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Beteiligungen Prior-Aktie vor allem für Fans geeignet

08.06.2006 ·  Eine operative Geschichte hat der Börsenkandidat Prior Capital nicht zu bieten - dafür einen illustren und bekannten Alleinvorstand, von dessen glücklichem Händchen die künftige Entwicklung der Aktie abhängen wird.

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Das Umfeld für Börsengänge ist derzeit nicht gerade positiv. Die Märkte schwächeln nicht nur, sie leiden unter einer regelrechten Kurs-Schwindsucht. In einem solchen Umfeld ausgerechnet als Herausgeber eines Börsenbriefs mit einer neuen Beteiligungsgesellschaft, die in Aktien, vorbörsliche Beteiligungen und Derivate investiert, den Schritt auf das Parkett zu wagen, ist schon recht mutig.

Aber Egbert Prior war noch nie ein ängstlicher Typ. Vielmehr hinterließ der Herausgeber der „Prior Börse“ und Alleinvorstand des Börsenkandidaten „Prior Capital“ bei seinen öffentlichen Auftritten bisweilen den Eindruck, als sei sein Motto „Viel Feind, viel Ehr'“.

Erfolg ist nicht immer alles

Bekannt wurde Prior in den neunziger Jahren als der erste Guru des Neuen Marktes. „Prior hat mich 1998 mit Mobilcom zum Millionär gemacht“ heißt es da im Diskussionsforum „Wallstreet-Online“. Da Börsenforen im Internet, Finanzwebsites und Anlegerzeitschriften noch vergleichsweise wenig breit gestreut waren, konzentrierte sich das Interesse der Anleger stark auf das Börsenspiel der „3satbörse“.

Dort war Prior ein Jahr lang vertreten und feierte nach anfänglichen Mißgriffen mit dem später insolventen Billigflieger Debonair, dem angeschlagenen Spar-Konzern und der umstrittenen Eurogas große Erfolge mit den Werten des Neuen Marktes. Sein Erfolg allein machte ihn in bestimmten Kreisen schon nicht besonders beliebt, doch vor allem durch sein häufig undiplomatisches Auftreten erwuchsen ihm regelrechte Feinde. Eine typische Prior-Aussage etwa war, auf einen Depotwert angesprochen, der sich schlecht entwickelte: „Sie freuen sich doch auch, wenn die Butter billiger wird“.

Unbedachte Äußerungen in der Live-Sendung, die den Verdacht von Kursmanipulation nahelegten, brachten ihn schließlich sogar vor Gericht. Indes wurde das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße von 9.000 Mark eingestellt. Wenn es überhaupt ein Verschulden des Angeklagten gegeben habe, dann liege der Kriminalitätsvorwurf nur am untersten Rand, sagte der Richter seinerzeit.

Ein eher bescheidener Start ins Beteiligungsgeschäft

Auch heute bewegt sich die Anlagestrategie der „Prior Börse“ nicht oder zumindest nicht ausschließlich im Bereich von marktengen Werten bzw. Zocker-Papieren. Zu den jüngsten zehn Empfehlungen gehörten nicht nur eher kleine Werte wie CEAG oder risikoreiche Highflyer wie Adlink oder Solarworld, sondern auch Börsenschwergewichte wie BASF und Adidas.

Diese Strategie dürfte man getrost auf die künftige Strategie der Prior Capital übertragen können. Das legt auch der Prospekt nahe, wonach diese darin besteht, „auf der Grundlage von Fundamentalanalysen und ... markttechnischen Faktoren Wertpapiere zu ermitteln, die ein überdurchschnittliches Kurspotential versprechen, diese zu erwerben, zu halten und ... wieder zu veräußern.“

Damit ist im Grunde alles gesagt. Denn bislang hat Prior Capital noch nichts erworben und keine operative Tätigkeit vorzuweisen. Diese soll erst mit dem Mittelzufluß aus dem Börsengang aufgenommen werden. Ausgegeben werden bis zu 2,6 Millionen Aktien zum Festpreis von zwei Euro, so daß sich der Bruttoerlös auf maximal 5,2 Millionen Euro beläuft.

Entscheidend sind Prior und die Märkte

Netto rechnet man mit 4,8 Millionen Euro. Das ist nichts, womit man am Kapitalmarkt große Sprünge machen kann, aber es reicht. Die Kurschancen sind indes aufgrund des miserablen Marktumfelds derzeit nicht gerade besonders hoch. Das zeigt sich nicht zuletzt an der vergleichbaren Aktie des Effecten-Spiegel, die doch zu weiten Teilen ein recht ähnliches Kursbild abgibt wie die Börsenindizes.

Der Erfolg der Aktie steht und fällt letztlich mit Egbert Priors Erfolg an den Märkten. Auf dieses Schlüsselpersonenrisiko wird auch im Prospekt hingewiesen. Insofern ist das Papier vornehmlich etwas für seine „Anhänger“. Und so scheint das auch gedacht zu sein, denn die Zeichnungswünsche von Abonnenten der Börsenbriefs werden vorrangig berücksichtigt.

In diesem Jahr war Priors Erfolg bislang eher mäßig. Seit Jahresbeginn ist nunmehr nur noch ein Plus von elf Prozent übrig geblieben. Im Vergleich von 78 Musterdepots beim Portal „Börsenwelt“ reicht das nur für einen Platz im Mittelfeld. Gezeichnet werden kann die Aktie ab Freitag und bis zum 16. Juni.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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