Autowerte haben am Donnerstag Auftrieb. Denn mit der Nachricht, dass der französische Autobauer PSA Peugeot Citroen und sein japanischer Partner Mitsubishi eine engere Zusammenarbeit und gegenseitige Finanzbeteiligungen prüfen, kommt weitere Konsolidierungsphantasie in die Branchenaktien.
In Tokio jedenfalls ist der Kurs der Mitsubishi-Aktien um mehr als 13 Prozent gestiegen und hatte auch die übrigen Autowerte mit in die Höhe gezogen. Honda legten mehr als 4 Prozent zu, Toyota 5,6 Prozent.
Beide können einander brauchen
Eine Kapitalbeteiligung von Peugeot-Citroen nach dem Muster der Zusammenarbeit von Renault und Nissan sei eine von mehreren Optionen, über die mit Peugeot gesprochen werde, heißt es von Mitsubishi Nach Informationen der gewöhnlich gut informierten japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“ verhandeln beide Konzerne über eine Beteiligung der Franzosen von 30 bis 50 Prozent an dem mit Problemen kämpfenden sechstgrößten japanischen Autobauer.
Peugeot Citroen könnte von Mitsubishis Expertise bei Elektroautos sowie dem Geschäftsnetzwerk der Japaner in aufstrebenden Märkten profitieren, auf denen Peugeot deutlichen Nachholbedarf hat. Der neue Peugeot-Chef Philippe Varin hatte dem französischen Konzern seinerseits eine internationalere Ausrichtung verordnet.
Für Mitsubishi Motors wäre es der zweite Versuch, seine finanzielle Lage mit der Hilfe eines ausländischen Automobilkonzerns zu verbessern. Im Jahr 2000 hatte der damals schwer angeschlagene japanische Konzern Unterstützung von DaimlerChrysler eingeholt. Die Deutschen beteiligten sich damals mit 34 Prozent an den Japanern, stellten ihre Finanzhilfe 2004 jedoch wieder ein und beendeten die Geschäftsbeziehungen ein Jahr später. Mitsubishi braucht nach Einschätzung von Beobachtern dringend einen strategischen Partner. Das Unternehmen ist derzeit der siebtgrößte der acht japanischen Autohersteller.
Geschichte der Fehlschläge
Laut „Nikkei“ befinden sich die Verhandlungen bereits in der Schlussphase. Demnach sei es wahrscheinlich, dass Mitsubishi neue Aktien im Volumen von 200 bis 300 Milliarden Yen (1,5 bis 2,3 Milliarden Euro) ausgibt, wodurch die Franzosen auf einen Anteil von zwischen 30 bis 50 Prozent an dem japanischen Autobauer kommen würden, hieß es.
Wenngleich eine Konsolidierung für die Branche von Vorteil ist und auch beide Unternehmen von einer engeren Verflechtung profitieren könnten, ist nicht ausgemacht, dass dies längerfristig auch für die Aktionäre gilt. Für das Scheitern von Zusammenschlüssen und Kooperationen gibt es gerade in der Automobilindustrie einige Beispiele: Daimler & Chrysler, Daimler & Mitsubishi, BMW & Rover. Auch Übernahmen gingen nicht immer gut aus: Seat etwa ist für VW nie ein Quell der Freude gewesen. Daneben gibt es auch Erfolgsbeispiele, gerade etwa in der Zusammenarbeit von Nissan und Renault.
Die Mitsubishi-Malaise
Darüber hinaus sind die Konditionen abzuwarten. Eine Kapitalerhöhung von Mitsubishi im kolportierten Umfang würde das Aktienkapital um 26 bis 40 Prozent verwässern. Und schon jetzt ist die Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen für die beiden kommenden Geschäftsjahre von knapp 70 bzw. 43 hoch bewertet.
Zudem muss die operative Wende bei Mitsubishi erst einmal gelingen. Nach konstanten Erlösen von rund 2,5 Billiarden Yen in den neunziger Jahren gingen diese auf eine Talfahrt, die erst 2005 bei 1,1 Billiarden stehen blieb und sich seitdem bei 1,5 Billiarden stabilisierte. Gewinne hat Mitsubishi mit Ausnahme des vergangenen Jahres zuletzt 1999 gemacht.
Die Peugeot-Aktie ist hingegen mit einem für 2011 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 8 eher preiswert. Andererseits rechnen Analysten weder im laufenden noch im kommenden Jahr mit Gewinnen. Und wenn Mitsubishi sich zur Belastung auswachsen sollte, so könnte es auch 2011 damit nichts werden. Am Donnerstag treibt dies indes zunächst einmal die Kurse der Autoaktien: Peugeot klettern um rund 3 Prozent, die Kurse der deutschen Hersteller um 1 bis 2 Prozent.