Spekulationen sind am Aktienmarkt das A und O. Das galt auch in den vergangenen Wochen für den Bayer-Konzern. Einmal ging es um den Kauf der Tiermedizinsparte vom amerikanischen Wettbewerber Pfizer, dann um einen möglichen Ausstieg aus dem Diabetesgeschäft. Vor kurzem erst wurde wieder kolportiert, der Konzern stehe vor einem Zukauf in Milliardenhöhe.
Doch immer wieder werden solche Spekulationen auch kurzerhand enttäuscht. Unmissverständlich erteilte Finanzvorstand Werner Baumann gegenüber dem Internet-Sender Finance TV diesen am Dienstag eine Absage.
Rating steht im Vordergrund
„Wir lassen uns nicht von Analysten treiben“, sagte der Finanzvorstand. Einer großen Übernahme stehe das harte Finanzziel entgegen, das Kreditrating von „A-“ ohne Einschränkung verteidigen zu wollen. Damit wäre für Bayer eine Akquisition im Milliardenvolumen nur durch eine große Kapitalerhöhung oder die Abgabe von anderen Geschäftsfeldern zu stemmen.
Analysten haben zu diesem Zweck in den vergangenen Monaten häufiger einen Verkauf der Chemiesparte Material Science empfohlen. Dem Bereich war es 2011 wieder nicht gelungen, seine Kapitalkosten zu verdienen. Doch auch diesen Forderungen erteilte Baumann eine Absage: „Die Performance von Material Science muss man über den Zyklus betrachten, und auf Sicht der vergangenen zehn Jahre hat Material Science seine Kapitalkosten verdient.“
Weiter seitwärts
Ob der Kurs der Bayer-Aktie am Dienstag wegen enttäuschter Übernahmespekulationen ins Minus rutschte, ist indes zu bezweifeln. Dies dürfte viel eher der Marktentwicklung geschuldet sein.
Bei einer Bewertung der Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 10 für das laufende und rund 9 für das kommende Jahr erscheint diese derzeit fundamental günstig - auch ohne Akquisitionen und Verkäufe. Setzt man darauf, dass Bayer seine Geschäfts- und Bilanzentwicklung mit Sorgfalt gestaltet, bietet sich hier eine etwas konservativere Perspektive.
Indes wird Bayer stets als zyklisch betrachtet und zeigt der nicht wenig volatile Verlauf des Aktienkurses auch eine gewisse Schwankungsfreudigkeit. Damit würden sich sicher größere Chancen bieten, wenn Bayer Übernahmen planen würde.
Seit bald sechs Jahren schwankt der Aktienkurs größtenteils zwischen 40 und 60 Euro. Die Absage an Übernahmen sorgt nicht für Phantasie, so dass ein Ausbruch nach oben eher unwahrscheinlicher wird. Bei einem Kursniveau von rund 51 Euro und einem kurzfristigen Abwärtstrend scheint ein Einstieg derzeit daher eher weniger geraten.