13.12.2007 · Bei Aktien von Biotechunternehmen kommt es immer wieder zu deutlichen Kursturbulenzen. Grund: Überraschende Forschungsergebnisse und spekulative Exzesse. Bei Biogen ist am Donnerstag die Übernahmephantasie entwichen. Auf einen Schlag.
Die Biotechnologie gehörte während der Börsenhausse um die Jahrtausendwende zu den „Hypebranchen“ schlechthin. Die Grenzen innovativer Technologien schienen bei der Entwicklung neuer Heilmethoden und Medikamente beinahe so grenzenlos zu sein, wie jene des Internets in Bezug auf die Kommunikation und die Anbahnung von Geschäften.
Die Ernüchterung und die Anpassung kurz- und mittelfristig überzogener Erwartungen folgte im Rahmen der Baisse prompt und führte zu deutlichen Kursverlusten an den Börsen. Inzwischen hat sich das zumindest bei den überlebenden und teilweise wirtschaftlich florierenden Internetunternehmen wieder geändert. Es hat sich schließlich gezeigt, dass manche Geschäftsmodelle die ursprünglichen Erwartungen durchaus erfüllen können, wenn auch nicht so schnell wie damals erwartet worden war. Das zeigt sich an Beispielen wie Google, Yahoo oder anderen.
Ähnliches gilt auch für einzelne Biotechnologieunternehmen. Zum Beispiel für Biogen Idec. Es konnte in den vergangenen Jahren sowohl durch organisches Wachstum als auch durch Fusionen und Übernahmen die Umsätze und Gewinne im Trend steigern. Der Kurs der Aktie lief aus diesem Grund immer wieder deutlich nach oben. Allerdings kam es jedoch auch immer wieder zu massiven Kursrückschlägen. Am Donnerstag ist es wieder einmal soweit.
Aktie verliert hat im frühen Handel bis zu 30 Prozent ihres Wertes im Vergleich mit dem Vortag verloren, bevor sie sich etwas von ihren Kurstiefs erholen konnte. Das dürfte niemanden ernsthaft überraschen. Denn erstens ist das operative Geschäft an sich schon relativ anfällig, für die Korrektur hoher Erwartungen, wenn es zu enttäuschenden Forschungsergebnissen und enttäuschenden Unsatzentwicklungen kommt. Biogen hat derzeit mit schwachen Absätzen seines stärksten Umsatzbringers Avonex gegen Multiple Sklerose zu kämpfen - das Mittel konkurriert unter anderem mit dem Bayer-Medikament Betaferon und dem Präparat Rebif der deutschen Merck.
Die fundamentale Entwicklung wird jedoch gleichzeitig immer wieder überlagert von spekulativen Überlegungen, die in Zusammenhang mit möglichen Fusionen oder Übernahmen stehen. Biogen hatte sich Anfang Oktober selbst zum Verkauf gestellt. Noch am Mittwoch hatten Börsianer über einen unmittelbar bevorstehenden Verkauf spekuliert. Nun hat das Unternehmen entsprechende Überlegungen völlig überraschend abgeblasen. Das auf 25 bis 30 Milliarden Dollar taxierte Unternehmen musste einräumen, keine Gebote erhalten zu haben.
Mit der Situation vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die zahlreichen Partnerschaften von Biogen hätten einen Verkauf erschwert. Außerdem habe die Krise an den Finanzmärkten die Finanzierung einer Übernahme problematisch gemacht. Auf diese Weise zeigt sich einmal mehr, wie sich die im Rahmen der Kreditkrise verschärfenden Finanzierungsbedingungen sowohl bei der Realwirtschaft als auch bei spekulativen Transaktionen bremsend bemerkbar macht. Viele Branchenexperten zeigten sich besonders entsetzt darüber, dass Biogen offenbar überhaupt kein Angebot erhalten hat - auch nicht zu einem niedrigeren Preis. Dies werfe ein negatives Licht auf die gesamte Branche, hieß es.
Die 1978 gegründete Biogen war vor vier Jahren von Idec Pharmaceutical für 6,7 Milliarden Dollar gekauft worden. Neben Avonex verfügt die Firma mit Tysabri über ein zweites Mittel gegen Multiple Sklerose sowie über das Krebsmedikament Rituxan. Tysabri ist umstritten und war erst im vergangenen Juli unter strengen Auflagen wieder auf den Markt gebracht worden. Bei Rituxan arbeitet Biogen mit Genentech zusammen, bei Tysabri mit Elan. Im Falle eines Verkaufs hätten Elan und Genentech die Rechte an diesen Wirkstoffen kaufen können. Einige Branchenexperten hatten deshalb schon länger bezweifelt, dass ein hoher Preis für Biogen gerechtfertigt sei.
Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 21,2 und 17,33 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr ist die Aktie des nun selbständig weiter arbeiten wollenden Unternehmens inzwischen zwar vergleichsweise vernünftig bewertet. Die spekulative Phantasie dürfte jedoch bis auf Weiteres aus dem Wert als solchem und aus vielen anderen der Branche entwichen sein. Wer sich das Papier trotzdem ins Depot legt, kennt aufgrund der wiederholten Kursrückschläge die Risiken, die mit solchen Werten verbunden sind.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |