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Biotechnologie Eine Branche im Umbruch

22.01.2001 ·  Ausfallquote und Kostendruck im Biotechsektor sind hoch. Die Zahl der Fusionen dadurch bedingt ebenso. Anlass genug für eine Besprechung der M&A-Aktivitäten in diesem Bereich.

Von Christian Garbe, Biotech-Analyst bei der GZ-Bank
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Fusionen und Akquisitionen sind im Pharmabereich inzwischen ein fester Bestandteil der Firmenstrategien geworden. Erst vor wenigen Wochen wurde die Megafusion zwischen Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham zu Glaxo SmithKline genehmigt, es entstand der drittgrößte Pharmakonzern der Welt.

Der Zusammenschluss mit anderen Unternehmen soll den Zugang zu neuen Molekülen (den späteren Pharmaprodukten), der Bio- und Gentechnologie und schließlich auch zum Neuaufbau und/oder Ausbau von Produktschwerpunkten führen. Die Ausnutzung von Größeneffekten (economies of scale) in Forschung und Entwicklung sowie in Marketing und Distribution innerhalb des größeren Unternehmens können zu erheblichen Kosteneinsparungen führen. Denn im Schnitt fallen Kosten von rund 500 Millionen Dollar bei der Entwicklung eines Medikamentes bis zur Markteinführung an. Allein bis zur ersten Vermarktung des Produktes vergehen häufig zwölf bis vierzehn Jahre. Lediglich 30 Prozent der auf den Markt gebrachten Produkte bringen ihre Entwicklungskosten wieder ein.
Vor diesem Hintergrund können Fusionen und Akquisitionen die Attraktivität des Unternehmens und schließlich des „Shareholder Value“ nachhaltig erhöhen.

Kosten als Triebfeder

Ähnlich wie in der Pharmaindustrie herrscht auch in der Biotechnologie ein immenser Kostendruck. Es muss genügend kritische Masse und Größe gewonnen werden, um die kostenintensive Entwicklung der Produkte so weit wie möglich voranzutreiben. Bereits seit 1999 ist die Zahl der Fusionen und Akquisitionen in der Biotechnologie stark gestiegen. Mit Agouron, Centocor, NexStar und Liposome waren vier der weltweit größten 20 Biotechunternehmen des Jahres 1999 in 2000 schon nicht mehr eigenständig.

Daran zeigt sich: die Biotechnologieunternehmen sind attraktive Partner für Fusionen und Übernahmen. Ihre Innovationen können die Forschung und Entwicklung von Medikamenten revolutionieren. Die Reife der Produktpipeline nimmt zu - etwa 800 Substanzen befinden sich in den klinischen Phasen, davon sind circa 350 in den späteren Phasen und rund 30 vor der Registrierung.

Dabei sind zwei Entwicklungsrichtungen zu unterscheiden:

1. Durch eine Vielzahl interessanter Produkte sind die Biotechunternehmen zu einem primären Akquisitionsziel durch einen großen Pharmakonzern geworden. So wurde Agouron im Mai 1999 für 2,1 Milliarden Dollar von Warner-Lambert Company gekauft. Durch die Akquisition bekam Warner-Lambert einen Zugang zu Forschungs- und Entwicklungsplattformen, Produktionsstätten sowie den Marketingeinheiten eines Biotechunternehmens. Warner-Lambert wurde kurze Zeit später von Pfizer erworben. Pfizer erhielt dadurch einen Zugang zur Biotechnologie und baut seitdem seine Kompetenzen in der Bekämpfung von Krebs, AIDS und in anderen Indikationsgebieten sukzessive auf. Centocor wurde am 6. Oktober 1999 für einen Preis von 4,9 Milliarden Dollar durch Johnson & Johnson akquiriert und bekam dadurch einen Zugang zu einem führenden Unternehmen im Bereich der monoklonalen Antikörper und der Immunologie.

2. Eine Alternative ist der Zusammenschluss unter den Biotechunternehmen, um ein vollkommen integriertes Unternehmen zu werden. Integrierte Konzerne decken weite Bereiche der Wertschöpfungskette ab, die auch eine Vermarktung der eigenen und eventuell einlizensierter Produkte beinhalten kann. Gilead Science gab im Juli 1999 die Fusion mit NeXstar Pharmaceuticals bekannt, der zu einem Aktientauschprogramm im Wert von 550 Millionen Dollar abgeschlossen wurde. Da NeXstar zwei Produkte mit einbrachte, vermarktet Gilead nun drei Produkte weltweit. Im Mai 2000 vollendete Elan Corporation die Akquisition der Liposome Company für eine Summe von 575 Millionen Dollar. Durch die Akquisition bekommt Elan eine Technologieplattform im Bereich der Onkologie, einem starken Wachstumsmarkt.

Das Akquisitionstempo wird hoch bleiben

Fazit: Der Biotechsektor wird in den nächsten Monaten von weiteren Fusionen und Akquisitionen gekennzeichnet sein. Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung werden versuchen, ihre Technologieplattform als auch ihre Produktpipeline zu stärken. Geeignete Übernahmekandidaten sind Unternehmen, die zuletzt stark an Wert verloren haben. Typische Übernehmer in diesem Sektor sind unter anderem Amgen, Biogen und Genzyme. Auch von den Biotech-Schwergewichten am Neuen Markt, wie etwa GPC Biotech, Medigene und Lion Bioscience kann man in dieser Hinsicht sehr viel Bewegung erwarten.

Im Pharmasektor wird man weiterhin Ausschau nach interessanten Biotechunternehmen halten. Allerdings verfügen sehr viele Pharmaunternehmen entweder inhouse (Pfizer, Johnson&Johnson etc.) und/oder durch Kooperationen mit Biotechunternehmen (Bayer und Curagen; Novartis und Vertex) bereits über einen qualitativ hochwertigen Zugang zur Biotechnologie.

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