18.08.2004 · Massiv unter Druck stand zuletzt der Biotechwert Evotec. Erst Aktienkäufe des Vorstands brachten dem Titel jetzt eine eindeutige Kurserholung. Der Chart hinterläßt trotzdem weiter keinen guten Eindruck.
Die Aktien der Hamburger Biotechnologiefirma Evotec waren am Dienstag wie schon am Vortag für einen deutlichen Kurssprung gut. Mit einem Plus von 13,7 Prozent auf 2,82 Euro avancierte der Titel im Technologieindex TecDax zum größten Tagesgewinner. Bereits am Montag war das Papier um knapp zwölf Prozent gestiegen.
Marktbeobachter brachten die Aufschläge mit der Nachricht in Zusammenhang, wonach der Vorstandsvorsitzende Jörn Aldag und das Aufsichtsratsmitglied Karsten Henco in größerem Stil Evotec-Aktien gekauft haben. Bei diesem Kursniveau habe er „einfach Aktien kaufen müssen“, begründete Aldag seine Käufe. Der Kurs der Aktie sei in den vergangenen Wochen „auf nicht verständliche Weise“ nach unten abgesackt, so daß der Titel jetzt aus seiner Sicht unterbewertet sei.
Wie die Kursgewinne zeigen, werteten manche Marktteilnehmer die Käufe als Vertrauensbeweis des Evotec-Managements in das eigene Unternehmen. „Die Unternehmensgründer und die Vorstände haben Evotec-Aktien gekauft. Das hat Signalwirkung für außen Stehende, wenn die Manager Vertrauen in ihr Unternehmen haben", sagte Volker Braun, Analyst beim Brokerhaus Equinet. Und ein Aktienhändler ergänzt: „Den Anlegern signalisieren die Zukäufe der Manager, daß Evotec auf diesem Niveau wieder ein Kauf sind“, sagt der Teilnehmer.
Quartalsverlust brachte die Aktie massiv unter Druck
Allerdings muß das jüngste Kursplus auch in den richtigen Kontext gesetzt werden. Denn nach massiven Verlusten in den vergangenen Wochen, die dem Wert alleine seit Mitte Mai ein Minus von rund 50 Prozent bescherten, sind die Kursavancen dieser Woche sicherlich auch als normalerweise Gegenbewegung einzuschätzen.
Der seit Februar bestehende Abwärtstrend ist bisher jedenfalls eindeutig intakt und solange sich das Marktumfeld nicht aufhellt ist im Grunde genommen auch nicht mit einer nachhaltigen Verbesserung zu rechnen. Damit wirklich nachhaltiges neues Vertrauen entsteht, wird das Unternehmen vermutlich erst belegen müssen, daß es auch mit besseren Nachrichten als jenen für das zweite Quartal aufwarten kann. Denn die sind schlecht ausgefallen und brachten institutionelle Anleger dazu, sich rigoros von der Aktie zu trennen.
Konkret hatte das auf Dienstleistungen für die Pharma-Wirkstoffforschung - wie die Prüfung von Substanzen auf ihre Eignung als Arzneimittelwirkstoffe und die Entwicklung der dafür notwendigen Testsysteme - spezialisierte Unternehmen im zweiten Quartal den Umsatz mit rund 17 Millionen Euro konstant gehalten. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wurde jedoch ein Verlust von 1,4 Millionen Euro verbucht nach einem Gewinn von 0,9 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Aktienkurs bewegt sich noch eindeutig im Abwärtstrend
Trotz dieser Enttäuschung halten manche Analysten wie Rüdiger Weseloh, Analyst bei Sal. Oppenheim, dem Titel die Stange. „Die Aktie hat seit Mitte Februar deutlich an Wert verloren und besitzt derzeit Erholungspotenzial. Evotec hat einen schwachen Start in das erste Halbjahr erwischt. Das ist auf die schwierigen Finanzierungsbedingungen in der Biotechindustrie sowie auf ungünstige Währungsrelationen zurückzuführen. Dennoch hat Evotec seine Umsätze deutlich besser verteidigen können, als mancher Wettbewerber", lautet seine Einschätzung.
Dennoch hat auch Weseloh den von ihm für das Biotechunternehmen errechneten fairen Wert auf 5,15 Euro von zuvor 7,50 Euro reduziert. Aber selbst dieser Wert liegt noch immer deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Ob die Aktie tatsächlich mittelfristig wieder dorthin laufen kann, wird letztlich davon abhängen, ob das für das Gesamtjahr gesteckte Ziel erreicht werden kann, bei konstanten Wechselkursen den Umsatz um drei Prozent zu steigern und ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen zu erreichen. Bis dieser Beweis erbracht, lohnt es sich angesichts der weiter prekären Chartsituation für vorsichtig agierende Anleger nicht, bereits jetzt auf den Biotechwert zu setzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |