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Berkshire Hathaway Buffett macht es mit Schulden

 ·  Der Erfolg Warren Buffetts stammt nicht allein aus seiner Strategie, sondern auch aus einer billigen, aber hohen Verschuldung. Und natürlich aus der Überzeugung seiner Anhänger.

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Wie gerne würden Vermögensverwalter den Erfolg des legendären Investors Warren Buffett kopieren! Wer im November 1976 nur einen Dollar in Aktien von Buffetts börsennotierter Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway steckte, verfügte Ende 2011 über einen Betrag von etwas mehr als 1500 Dollar.

Das entspricht einer jährlichen Überrendite gegenüber risikolosen amerikanischen Schatzwechseln von 19 Prozent. Damit ist Berkshire Hathaway deutlich besser gewesen als der Durchschnitt des amerikanischen Aktienmarkts. Das Unternehmen investiert in börsennotierte Gesellschaften ebenso wie in Firmen, die nicht an der Börse notiert sind.

Sagenhafte Überrenditen

Über Buffetts Anlagestrategie ist viel geschrieben worden, zum Beispiel über seine Neigung, Aktien von Unternehmen mit einem klaren und (vermeintlich) sicheren Geschäftsmodell sowie hohem Cashflow wie Coca-Cola zu erwerben.

Nunmehr haben sich drei Mitarbeiter der amerikanischen Fondsgesellschaft AQR Asset Management Berkshire Hathaway in einer Studie (“Buffetts Alpha“) einmal auch unter finanzmathematischen Gesichtspunkten angeschaut. Was dabei auffällt: Berkshire Hathaway hat bei einer langfristigen Betrachtung über mehr als 30 Jahre eine höhere Sharpe-Ratio als jede andere amerikanische Aktie oder jeder amerikanische Investmentfonds. Die Sharpe-Ratio misst die Überrendite einer Anlage - das ist die erzielte Rendite im Vergleich mit der Rendite einer risikolosen Anlage wie Schatzwechsel - im Verhältnis zum Risiko der Anlage. Als Risikomaß dient die Volatilität der Rendite.

Berkshire kommt im Zeitraum zwischen 1976 und 2011 auf eine Sharpe-Ratio von 0,76. Das ist nahezu doppelt so hoch wie die durchschnittliche Sharpe-Ratio des amerikanischen Aktienmarkts. Dies belegt, dass Buffett sehr erfolgreich ist, aber auch, dass er bereit ist, ansehnliche Risiken einzugehen. Es hat zwar immer Vermögensverwalter gegeben, die sich großer Erfolge mit einer weit riskanteren Strategie brüsteten, die zu Sharpe-Ratios von 1 oder 2 führte. Nur hat sich von diesen Verwaltern in der Regel keiner so lange am Markt gehalten wie Buffett mit Berkshire - irgendwann scheiterten seine Konkurrenten an ihren sehr hohen Risiken.

Beharrlichkeit

Die erste Lektion aus dem Studium von Berkshire Hathaway lautet: In der Ruhe und in der Beständigkeit liegt die Kraft. Denn natürlich haben sich die mit Buffetts Anlagepolitik verbundenen Risiken auch gezeigt: So verlor die Aktie von Berkshire zwischen Ende Juni 1998 und Ende Februar 2000 immerhin 44 Prozent ihres Wertes, während der gesamte amerikanische Aktienmarkt in dieser Zeit um 32 Prozent zulegte.

Viele Vermögensverwalter würden für eine solche „Leistung“ mit Geldabzügen von Kunden bestraft; nicht wenige Manager von Investmentfonds dürften gar entlassen werden. Buffett aber blieb immer unangefochten und ein Liebling seiner Aktionäre. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss kurzfristig Durststrecken ertragen können. Berkshire war auch nie gezwungen, in einem Börsenkrach Aktien um nahezu jeden Preis zu verkaufen (“Fire Sale“), sondern konnte seine Positionen durchhalten.

Spekulieren auf billigem Pump

Die zweite Lektion lautet: Verschuldung kann sehr hilfreich sein, vor allem, wenn sie billig ist. Die Schulden von Berkshire liegen langfristig bei rund 140 Prozent des Eigenkapitals und haben damit wesentlich zu Buffetts „Feuerkraft“ beigetragen. Vor allem aber konnte und kann sich Berkshire für ein Unternehmen sehr günstig finanzieren. In den Jahren 1989 bis 2009 erfreute sich Berkshire sogar eines AAA-Ratings.

Berechnungen zeigen, dass ein nicht geringer Teil von Buffetts Überrenditen aus der günstigen Fremdfinanzierung stammt. Gut ein Drittel der Verbindlichkeiten von Berkshire kommen aus den Prämieneinnahmen der von dem Unternehmen gehaltenen Versicherungen. Weiterhin hat Berkshire erhebliche Mittel aus Termingeschäften - konkret: dem Schreiben von Optionen - vereinnahmt.

Buffetts Anlagemodell ist scheinbar einfach; der Meister selbst hat niemals anderes behauptet. Aber man braucht als Vermögensverwalter in der Tradition Buffetts neben jeder Menge Selbstdisziplin eben auch Kunden, die bereit sind, im Sinne einer langfristigen Vermögensanlage durch dick und dünn zu gehen.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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