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Stichtag 31. Dezember : Besitzer müssen ihre Tafelpapiere zur Bank bringen

  • Aktualisiert am

„Kraftlos“, aber nicht wertlos - die Tafelpapiere behalten auch nach dem 31. Dezember ihren Wert. Bild: dpa

Anteilsscheine deutscher Investmentfonds in Papierform sollen bis zum 31. Dezember zur Bank gebracht und im Depot der Kunden gutschrieben werden. Wertlos werden sie nach dem Stichtag aber nicht.

          Die Zeiten, in denen Wertpapiere tatsächlich aus Papier waren, sind lange vorbei. Doch nicht nur bei Sammlern sind die oft schmuckvoll gestalteten historischen Aktien und Fondsanteile begehrt. Die Fondsanbieter Union Investment und Dekabank beispielsweise sprechen jeweils von einem Volumen im zweistelligen Millionenbereich, das ihre Kunden noch in Form sogenannter effektiver Stücke halten.

          Ein neues Gesetz fordert die Besitzer solcher auch Tafelpapiere genannten Wertpapiere bis Ende dieses Jahres zum Handeln auf: Anteilsscheine deutscher Investmentfonds in Papierform sollen bis zum 31. Dezember zur Bank gebracht und im Depot der Kunden gutschrieben werden. Deutschland setzt damit eine EU-Richtlinie um. Aktien sind von der Neuregelung nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts nicht erfasst. Nach dem Stichtag werden die betroffenen Papiere „kraftlos“, wie es im Kapitalanlagegesetzbuch heißt. Sind sie damit auch wertlos?

          Nein, beschwichtigen Union Investment und Dekabank. „Im Prinzip gibt es für die in Deutschland zugelassenen Fonds nur eine rechtliche Änderung, die kaum Auswirkungen auf den Anleger hat. Dieser kann auch nach dem Jahresende zur Verwahrstelle des Fonds gehen und den Gegenwert in sein Depot buchen lassen“, sagt ein Sprecher von Union Investment.

          Inhaberpapiere sind Regulatoren bei der Bekämpfung von Steuerflucht und Geldwäsche ein Dorn im Auge

          Auch bei der Dekabank heißt es: „Die Effekten deutscher Fonds sind nach dem 31.12.2016 zwar nicht mehr handelbar, das heißt kein Kunde kann sie weiterverkaufen. Allerdings behalten sie ihren Wert und nehmen an der Wertentwicklung und Ausschüttungen des Fonds weiterhin teil.“ Eine Sprecherin des Wertpapierhauses der Sparkassen betont: „Es gibt also keinen Grund für die Kunden, überstürzt zur Sparkasse zu gehen und die Papiere bis 31.12. einzuliefern. Das ist auch später noch möglich. Auch Steuern lassen sich nicht sparen, da eine Barauszahlung schon lange nicht mehr erfolgt, auch nicht brutto.“

          Tafelpapiere haben ihren Namen daher, dass sie in der Regel bar direkt am Bankschalter (“Tafel“) erworben wurden und in Eigenregie im heimischen Safe oder einem Bankschließfach aufbewahrt werden. Die Kupons für die Zins- oder Dividendenzahlungen schneiden die Besitzer von den Papieren ab und lösen sie bei der Bank ein, ohne dass dafür ein Konto nötig ist. Weil Anleger somit anonym bleiben können, sind solche Inhaberpapiere den Regulatoren bei der Bekämpfung von Steuerflucht und Geldwäsche ein Dorn im Auge. Denn die Emittenten, also Aktien- oder Fondsgesellschaften, kennen die Inhaber nicht. Die Behörden haben deshalb keine Zugriffsmöglichkeiten.

          Verkauft werden solche Tafelpapiere schon seit vielen Jahren nicht mehr. Bei der Deka sind sie seit Mitte der 1990er Jahre Geschichte. Bei Union Investment wurden sie formal juristisch zwar erst 2013 abgeschafft, nach Angaben eines Sprecher spielten sie faktisch aber auch dort schon viele Jahre zuvor keine Rolle mehr.

          Keine Angst vor Wertverlust

          Ähnlich sieht es bei Aktien aus. „Gedruckte Aktien sind aus der Mode gekommen, das ist durch die technischen Möglichkeiten überholt“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts (DAI), Franz-Josef Leven. Für Wertpapiere gibt es heute in der Regel eine sogenannte Globalurkunde, die zentral verwahrt wird. Anteile werden in den Depots der Kunden elektronisch gutgeschrieben.

          Auch wer historische Wertpapiere erbt oder in den Dokumenten der Großeltern findet, läuft nicht Gefahr, wegen der gesetzlichen Neuregelung nur wertloses Papier in den Händen zu halten - vorausgesetzt, es gibt die Firma bzw. deren Rechtsnachfolger noch, die das Papier einst auf den Markt gebracht hat.

          „Der Anleger muss sich keine Sorgen machen, wenn er ein solches Papier von einem deutschen Fonds nach dem Stichtag findet oder erbt. Er kann damit auch nach dem Jahresende zur Verwahrstelle des Fonds gehen und es in sein Depot buchen lassen“, erläutert ein Sprecher des deutschen Fondsverbandes BVI. Luxemburg ging radikaler vor: Wer die Stücke dortiger Fonds nicht bis zum 18. Februar 2016 eingeliefert hat, ist jetzt kein Anleger mehr. Der Geldwert des Anteils wurde zur Abholung in Luxemburg hinterlegt.

          Ohnehin erkennt nicht jeder den Wert der bisweilen bunt bedruckten Schmuck-Urkunden - wie der folgende Fall illustriert, von dem die Düsseldorfer Polizei Anfang April 2004 berichtete: Ein halbes Jahr nach einem Taschendiebstahl bekam eine Frau Tafelpapiere im Wert von 50 000 Euro zurück. Der Dieb hatte offensichtlich keine Ahnung, was er da seinerzeit in einem Supermarkt geklaut hatte und über Monate behielt. Die Tasche mit den Wertpapieren landete letztlich in der Mülltonne, wo sie ein aufmerksamer Finder entdeckte.

          Quelle: dpa

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