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Beteiligungen Börsengang von Delignit gibt MBB-Aktie Impulse

18.09.2007 ·  Entry-Standard-Werte haben es in sich. Großen Chancen stehen hohe Risiken gegenüber. Das zeigt auch das Chartbild der MBB Industries, in dem sich Einbrüche und steile Erholungen abwechseln.

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Aktien des Entry Standards haben es in sich. Dicht liegen Absturz und Höhenflug beieinander. Kann ein Unternehmen überzeugen, kann sich der Kurs in kürzester Zeit verdoppeln. Sind die Anleger enttäuscht, sind die Einbrüche von entsprechender Qualität.

Ursächlich ist nicht nur der vergleichsweise geringe Handel in dem wenig regulierten Börsensegment, sondern auch die vergleichsweise geringen Unternehmensgrößen, die dazu führen, dass die Ergebnisse und Bilanzen recht schwankungsanfällig sind, wie nicht zuletzt die rasche Insolvenz von Eutex (Eutex-Pleite macht Risiken des Entry Standards deutlich) oder der Kapitalverzehr bei Endor vor Augen führten. Eutex-Aktien fielen von einst 11,40 Euro auf aktuell vier Cent, Endor von einst 7,50 Euro auf 90 Cent.

Bewegte Kurshistorie

Ein Beispiel anderer Art ist MBB Industries. Auch hier war der Börsenstart wie bei vielen Werten des Entry Standard holprig. Von 11,17 Euro im Frühjahr 2006 fiel der Kurs noch im gleichen Jahr auf 7,20 Euro, erholte sich, nur um in diesem Sommer 6,92 Euro abzustürzen. Doch auch das hielt nicht lange - bis Anfang September schoss der Kurs auf 9,28 Euro nach oben und hält sich bei 9,15 Euro weiterhin in dieser Region.

Anlass für den Kursgewinn war die Nachricht, dass die Beteiligungsgesellschaft mit der Tochter Delignit erstmals eine Beteiligung an die Börse bringen werde. Delignit AG beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Mitarbeiter in Deutschland und Rumänien und besteht aus der Blomberger Holzindustrie und den rumänischen Töchtern S.C. Cildro und S.C. Delignit.

Blomberger wurde 1799 als Lohnsägerei gegründete und entwickelte den Werkstoff Delignit und damit die weltweit erste Buchen-Sperrholzplatte. Heute wird dort Delignit produziert, weiterveredelt und ausgeliefert. Zudem befinden sich dort zentrale Verwaltungsbereiche. Delignit zeichnet sich durch besondere Festigkeit und Stabilität aus. So nennt sich eine Tochtermarke „Panzerholz“ - nicht zuletzt, weil sie schusssicher ist.

Sperrholz für LKWs und Industrie

Im rumänischen Drobeta Turnu Severin wurde 2001 mit den Maschinen und Anlagen eines schweizerischen Furnierwerkes der Geschäftsbereich Veneer gegründet, indem schwerpunktmäßig spezielle Furniere für dekorative und nicht-technische Ansprüche beispielsweise für hochwertige Möbel produziert werden. Zudem wird dort gleichfalls Delignit, hauptsächlich für die Verwendung als Böden für leichte und schwere Nutzfahrzeuge gefertigt. Darüber hinaus liefert die Delignit AG Industrieböden und Bauelemente.

Angeboten werden die inklusive Greenshoe bis zu 3.094.300 Aktien für acht bis zehn Euro noch bis zum Donnerstag, ab dem 26. September soll die Aktie im Entry Standard gehandelt werden. 1,35 Millionen Euro stammen aus einer Kapitalerhöhung, während MBB bis zu 1,463 Millionen Stücke abgibt, so dass sich der Streubesitz künftig auf bis zu 49,9 Prozent belaufen soll.

Damit könnte der Börsengang bis zu 30,9 Millionen Euro einbringen, was MBB bis zu 17 Millionen Euro einbringen könnte. Mit den Mitteln aus dem Börsengang will Delignit ihre Produktionskapazitäten auszubauen sowie Akquisitionen tätigen, aber auch zur Umfinanzierung nutzen.

Deutliche Gewinnsteigerungen

Die Firma erzielte 2006 mit nach Pro-forma-Angaben eine Betriebsleistung von rund 42 Millionen Euro, wobei 35,94 Millionen Euro aus Umsatzerlösen stammten und erwirtschaftete dabei einen Überschuss aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von rund drei Millionen Euro und nach Steuern von 2,49 Millionen Euro.

