Mit einem Kursplus von 13,42 Prozent reagiert die Börse auf die Mitteilung, Macropore habe die FDA-Zulassung für ihr Surgi-Wrap-System erhalten. Das ist eine bioresorbierbarer Film zur Unterstützung der Wundheilung und zur physischen Verstärkung von Weichgewebe. Bioresorbierbar bedeutet, das Material braucht nach der Behandlung nicht entfernt zu werden, sondern es löst sich einfach in Kohlendioxyd und Wasser auf. Gleichzeitig wurde auch eine Vertriebsvereinbarung mit Medtronic, einem der großen Medizintechnik-Unternehmen in den USA geschlossen.
Das klingt zunächst positiv. Allerdings würden Experten die Bedeutung der Meldung nicht überbewerten. Denn erstens war die Zulassung schon erwartet worden und zweitens kommt das Produkt erst in zwölf Monaten an den Markt. Es wird also erst später einen Ergebnisbeitrag bringen. Abgesehen davon steht das Produkt für einen Bereich, der sich zwar interessant entwickeln dürfte, aber er stellt nicht den Kernwachstumsbereich des Unternehmens dar. Diese liegen bei Implantaten im Wirbelsäulenbereich und in der Orthopädie.
Umsätze könnten sich weiter verzögern
Dort sind zwar einige Produkte in der Pipeline, allerdings handelt es sich im „Anfängerprodukte“, mit denen erst einmal Erfahrung gesammelt werden soll. Aus diesem Grund stockt auch der Vertrieb über Medtronic noch. Denn das Unternehmen möchte erst über zusätzliche Studien für „Produktsicherheit“ sorgen. Die Probleme von Sulzer Medica mit ihren Implantaten dürften grüßen.
Grundsätzlich scheint die Produktidee, Metallimplantate mit innovativeren Materialien zu ersetzen vielversprechend zu sein. Denn mit solchen Implantaten können hohe Margen erzielt werden, da die Ausgangsmaterialien kostengünstig und meist schon zugelassen sind. Ihre Ungiftigkeit und Körperverträglichkeit ist in der Regel bereits in klinischen Studien bewiesen. Es ist nur eine weitere Zulassung als Medizinprodukt notwendig. Von Nachteil dürfte sein, dass die Grundsubstanz der Produkte nicht patentierbar ist, sondern es können lediglich Herstellungs- und Designpatente eingereicht werden.
Grundsätzlich besteht für den Anleger das Problem darin, dass das Unternehmen seine eigenen Umsatzprognosen bisher nur bedingt einhalten konnte. Auch wenn es von der Mehrheit der beobachtenden Unternehmen zum Kauf empfohlen wird, so in der Regel eher mit längerfristiger Perspektive - und nicht in der Erwartung, dass sich der Aktienkurs urplötzlich explosiv entwickeln sollte.
Folglich sind die aktuellen Kursgewinne eher spekulativer Natur und lassen nicht unbedingt auf einen positiven Trend schließen. Der Trend führte in der Vergangenheit nach unten. Auch wenn es auf Grund finanzieller Reserven nach einer Bodenbildung aussieht, besteht wenig Anlass für eine plötzliche Euphorie.