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Berkshire Hathaway : Warren Buffetts Erfolgsformel ist geknackt

Es kommt auf die inneren Werte der Aktie an - aber für Privatanleger wäre eine solche Strategie mehr als riskant

          Er gehört mit mehr als 50 Milliarden Dollar zu den reichsten Menschen der Welt. Seine Renditen sind legendär - seit 57 Jahren werden jährlich im Schnitt 20 Prozent Rendite erwirtschaftet. Die Rede ist von Warren Buffett, dem berühmten Investor aus den Vereinigten Staaten. Lange rätselten Analysten und Privatanleger über seine Erfolgsformel. Nun scheint sie geknackt zu sein. Zumindest behauptet das amerikanische National Bureau of Economic Research, ihm sehr eng auf den Fersen zu sein. Die Finanzexperten haben Buffetts Geschäfte der vergangenen 40 Jahre untersucht. Ihr Ergebnis besteht aus 12 verschiedenen Formeln, die sich in zwei grundsätzliche Regeln unterteilen lassen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die erste ist eigentlich seit Jahren schon bekannt. Buffett setzt seit Anfang seiner Investorenkarriere auf die sogenannten inneren Werte der Aktie. Von außen betrachtet soll sie also unattraktiv wirken, aber eigentlich hochattraktiv sein. Das Identifizieren dieser Aktien fällt naturgemäß schwer. Buffett achtet aber auf einige Kernwerte, so dass seine Aktien günstig, sicher und hochwertig sein sollen - wie eine eierlegende Wollmilchsau. Zuallererst schaut er auf die Volatilität. Liegt diese unter dem Durchschnitt, weist das auf ein niedriges Interesse hin - das erste Kriterium. Aber nur weil etwas niemand beachtet, heißt das noch lange nicht, dass es deshalb attraktiv ist. Deswegen kommt es auch auf niedrige Kurs- und Buchwerte an, so dass die Bilanzwerte die Börsenbewertung nicht voll widerspiegeln. Damit nicht genug, schaut der Starinvestor auch auf überdurchschnittlich wachsende Gewinne. Um eine gute Aktie für Buffett abzurunden, fehlt noch eine hohe und regelmäßige Ausschüttung an Dividenden. Dies gilt aber nur, wenn sie als Teil des Gewinns ausgeschüttet wird - Unternehmen, die Miese machen und trotzdem Dividenden ausschütten, lässt die Investorenlegende links liegen.

          An diese Regeln kann sich auch jeder Privatinvestor halten, jedenfalls wenn er genug Zeit hat, um sich so tief in Bilanzen zu vergraben. Der zweite Teil ist aber hochriskant und für Privatanleger eher nicht geeignet. Denn Buffett kauft die Aktien mit geliehenem Geld, um so viele Wertpapiere wie möglich zu bunkern. Um auf die Werte von Buffett zu kommen, muss das eigene Portfolio zu 60 Prozent fremdfinanziert sein. 1600 Euro an Aktien stehen dann nur 1000 Euro Depotwert entgegen.

          Der Gesamtwert der Beteiligungen von Buffett beläuft sich momentan auf das Doppelte des Unternehmenswertes von Berkshire. Damit liegt der Hebel derzeit sogar bei 2 zu 1 - also über dem langfristigen Durchschnitt von 60 Prozent.

          Durch das zusätzliche Geld können natürlich die Profite vergrößert werden. Aber im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass die Verluste überdurchschnittlich steigen, wenn mal etwas schiefgeht. Irgendwie hat Buffett es geschafft, das zu verhindern. Sein schlechtestes Jahr schloss mit einer Rendite von lediglich minus 9,6 Prozent. Denn den Kredithebel setzt Buffett nur bei vermeintlich sicheren Aktien ein. Aber bei der Auswahl der sicheren Wertpapiere können sich Privatanleger schnell die Finger verbrennen. Auch sonst ist es für Privatanleger nicht ganz leicht, der Formel zu folgen. Denn sie erfordert eine breite Diversifikation der einzelnen Wertpapiere. So breit, dass sie bei einem durchschnittlichen Jahresgehalt eigentlich nicht zu bewerkstelligen ist.

          Was können Anleger nun trotzdem von Buffett lernen? Die Autoren der Studie schreiben, dass „weder Glück noch Magie“ zählen. Sollte freies Kapital im Portfolio verfügbar sein, kann man darauf zurückgreifen und sich quasi selbst einen Kredit geben - wie Buffett es macht. Zumindest legt die Studie nahe, dass bei einem strikten Befolgen der Buffett-Formel ein ähnlicher Erfolg möglich ist. Die Formel erklärt aber zum Beispiel nicht, warum Buffett so beträchtliche Werte in nichtbörsennotierte Firmen investiert - ein Geheimnis bleibt also übrig.

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