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Beteiligungsunternehmen Blackstone wendet sich von Deutschland ab

02.04.2008 ·  Die weltgrößte Beteiligungsgesellschaft Blackstone hat das Interesse an größeren Unternehmenskäufen in Deutschland verloren. Solche Transaktionen seien kaum noch möglich. Dagegen will man im Kredit- und Immbolienbereich investieren.

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Die weltgrößte Beteiligungsgesellschaft Blackstone hat das Interesse an größeren Unternehmenskäufen in Deutschland verloren. Aktuell habe Blackstone keine Pläne, hierzulande ganze Unternehmen zu kaufen, sagt der Mitgründer und Vorstandsvorsitzende Stephen Schwarzman im Gespräch mit dieser Zeitung.

Wie andere westliche Industrienationen auch, werde Deutschland einen wirtschaftlichen Abschwung und weiter fallende Aktienkurse erleben. Blackstones Interesse werde aufflammen, sobald die Talsohle erreicht sei: „So etwas geht manchmal schneller, als viele erwarten."

Größere Übernahmen sind aufgrund der Kreditkrise kaum noch möglich

Blackstone hatte schon vor einem Jahr sein Deutschland-Büro aufgegeben und betreut seither hiesige Investitionen aus London heraus. Die jetzige Investitionspause der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft auf dem deutschen Markt hängt vor allem mit der Kreditkrise zusammen. Seit dem Ausbruch der Krise vergeben die Banken nur noch kleinvolumige Kredite an Beteiligungsfonds; größere Übernahmen sind kaum möglich. In den vergangenen Jahren hat die Blackstone-Gruppe, die ein Vermögen von 102 Milliarden Dollar verwaltet, in Deutschland viele Unternehmen gekauft. Zuletzt hatte Blackstone im Frühjahr 2007 den Folienhersteller Klöckner Pentaplast für 1,3 Milliarden Euro erworben. Neben einer Minderheitsbeteiligung von 4,5 Prozent an der Deutschen Telekom hält Blackstone einen Anteil an dem im Sommer an die Börse gebrachten Verpackungshersteller Gerresheimer.

Schwarzmans Aussage gilt nicht für Minderheitsbeteiligungen in Deutschland, die strebe Blackstone weiterhin an: „Minderheitsbeteiligungen sind in Zeiten, in denen große Kreditpakete für Übernahmen nicht verfügbar sind, eine sinnvolle Strategie." So gehört der Investor nach Angaben aus Finanzkreisen zu den vier verbliebenen Bietern für den Anteil von 25 Prozent an dem Industriekonzern Evonik. Auch eine Anteilsaufstockung bei der Deutschen Telekom wäre bald möglich. "Wir könnten darüber nachdenken - wenn der Preis stimmt", hat James Hamilton, Präsident von Blackstone, kürzlich gesagt. Schwarzman will sich zur Telekom nicht äußern. "Wir sind sehr zufrieden mit dem neuen Management", sagt er lediglich. Strauchelnden Beteiligungen wie Klöckner würde Blackstone grundsätzlich mit mehr Eigenkapital beistehen. "Wenn wir denken, dass es angemessen ist, würden wir das machen", sagt Schwarzman. Klöckner Pentaplast kämpft mit Ertragseinbußen und wird wohl im Juni seine im Kreditvertrag vereinbarten Ergebnisziele verpassen. Das könnte dazu führen, dass die Banken von Blackstone verlangen, Eigenkapital nachzuschießen.

Die Kredit- und Vertrauenskrise an den Märkten hält der 61 Jahre Beteiligungsmanager längst nicht für beendet. "Es wird noch sehr lange dauern, bis der Mangel an Liquidität überwunden ist", sagt Schwarzman, der es mit einer spektakulären, mehrere Millionen Dollar teuren Geburtstagsparty in New York vor einem Jahr in die Klatschspalten sämtlicher amerikanischer Medien geschafft hat. "Niemand ist schlau genug, den genauen Zeitpunkt vorherzusagen. Aber irgendwann werden auch die ganz großen Unternehmenskäufe wieder möglich sein", ist Schwarzman überzeugt. Für diese Zeiten rüstet sich Blackstone schon jetzt mit einem neuen Fonds, der mit bis zu 20 Milliarden Dollar fast so groß sein soll wie der Vorgängerfonds.

„Die besten Investitionsmöglichkeiten und Renditen hatten wir immer während Rezessionen und Kreditkrisen

Bis zum Zusammenbruch der Kreditmärkte im vergangenen Sommer haben Beteiligungsfonds immer riesigere Unternehmen gekauft. Blackstone bezahlte im vergangenen Jahr unter anderem rund 39 Milliarden Dollar für das amerikanische Immobilienunternehmen Equity Office. Doch nun stellen Banken keine Kredite mehr für derartige Großkäufe zur Verfügung. Er rechne nicht damit, dass Staatsfonds als Kreditgeber in die Bresche springen würden, sagt Schwarzman. Der Gründer von Terra Firma, Guy Hands, hat dies kürzlich behauptet.

Schwarzman verteidigt den Börsengang von Blackstone im Juli vergangenen Jahres, kurz vor Ausbruch der Finanzmarktkrise. Der Aktienkurs hat sich seither nahezu halbiert, im vierten Quartal hatte die Gesellschaft gar einen Verlust erwirtschaftet. Schwarzman appelliert an die Aktionäre, Blackstone als langfristige Investition zu betrachten. Nach seinen Worten bietet die Finanzkrise für Blackstone eine Reihe von Chancen: „Die besten Investitionsmöglichkeiten und Renditen hatten wir immer während Rezessionen und Kreditkrisen." Derzeit sei der Beteiligungsfonds besonders an Kreditportfolios interessiert. „Wir wollen Übernahmekredite, nachrangige Darlehen und Ramschanleihen kaufen", sagt Schwarzman. Blackstone führe bereits Gespräche über Portfoliokäufe, sagte der einst vom Wirtschaftsmagazin "Fortune" zum "neuen König der Wall Street" gekrönte Beteiligungsmanager. Der New Yorker Finanzinvestor hat nach früheren Angaben 20 Milliarden Dollar für Investitionen in Kredite in der Hinterhand. Erst kürzlich hatte Blackstone den Kredit-Hedge-Fonds GSO erworben.

Auch im Immobiliengeschäft sieht die Gesellschaft angesichts des Preisverfalls Chancen und hat dazu dieser Tage einen knapp 11 Milliarden Dollar schweren Fonds aufgelegt. Blackstone strebe zudem kleinere Komplettübernahmen an, sagte Schwarzman. Außerdem habe der Investor vor, die 53 Portfoliounternehmen durch Zukäufe zu erweitern.

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