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Biotechnik Anfang einer Korrektur der Gilead-Aktie?

 ·  Beständig geht es voran für das Biotechnik-Unternehmen Gilead Sciences, das mit HIV-Medikamenten gute Geschäftszahlen generiert. Doch die Märkte erwarten mehr und nach einer Bestätigung der Umsatzprognose begann die Aktie nachbörslich zu korrigieren.

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Manchmal ist es nicht das, was man tut, sondern das , was man sagt, was einen in Schwierigkeiten bringt. Diese Erfahrung musste am Mittwochabend auch die Biotechnik-Firma Gilead Sciences machen. Zunächst profitierte der Aktienkurs des Unternehmen nachbörslich von positiv aufgenommenen Zahlen zum ersten Quartal des Unternehmens und kletterte bis auf 53,75 Dollar, nachdem die reguläre Handel 1,4 Prozent höher bei 51,80 Dollar beschlossen wurde.

Doch nach der Telefonkonferenz kam der Kurs zurück und bei 51,66 Dollar schloss die Notierung 0,3 Prozent niedriger als zum Ende der regulären Sitzung. Hintergrund war eine enttäuschende Umsatzprognose für das Geschäftsjahr. Dabei hatte Gilead nichts weiter getan als die alte Prognose von 4,7 bis 4,8 Milliarden Dollar ohne Lizenz- und
Vertragseinnahmen zu bekräftigten. Aber die von Thomson Financial befragten Analysten wollten einen Jahresumsatz von 5,08 Milliarden Dollar sehen.

Gewinn und Umsatz um mehr als 20 Prozent gestiegen

Dabei hätte es wirklich Grund zur Freude gegeben. Immerhin konnte das Unternehmen von der Nachfrage nach seinen HIV-Medikamenten profitieren und Umsatz und Gewinn unerwartet deutlich steigern. Der Gewinn kletterte um knapp 22 Prozent auf 496,13 Millionen Dollar oder 0,51 Cents je Aktie und der Umsatz um 22,3 Prozent auf 1,26 Milliarden Dollar. Analysten hatten dagegen lediglich Umsätze von 1,22 Milliarden Dollar und einen Gewinn je Aktie von 48 Cents prognostiziert.

Das bestverkaufte Medikament des Unternehmens, Truvada, hatte im Februar noch einmal einen Anschub erhalten, nachdem es in einer klinischen Studie besser abgeschnitten hatte als das Konkurrenzprodukt Epzicom der britischen GlaxoSmithKline und eine unabhängige Kommission empfahl, Patienten zum Wechsel zum Gilead-Medikament zu raten. In einer weitere Studie wurde Epzicom zudem bescheinigt, das Risiko von Herzinfarkten zu erhöhen.

Und da waren die Analysten auch noch ganz zufrieden. Gilead sei prädestiniert, die bester Ertragsentwicklung in der Vergleichsgruppe aufzuweisen, meint etwa Credit-Suisse-Analyst Michael Aberman.

Bemühen um Diversifizierung

Truvada sorgte im ersten Quartal für 42 Prozent der Produktumsätze von 1,14 Milliarden Dollar. Dabei kletterte der Umsatz um 39 Prozent und lag damit über den Erwartungen der Analysten. Auch der Umsatz mit Altripla, des ersten AIDS-Medikamentes, das nur einmal täglich genommen werden muss, stieg stärker als von den Experten vorausgesagt und machte rund 28 Prozent des Umsatzes aus.

Damit hängt Gilead zu 70 Prozent an zwei Medikamenten. Grund für das Unternehmen sich um eine Diversifizierung zu bemühen und setzt derzeit verstärkt auf die Vermarktung auf Letairis, ein Medikament gegen Lungenarterienhochdruck, das mit der Übernahme von Myogen im Jahr 2006 erworben wurde. Im ersten Quartal steuerte das Präparat indes aber noch weniger als zwei Prozent zum Produktumsatz bei. Zudem will man en älteres AIDS-Medikament, Viread, für den Einsatz gegen Hepatitis B bereit machen.

Hohe Bewertung, noch höhere Erwartungen

Da Gilead keine wesentlichen Veränderungen in der Kostenstruktur erwartet, sollten die Margen im Gesamtjahr auf dem bisherigen Niveau bleiben. „Ich kann wirklich nicht verstehen, wie jemand mit der Entwicklung unzufrieden sein kann“, sagte John Milligan, für das operative Geschäft zuständiger Vorstand, der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Dem ist durchaus zuzustimmen. Andererseits erwarteten die Märkte einfach mehr. Denn auf Basis der höher liegenden Analystenschätzungen ist die Aktie derzeit mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 26,7 für das laufende und 23,1 für das kommende Geschäftsjahr hoch bewertet und wäre auf Basis der Unternehmensprognosen noch höher bewertet.

So betrachtet, sind die Abgaben durchaus verständlich, da die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Unternehmensentwicklung einfach zu groß erscheint. Diese kam auch darin zum Ausdruck, dass trotz Finanzkrise und Rezessionsängsten sich der Kurs der Aktie beständig nach oben entwickelte und diese Anfang April noch ein Allzeithoch markierte.

Die nachbörslichen Kursverluste sind daher ein schlechtes Zeichen. Kann sich der Aktienkurs nicht rasch fangen, so sind weitere Abgaben nicht unwahrscheinlich, wobei im Bereich von 45 bis 47,50 Dollar eine breite Unterstützungszone liegt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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