Die Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft WCM will laut Vorstandschef Roland Flach ihren Anteil an der Commerzbank aufstocken. Momentan hält WCM knapp unter sechs Prozent. An dem Plan, den Anteil bis auf 9,9 Prozent auszubauen, wolle man festhalten.
Dieser Schritt erscheint zumindest verwunderlich, insbesondere da Flach einen geringen Gewinnrückgang für 2002 angesichts des im zweiten Quartals erlittenen operativen Verlustes von 13,5 Millionen Euro nicht mehr für ausgeschlossen hält. Die ursprünglichen Erwartungen lagen bei 150 Millionen Euro für das Gesamtjahr.
Ungünstiger Zeitpunkt für Beteiligungsverkäufe
Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag kündigte Flach Beteiligungsverkäufe für dieses Jahr in Höhe von 170 Millionen Euro an. Ob diese Erlöse für den Kauf der Commerzbank-Anteile verwendet werden, ließ er offen. Auch die am Donnerstag vorgelegten enttäuschenden Zahlen der Commerzbank lassen eine Erhöhung des Engagements von WCM bei der Commerzbank fragwürdig erscheinen.
„Er wird ihnen schwer fallen, Beteiligungen zu einem guten Preis zu verkaufen“, meint Stefan Scharff, Analyst bei Concord Equity Research, der die Aktie zum Verkauf empfiehlt. Sie dürften einen Teil der Immobilien abstoßen, aber das wird den Gewinnen nicht viel helfen.“
Immer noch keine Bankeneinigung über Ehlerdings WCM-Paket
Georg Kanders von der WestLB Panmure stuft die Aktie allerdings weiter als Kauf ein, da der Nettovermögenswert mit 9,47 Euro pro Aktie deutlich über dem derzeitigen Kursniveau liege. Der hohe Abschlag zum Nettovermögenswert von über 60 Prozent lasse nach wie vor nur das Rating Kaufen zu, so der Analyst. Vor allem Spekulationen über den in finanzielle Schwierigkeiten geratenen WCM-Großaktionär Karl Ehlerding belasteten in den vergangenen Wochen die Aktie. Nach Berichten über einen möglichen Verkauf von Unternehmensanteilen büßte das Papier erheblich an Wert ein.
Ehlerdings Gläubigerbanken haben sich weiterhin nicht geeinigt, wie sie den Einstieg eines strategischen Investors ermöglichen wollen. Ehlerding will seinen Anteil auf bis zu 20 Prozent von derzeit 46 Prozent abbauen und damit den Großteil seiner privaten Schulden von knapp 500 Millionen Euro zurückzahlen. Die HVB-Tochter Vereins- und Westbank ebenso wie einige andere Institute bevorzugen eine Lösung, bei der Ehlerdings Kreditlinie bis Mitte 2004 offen gehalten wird, er aber dafür rund 25 Prozent an einen Investor abgeben muss. Seit Jahresbeginn hat WCM knapp drei Viertel ihres Wertes verloren.
Anleger sollten Aktie weiter meiden
Trotz des geschätzten hohen Nettovermögenswertes erscheint die Aktie weiterhin als sehr spekulativ. Fraglich ist auch, inwieweit man sich allein auf diese Bewertung verlassen sollte, da sich bei unterschiedlichen Berechnungen stark voneinander abweichende Ergebnisse ergeben. Die Aktie konnte dies jedenfalls vor den extremen Kursabschlägen der letzten Monate nicht schützen.
Durch die Intransparenz bei der Bewertung von Beteiligungsgesellschaften verbunden mit aufgetauchten Zweifeln an den Bilanzierungspraktiken ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von WCM auf jeden Fall kritisch zu hinterfragen. Auch wenn die Aktie mit einem durchschnittlichen geschätzten KGV von 6,77 für dieses Jahr und 3,05 für nächstes Jahr auf den ersten Blick sehr günstig erscheint. In einem sehr volatilen Handel notiert die Aktie gegen Mittag leicht im Minus bei 3,11 Euro. In der aktuell schwierigen Börsenlage sollten die Unsicherheiten, welche die Finanzierung des Unternehmens betreffen, auf jeden Fall ernst genommen werden.