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Bergbau Xstrata-Aktie im Aufwind des Rohstoffbooms

10.08.2005 ·  Der Schweizer Rohstoffhändler Glencore hat mit seinen Investitionen in Kohlen vier Jahren ein gute Nase beweisen. Heute scheffelt die Tochter Xstrata mit den schwarzen Diamanten Gewinne.

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Rohstoffboom und kein Ende. Schaut man auf die Preisentwicklung an den Märkten, so mag einem manches Mal schwindlig werden. Ebenso wie bei den Ergebniszahlen, die Minengesellschaften derzeit vorlegen.

Die in London notierte Xstrata, eine 40 Prozent-Tochter des größten Schweizer Unternehmens Glencore, einem in Zug ansässigen Rohstoffhändler, gab am Mittwoch bekannt, daß sie den Reingewinn im ersten Halbjahr des laufenden Jahres um 80 Prozent auf 764 Millionen Dollar von 374 Millionen Dollar gesteigert hat. Und dieses Ergebnis war bedeutete bereits eine Steigerung gegenüber dem Pro-forma-Ergebnis des Vorjahreszeitraums von 380 Prozent.

Kohle bringt die meiste Asche

Die Umsätze sind im ersten Halbjahr des laufenden Jahres um 28 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar gestiegen, gegenüber 40 Prozent im Vorjahr. Dabei muß man berücksichtigen, daß Xstrata als eigenständiges Unternehmen sehr jung ist und die Zahlen von 2003 etwas schwierig zu vergleichen sind.

Den größten Teil seines Umsatzes (rund 44 Prozent im ersten Halbjahr) macht Xstrata mit Kohle. Der Rohstoffhändler Glencore positionierte sich rechtzeitig zu einem Zeitpunkt im Kohlemarkt als andere diesen verließen. Dieses Geschäftsfeld wurde im Jahr 2002 in Xstrata ausgegliedert. 2003 übernahm die Tochter dann den australischen Bergbaukonzern M.I.M. und ist damit inzwischen zum weltgrößten Exporteur von Kohle zur thermischen Verwertung aufgestiegen.

Die Tatsache, daß der Bereich Kohle mit einer Vorsteuermarge von 39 Prozent den zweitprofitabelsten Konzernbereich darstellt, zeigt wie richtig die damalige Strategie war. Denn der hohe Energiebedarf und auch die Nachfrage nach Kohle für die Verhüttung haben den Preis für gehandelte Kohle nach oben getrieben. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum konnte Xstrata Preise erzielen, die im Durchschnitt über 40 Prozent höher lagen. Im Bereich Exportkoks betrug die Preissteigerung sogar über 90 Prozent.

Von Rohstoffpreisen nicht zu trennen

Demgegenüber nehmen sich die erzielten Preissteigerungen von rund 20 Prozent in den Bereichen Blei, Kupfer und Zink nahezu moderat aus. Nichtsdestoweniger sind auch diese Bereiche hochprofitabel. Kupfer etwa, das für 21 Prozent des Umsatzes im ersten Halbjahr sorgte, bringt derzeit eine Vorsteuermarge von 52 Prozent.

Natürlich hängt die Entwicklung der Unternehmensergebnisse bei Xstrata an den Rohstoffpreisen. Solange diese weiter steigen, geht es bei Xstrata weiter aufwärts. Die große Frage ist also, ob es weiter aufwärts geht. Während aktuelle Prognosen für Kupfer positiv sind, so sind sie in anderen Bereichen weniger optimistisch.

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs rechnet im kommenden Jahr mit einem Fallen der Kontraktpreise für thermische Kohle in Asien um acht Prozent, in Folge geringerer Nachfrage und einer steigenden Produktion. Kohle ist typischerweise ein Rohstoff, dessen Bedarf traditionell aus eigener Produktion gedeckt wird. Lediglich 15 Prozent der Weltproduktion werden international gehandelt.

Die Zinkpreise haben sich seit ihren Tiefstständen des Jahres 2003 bis zum Frühjahr 2005 annähernd verdoppelt, doch ist der Trend seit März rückläufig. Derzeit notiert das Metall rund 12 Prozent unter den Höchstständen von Anfang März. Auch bei Blei schient die Luft etwas raus zu sein. Nach einem jähen Preisanstieg stagnieren die Preise seit Herbst des vergangenen Jahres und sackten seit Mitte Juni um 12 Prozent ab.

Kein Marktgleichgewicht in nächster Zeit

Xstrata selbst gibt sich hingegen in gewohnter Manier optimistisch und will weiter aggressiv agieren. In der zweiten Jahreshälfte werde man die vollen Ergebnisbeitrag der aktuellen Rohstoffpreise sehen, sagte Xstrata-Chef Mick Davis der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens sei sehr stark und die Kosteneinsparungen würden in den kommenden sechs Monaten noch größere Spuren in den Unternehmensbilanzen hinterlassen.

Zwar würden letztlich Angebot und Nachfrage am Rohstoffmarkt wieder ausgeglichen werden und die Preise auf ein Niveau fallen, das den langfristigen Grenzkosten der Produktion entspreche. Auch werde der Anpassungsprozeß keineswegs problemlos und vorhersehbar verlaufen, doch würden die Rohstoffpreise für eine „längere Zeitspanne“ weiter hoch bleiben. Neue Produktionskapazitäten in der Branche würden nicht auf langfristig unrealistischen Preisannahmen basieren, sondern sähen sich derzeit eher infrastrukturellen Engpässen ausgesetzt.

Davis ist nicht für seine Zurückhaltung bekannt, nichtsdestoweniger hat seine Analyse einiges für sich. Denn Spekulationen auf sinkende Rohstoffpreise in Folge eines nachlassenden Wirtschaftswachstums sind schon eine ganze Weile im Markt und tragen durch ausgelöste Leerverkäufe eher zu einer Stabilisierung bei, weil sie spätere Eindeckungen erzwingen.

Gepflegter Kurs im ungebrochenen Aufwärtstrend

Für die Anleger ist die Xstrata-Aktie derzeit also durchaus attraktiv. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von neun auf Basis des laufenden Jahres und rund 9,5 für das kommende Geschäftsjahr ist die Aktie im Vergleich zu anderen großen Minenunternehmen wie Rio Tinto und BHP Billiton, die mit KGVs von 15 bzw. 12 bewertet sind fast schon preiswert.

Und Xstrata pflegt den Kurs. Im vergangenen Jahr kaufte das Unternehmen 3,7 Prozent der austehenden Aktie zurück und wird diese Politik auch im laufenden Jahr „wahrscheinlich“ beibehalten. Außerdem treiben immer wieder Akquisitionsgerüchte den Kurs, auch wenn Xstrata selbst diese nie kommentiert.

Charttechnisch liegt die Aktie in einem Aufwärtstrend, der sie von ihrem Allzeittief bei 312,16 Pence im Frühjahr 2003 bis auf ihr neues Allzeithoch am Mittwoch bei 1270 Pence getrieben hat - eine Kurssteigerung von rund 75 Prozent im Jahresdurchschnitt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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