03.08.2010 · Nach Goldman Sachs konzentrieren sich die Behörden nun auf ähnliche Geschäfte anderer Banken. Die Deutsche Bank hatte Hypothekenanleihen geschaffen - und selbst gegen sie gewettet.
Von Norbert Kuls, New YorkBei den Ermittlungen der amerikanischen Finanzaufsicht wegen fragwürdiger Geschäftspraktiken beim Vertrieb von komplexen Hypothekenanleihen scheint nach Goldman Sachs jetzt die Deutsche Bank stärker ins Visier der Behörden zu rücken. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, konzentrieren sich die Ermittler neben der Deutschen Bank zudem auf andere Finanzinstitute, um deren Rolle während der Krise am Hypothekenmarkt zu beleuchten.
Fallende Preise im Häusermarkt, Zahlungsausfälle bei zweitklassigen Hypotheken und die komplexen Verbriefungen dieser Darlehen an der Wall Street hatten im Zentrum der Finanzkrise im Jahr 2008 gestanden. Die Deutsche Bank gehörte im Jahr 2007 - also im Jahr vor der Eskalation der jüngsten Finanzkrise - zu den fünf größten Emittenten sogenannter Collateralized Debt Obligations (CDO) an der Wall Street. Insgesamt gab die Deutsche Bank CDO-Papiere im Volumen von 42 Milliarden Dollar aus. Das führende Wall-Street-Haus Goldman Sachs hatte damals nur 25 Milliarden Dollar dieser Anleihekonstrukte emittiert.
Nach ähnlichen Ermittlungen und einer Klage der Börsenaufsicht SEC wegen Wertpapierbetrugs hatte Goldman Sachs die Vorwürfe vor knapp drei Wochen in einem außergerichtlichen Vergleich beigelegt. Bei den aktuellen Ermittlungen konzentrieren sich die Behörden, darunter die Börsenaufsicht SEC, das Justizministerium und eine Untersuchungskommission des Kongresses auf potentielle Interessenkonflikte von Banken. Einerseits hatten die Banken die komplexen Hypothekenanleihen geschaffen, um sie an Kunden zu vertreiben, die damit auf steigende Preise bei Hypotheken wetten konnten.
Gleichzeitig empfahl die Deutsche Bank aber anderen Kunden gegen diesen Markt zu wetten. Zudem spekulierten Händler der Deutschen Bank zum Teil auf eigene Rechnung gegen den Häusermarkt. Der damals führende Hypothekenhändler der Bank, Greg Lippmann, gehörte sogar zu einer Gruppe von Händlern verschiedener Institute, die Wetten gegen den Häusermarkt für Profianleger sehr viel einfacher machten. Die Gruppe schuf standardisierte Kreditausfallversicherungen für Anleihen, die mit zweitklassigen Hypotheken hinterlegt waren. Der Preis dieser Kreditversicherungen steigt, wenn der Wert der Hypotheken fällt.
Illegal oder Grauzone?
Aus Sicht der Deutschen Bank und ihrer Konkurrenten sind solche Interessenkonflikte Teil des normalen Geschäfts. „Einige Kunden wollten sich stärker im Häusermarkt engagieren, andere weniger“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bank. Man diene den Kunden unabhängig von deren Anlageziel. Nach eigenen Angaben hat die Deutsche Bank trotz Absicherungen mit ihren Engagements am Häusermarkt insgesamt zudem Milliarden von Dollar verloren.
Die Finanzaufseher müssen nun die Frage beantworten, ob die in Frage stehenden Geschäftspraktiken in irgendeiner Weise illegal waren. „Es ist eine Grauzone, die zusätzliche Nachforschungen benötigt“, sagt Andrew Lo, Finanzprofessor bei der Eliteuniversität MIT und Manager eines Hedge-Fonds.
Ehemaliger Rechtschef der Deutschen Bank ermittelt bei der SEC
Einige Kunden der Deutschen Bank haben bereits eine klarere Meinung zu dem Fall. Die New Yorker Regionalbank M&T Bank hat die Deutsche Bank jedenfalls bereits wegen angeblich falscher Angaben und Betrugs verklagt. Die Bank hatte im Frühjahr 82 Millionen Dollar in ein von der Deutschen Bank zusammengestelltes Hypotheken-CDO mit dem Namen „Gemstone (Edelstein) VII“ investiert. Nur einen Tag vorher hatte der Hypothekenhändler Lippmann einem Hedge-Fondsmanager in einer E-Mail empfohlen, gegen zweitklassige Hypothekenanleihen zu wetten, weil „diese Anleihen viel, viel nachgeben werden“. Der Hedge-Fonds-Kunde hatte sich wegen des Quartalsverlustes des auf zweitklassige Hypotheken spezialisierten Anbieters Novastar Sorgen gemacht. Novastar war von der Deutschen Bank finanziert worden und deren Subprime-Hypotheken wurden für die CDO-Papiere der Bank verwendet. Ein Analyst der Deutschen Bank hatte schon im Juni des Jahres 2006 Kunden empfohlen, ihre Engagements bei zweitklassigen Hypothekenanleihen zurückzufahren.
Die M&T Bank hat nach eigenen Angaben binnen zehn Monaten 98 Prozent ihrer Anlagesumme in Gemstone verloren. Die Deutsche Bank verteidigt sich mit dem Argument, das M&T ein erfahrener Anleger im Hypothekenmarkt war. Der Chef der Rechtsabteilung bei der Deutschen Bank, die damals die CDO-Transaktionen absegnete, war Robert Khuzami. Er leitet mittlerweile die Ermittlungen gegen die Banken bei der SEC. Nur von den Ermittlungen gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber ist er ausgeschlossen. Die SEC will damit Interessenkonflikte vermeiden.
Was gibt es da zu meckern?
Ronald Strasser (Generalstreik)
- 03.08.2010, 22:28 Uhr
Politik
Klaus Dieter (Leser2009)
- 04.08.2010, 05:24 Uhr
Handeln auf beiden Seiten
Ursula Renner (URzsh)
- 04.08.2010, 20:50 Uhr
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