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Berichtssaison in Amerika Steckt hinter den Zahlen weniger als gedacht?

08.10.2009 ·  Die Wirtschaft mag auf Erholungskurs sein, doch viele Anleger rechnen für das dritte Quartal nach wie vor mit mäßigen Unternehmensgewinnen.

Von Ben Steverman
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Nachdem in den Vereinigten Staaten die Berichtssaison für das dritte Quartal eingeläutet wurde, können die Unternehmen nun zeigen, inwieweit sie eine echte Konjunkturerholung spüren. Wenn die Analysten mit ihren Prognosen richtig liegen, was beileibe keine ausgemachte Sache ist, dann könnte das dritte Quartal einen Wendepunkt markieren. Im Zeitraum von Juli bis September könnte der Finanzsektor erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder einen Gewinnanstieg erzielt haben, während der Sektor dauerhafte Konsumgüter zum ersten Mal seit drei Jahren ein Gewinnwachstum aufweisen könnte.

Soviel zu den guten Nachrichten. Insgesamt wird für die im Aktienmarktindex S&P-500 vertretenen Unternehmen nach Angaben von Thomson Reuters jedoch ein Gewinnrückgang von 24,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal prognostiziert.

Banken nach wie vor schwach

Ein genauerer Blick auf den erwarteten Gewinnanstieg von Finanz- und Konsumgüterunternehmen dämpft die Vorfreude. Die für den Finanzsektor prognostizierten Zuwächse gehen fast vollständig auf das Konto des Versicherungskonzerns American International Group (AIG), der vor einem Jahr einen Verlust von fast 10 Milliarden Dollar auswies und im abgelaufenen Quartal möglicherweise wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt ist. Thomson Reuters zufolge erwarten Analysten für den Finanzsektor einschließlich AIG einen Gewinnanstieg von 57 Prozent, während ohne AIG mit einem Rückgang von 29 Prozent gerechnet wird.

Insbesondere die Ergebnisse von Banken dürften weiter schwach ausfallen. Bankexperten des Wertpapierhauses Keefe, Bruyette & Woods gehen davon aus, dass die Bankgewinne um 28 Prozent sinken könnten, was der Branche den elften Quartalsrückgang in Folge bescheren würde.

Basiseffekt auch bei dauerhaften Konsumgütern

Im Sektor dauerhafte Konsumgüter dürfte sich ein ähnliches Bild abzeichnen, wenn bei Hausbauunternehmen und Automobilherstellern eine Verbesserung gegenüber den massiven Verlusten des entsprechenden Vorjahresquartals eintritt. Der für den Sektor erwartete Gewinnanstieg von 17 Prozent ist allein auf diese beiden Branchen zurückzuführen. Ohne Bauunternehmen und Fahrzeughersteller würden die Gewinne laut Thomson Reuters um 19 Prozent sinken.

Für Anleger dürfte das Gesamtniveau der Gewinne weniger wichtig sein als die Frage, in welchem Ausmaß die tatsächlichen Ergebnisse von den Markterwartungen abweichen. Eine enttäuschende Berichtssaison könnte die seit März kräftig gestiegenen Aktienkurse gefährden, wohingegen eine herausragende Berichtssaison der seit sieben Monaten anhaltenden Hausse zusätzlichen Schub verleihen könnte.

Anleger weiter vorsichtig

Bruce Bittles, leitender Investmentstratege bei Robert W. Baird, befürchtet, dass die Anleger zu große Hoffnungen in die Unternehmensberichte zum dritten Quartal setzten. „In den ersten beiden Quartalen wurden die Erwartungen sehr niedrig gehängt“, sagt er. „Jetzt stehen die Ergebnisse für das dritte Quartal an und die Leute rechnen damit, dass die Zahlen mäßig, vielleicht sogar gut ausfallen.“

Andere sind der Ansicht, dass Anleger und Analysten noch immer zu vorsichtig seien, wodurch sie den Unternehmen Spielraum für positive Überraschungen eröffneten. „Die Erwartungshaltung ist nach wie vor ziemlich niedrig“, sagt Michael Yoshikami, Vorstandsvorsitzender und leitender Investmentstratege von YCMNET Advisors. „In den beiden vergangenen Jahren haben sich die Analysten zu oft die Finger verbrannt.“

Trotz der Zeichen einer konjunkturellen Erholung in den vergangenen Monaten hätten sich die Analystenschätzungen wenig verändert, sagt Ashwani Kaul, Leiter der Analyseabteilung bei Thomson Reuters.

Sorgenkind Umsatzerlöse

Kaul zufolge komme es bei den Unternehmensgewinnen vor allem darauf an, ob es Unternehmen gelinge, ihre Umsätze zu steigern. Nach monatelangem Stellenabbau „haben die Unternehmen ihre Kosten erfolgreich in den Griff bekommen“, so Kaul. „Weitere Kostensenkungen dürften nur noch schwer möglich sein“, weshalb künftiges Wachstum durch Umsatzsteigerungen erzielt werden müsse. Analysten rechnen für das dritte Quartal mit einem weiteren Umsatzrückgang der im S&P-500 vertretenen Unternehmen von 11 Prozent.

John K. Schonberg, Fondsmanager des Riversource Mid Cap Growth Fund, geht davon aus, dass sich bei den Ergebnissen des dritten Quartals das im zweiten Quartal beobachtete Phänomen wiederholen könnte: Die Umsatzerlöse seien zwar enttäuschend gewesen, die Gewinne hätten jedoch die Erwartungen übertroffen. „Das zweite Quartal wurde als Erfolg gewertet“ und habe der Sommerrally an den Aktienmärkten Auftrieb verliehen, sagt Schonberg.

Diesmal könnten die Anleger allerdings unzufrieden sein und schwache Umsätze als Zeichen einer schwachen konjunkturellen Erholung interpretieren. Die Marktreaktion könnte von der Geduldbereitschaft der Anleger abhängen. Analysten rechneten für das erste Quartal 2010 mit dem Beginn eines kräftigen Anstiegs der Umsatzerlöse, so Kaul.

Viele Fragen bleiben offen

Die Gewinnsituation der Unternehmen könnte sich derweil infolge der in großem Umfang vorgenommenen Kostensenkungen verbessern. „Die inzwischen verschlankten Unternehmen sind profitabler“ sagt Peter Cardillo, Chefvolkswirt bei Avalon Partners. „Der Arbeitsplatzabbau war enorm.“ Die erzielten Gewinne könnten dazu beitragen, eine größere Korrektur an den Aktienmärkten in diesem Herbst zu verhindern.

Die Zahlen für das dritte Quartal könnten ein erstes Zeichen für das Ende der Rezession in den Vereinigten Staaten sein. Darüber hinaus dürften sie aber viele Fragen offen lassen. Ungewiss sind beispielsweise das Tempo und die Nachhaltigkeit der Erholung. Unklar ist ferner, welche Unternehmen und Branchen davon profitieren oder darunter leiden, wenn die Wirtschaft von einer schweren Rezession in eine langsame Erholungsphase übergeht. In der Welt der „neuen Normalität“ ist an der Wall Street allerdings jedes noch so kleine Zeichen von Fortschritt willkommen.

Steverman ist Reporter für den Investing Channel der BusinessWeek.

Quelle: BusinessWeek
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