Im ersten Halbjahr beliefen sich die Pro-forma-Umsätze auf 20,78 Millionen Euro und die Betriebsleistung auf 23,36 Millionen. Damit lagen sie um 27,6 Prozent über den Vorjahreswerten. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg um knapp das Vierfache von 456.000 auf 1,7 Millionen Euro, der Periodenüberschuss von 336.000 auf 1,45 Millionen Euro.

Indes war man bei MBB im ersten Halbjahr 2006 mit Delignit nicht zufrieden gewesen. Umsatz und Ergebnis waren deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, was man im wesentlichen auf seinerzeitige Anlaufschwierigkeiten bei der Umsetzung eines lang laufenden Großauftrags zurückführte. Cildro, die damals noch nicht zu Delignit gehörten, hätte dagegen eine erwartet positive Umsatz- und Ergebnisentwicklung aufgewiesen.

Die Eigenkapitalquote der Delignit AG betrug zuletzt 32,8 Prozent, wobei allerdings die Finanzschulden mit einem Drittel der Bilanzsumme deutlich zu Buche schlagen und die liquiden Mittel vor Kapitalerhöhung mit 151.000 Euro zum 30. Juni nicht eben hoch waren.

Recht vernünftige Bewertung von Delignit

Bewertet ist Delignit nach vollständiger Plazierung der Kapitalerhöhung auf Basis der Emissionsspanne mit 50 bis 63,5 Millionen Euro und damit mehr als dem Einfachen der Gesamtleistung des Vorjahres. Für 2007 erwartet man einen Umsatz von 41,4 Millionen Euro. Damit läge die Bewertung immer noch über dem Einfachen, aber durchaus in einem vernünftigen Rahmen.

Nach einem operativen Ergebnis von 3,6 Millionen Euro im ersten Halbjahr, das damit 61 Prozent über dem des Vorjahres gelegen hatte, erwartet das Unternehmen auch im Gesamtjahr eine deutliche Steigerung. Basierend auf dem Gewinn des Vorjahres beträgt das Emissions-KGV zwischen 20 und 25. Geht man vom Gewinn des ersten Halbjahres aus und schriebt diesen für das zweite fort, so ergibt sich ein KGV zwischen 17 und 21. Treffen die Wachstums- und Gewinnsteigerungserwartungen ein, so erscheint die Bewertung recht vernünftig.

Das zeigt auch, dass die Spanne mit acht bis zehn Euro am unteren Rand dessen angesiedelt worden ist, was sich das Unternehmen zunächst erhofft hatte, als mit einer Spanne von acht bis 15 Euro kalkuliert worden war.

MBB erscheint günstig

MBB selbst konnte den Umsatz im ersten Halbjahr um 81 Prozent auf 41,7 Millionen Euro erhöhen. Dazu hätten sowohl das organische Wachstum, als auch die Übernahme der Huchtemeier-Gruppe im Juni 2006 beigetragen. Der Halbjahresgewinn stieg von 1,7 Millionen auf 3,9 Millionen Euro um mehr als Doppelte. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand nunmehr einen Umsatz von über 100 Millionen Euro und ein im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegenes Ergebnis pro Aktie.

Analysten gehen im Schnitt von einem Ergebnisplus von 80 Prozent aus, wodurch sich für die Aktie eine Bewertung mit einem recht günstig erscheinenden Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,7 ergibt. Für 2008 wird das KGV auf rund acht geschätzt.

Die Aktie ist indes sehr volatil. Auch die Tatsache, dass das Oktoberhoch von 9,35 Euro nicht überwunden werden konnte und zwei Anläufe auf das Septemberhoch bislang scheiterten, spricht nicht für den Wert. Indes könnte ein gelungenere Börsengang der Delignit für etwas Belebung sorgen.

Sollte sich die charttechnische Entwicklung eintrüben, kann dies angesichts der aktuellen Bewertung auch eine Kaufgelegenheit sein, da mit einem neuen Börsengang sicherlich dann auch neues Leben in den Kurs kommen dürfte. Indes handelt es sich sowohl bei Delignit, als auch bei MBB eben um Entry-Standard-Werte - und da dürfen Absicherungsstrategien einfach nicht fehlen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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