03.04.2009 · In Amerika werden die Bewertungskriterien für faule Papiere in den Bankbilanzen gelockert. Auch angeschlagene Banken erwarten höhere Gewinne und erwägen den Kauf giftiger Anleihen von der Konkurrenz - finanziert vom Rettungspaket.
Von Norbert Kuls, New YorkDie amerikanischen Banken erhalten ein neues Serum für die “giftigen“ Wertpapiere in ihren Bilanzen. Der Bilanzierungsrat FASB, der die Standards für die amerikanische Rechnungslegung festsetzt, hat die Bewertungskriterien für stark im Wert gefallene und daher im Bankerjargon als “giftig“ bezeichnete Kreditpapiere gelockert. Das wird den Banken erleichtern, die Preise für manche dieser Wertpapiere nach eigenen Modellen zu bewerten. Bisher mussten die Wertpapiere zum Marktpreis berechnet werden. Diese Bewertung war zuletzt umstritten, weil der Markt für die fraglichen Papiere, darunter komplexe mit Hypotheken besicherte Anleihen, im Zuge der Kreditkrise zusammengebrochen war.
Das führte dazu, dass nur vereinzelte Notverkäufe zu extrem niedrigen Preisen stattfanden, die dann als Marktpreis galten. Banken hatten in den vergangenen Quartalen wegen erforderlicher Wertberichtigungen für diese Papiere hohe Verluste ausgewiesen.
Auch angeschlagene Banken wollen kaufen
Gleichzeitig versucht die amerikanische Regierung mit einem Investitionsprogramm den Markt für diese Wertpapiere wieder in Gang zu bringen. Im Zentrum eines jüngst von Finanzminister Timothy Geithner vorgeschlagenen Plans stehen Fondsgesellschaften, die den Banken faule Wertpapiere im Volumen von bis zu einer Billion Dollar abkaufen sollen. Die Fonds greifen auf Kapital und Kredite des Finanzministeriums zurück, um damit Kapital von privaten Investoren zu mobilisieren.
Börsianer glauben, dass der Plan attraktive Renditen für Investoren verspricht, da viele der betroffenen Papiere aktuell deutlich unter ihrem inneren Wert gehandelt werden. Die Aktienkurse von Fondsgesellschaften wie Blackrock, die als Käufer der Papiere in Frage kommen, sind deswegen bereits deutlich gestiegen.
Die wegen der maroden Anleihen in die Bredouille geratenen Banken erwägen nun offenbar selbst den Kauf dieser Wertpapiere von Konkurrenten. Nach einem Bericht der “Financial Times“ prüft die angeschlagene Großbank Citigroup, ob sie sie beim Geithner-Plan als Verkäufer, Käufer oder Verwalter der faulen Wertpapiere auftreten soll.
Auch die Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley, die große Vermögensverwaltungen betreiben, erwägen demnach den Kauf toxischer Wertpapiere von der Konkurrenz.
Druck von Politikern und Bankenvertretern
Ein derartiger Schritt könnte allerdings zu einer Kontroverse in der Öffentlichkeit und im Kongress führen, da Banken nicht zuletzt wegen mangelnder Risikokontrolle bei diesen Wertpapieren staatliche Kapitalspritzen in Milliardenhöhe benötigen. Die Regierung wird nach einer Kapitalinfusion von insgesamt 45 Milliarden Dollar 36 Prozent an der Citigroup halten.
“Es muss zwischen der Bank und ihrer Aufsicht entschieden werden, ob sie gesund genug ist, Vermögenswerte zu kaufen“, zitiert die Zeitung einen Vertreter des Finanzministeriums. Möglicherweise wird die Bankenaufsicht also schwächeren Banken den Kauf fauler Wertpapiere untersagen.
Die Lockerung der Bilanzierungsregeln, die Banken schon für die Ergebnisse des ersten Quartals anwenden können, war auf Druck von Politikern und von Bankenvertretern erfolgt. Der Vorsitzende des FASB (Financial Accounting Standards Board), Richard Herz, hatte bei einer Anhörung vor dem Kongress im März versprochen, neue Richtlinien für die sogenannte Zeitwertbilanzierung (Fair Value) vorzuschlagen.
Politiker hatten vorher gedroht, Änderungen notfalls per Gesetz durchzusetzen. Bankenvertreter argumentieren, dass die verlangte Bewertung von Vermögenswerten nach Marktpreisen (mark-to-market) die Schwierigkeiten der Branche während der Finanzkrise verschärft habe.
Wirklich weg mit den faulen Papieren?
Gegner der Lockerung kritisierten, dass das FASB politischem Druck nachgegeben habe. “Die Zeitwertbilanzierung bietet die Art von Transparenz, die nötig ist, um das öffentliche Vertrauen in die amerikanischen Finanzmärkte wiederherzustellen“, sagte Arthur Levitt, der ehemalige Vorsitzende der Börsenaufsicht SEC.
Die Aktienkurse der Banken reagierten mit deutlichen Gewinnen auf die neuen Bilanzrichtlinien. “Ich glaube, es wird deswegen deutliche Aufwertungen geben, was die Gewinne der Banken steigern wird“, sagte Brian Wesbury, der Chefökonom des Wertpapierhauses First Trust Advisors gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die größte verbleibende Frage sei, ob die Wirtschaftsprüfer mit der Bewertung der Wertpapiere durch die Banken einverstanden sein werden.
Fachleute fragten sich auch, ob die Lockerung der Bilanzierung den Geithner-Plan unterminiert, weil Banken jetzt weniger Anreiz haben könnten, sich von den faulen Papieren zu trennen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |