Endprodukte derzeit wenig Akzeptanz finden.

Sondereffekte belasten Jahresergebnis

Dank der hohen Skaleneffekte kann Geneart seine Kapazitäten immer noch rasch vergrößern. Nachdem erst vor kurzem die Kapazität von 500.000 auf eine Million Basenpaare erhöht wurde, soll sie bis zum Jahreswechsel 2007/2008 mindestens auf zwei Millionen Paare erhöht werden. Dafür will man erstmals auch Mittel aus dem Börsengang des vergangenen Jahres einsetzen, so Ehl.

Seit 2005 schreibt das Unternehmen operativ schwarze Zahlen. In dem am 21. Februar 2006 begonnenen Rumpfgeschäftsjahr 2006 wuchsen die Umsätze um mehr als 70 Prozent gegenüber dem vollen Jahr 2005 auf 7,8 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis (Ebit) sei wie erwartet deutlich überproportional auf eine Million Euro verbessert worden.

Indes steht unter dem Strich weiter ein Minus, diesmal in Höhe von rund einer Millionen Euro. Schuld daran waren die Kosten des Börsengangs sowie die Endvergütung der Inhaber von stillen Beteiligungen.

Starkes Marktwachstum

Im ersten Quartal setzte das Unternehmen den operativ erfolgreichen Kurs fort. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresvergleichsquartal um 32 Prozent auf 2,4 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis stieg trotz einmaliger Belastungen zur Bewältigung eines Großauftrags der amerikanischen Behörde für medizinische Forschung NIH auf 0,4 Millionen Euro, das Periodenergebnis von rund 136.000 auf 514.000 Euro.

Der NIH-Auftrag zeige, dass Geneart im Markt recht gut positioniert sei, habe man doch den Vorzug gegenüber drei amerikanischen Wettbewerbern erhalten, so Ehl. In den vergangenen sieben Jahren sei die Zahl der Anbieter von 30 auf fünf gefallen. Man selbst halte einen Marktanteil von rund 25 Prozent, die anderen seien deutlich kleiner.

Viel laufe noch in Eigenproduktion, auch wenn man seit 2004 deutlich günstiger anbieten könne. Und so sei das Outsourcing neben dem Ersatz natürlicher durch künstliche Gene und dem generellen Wachstum der Anwendungen und Forschungsvorhaben ein wesentlicher Wachstumsfaktor. Mittelfristig sieht man das Marktpotential bei einer Milliarde Dollar.

Branchenübliche Bewertung

Im laufenden Jahr rechnen die Analysten von WestLB Equity Markets mit einem positiven Reinergebnis. Demnach ergibt sich eine durchschnittliche, brachenüblich hohe Bewertung mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 34 für 2007 und knapp 26 für 2008. Mit einer Marktkapitalisierung von 83 Millionen Euro erscheint das Gesamtunternehmen angesichts des augenscheinlichen Marktpotentials wiederum recht günstig bewertet, auch wenn dies in den Kurs-Umsatz-Verhältnissen auf Basis der Analystenschätzungen von 5,6 für das laufende und 4,3 für das kommende Jahr nicht zum Ausdruck kommt.

Indes will Geneart allein den größten Teil des Gesamtvolumens von voraussichtlich bis zu 6,5 Millionen Dollar aus dem NIH-Auftrag überwiegend im laufenden Jahr als Umsatz verbuchen, und so ist eine Überraschung nicht auszuschließen.

Charttechnische Hürden

Charttechnisch tut sich die Aktie derzeit etwas schwer. Nach einem steilen Kursanstieg im Januar und einer Pause bis Mitte März folgte ein Kursschub, der die Notierung auf ein Allzeithoch bei 40 Euro hob, dem aber ein ebenso rascher Absturz in der zweiten Aprilhälfte folgte. Unmittelbare Anlässe dafür sind nicht auszumachen.

Die Aktie erscheint bei 36 Euro passabel unterstützt, trotz kurzer Ausflüge darunter. Andererseits beginnt sich die Marke von 37 Euro als Widerstandslinie herauszukristallisieren, ebenso wie die 37,50 Euro als weiterer, kleinerer Widerstand. Diese müssten überwunden werden, um einen neuen Angriff auf die Zone zwischen 39 und 40 Euro zu nehmen.

Eine weitere Überraschung nach dem Muster des NIH-Auftrags oder gute Zahlen könnten dazu beitragen. Sollten Impulse ausbleiben, ist jedoch eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung zwischen 36 und 37 Euro das wahrscheinlichste Szenario.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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