04.05.2005 · Auch im „Jahr der Dividende“ ist eine hohe Dividendenrendite nicht automatisch ein Kaufgrund. Dies zeigt das Beispiel Bien-Zenker. Der Fertighausbauer hat erstmals rote Zahlen geschrieben - und will deshalb die Aktionäre nicht bedienen.
Auch im „Jahr der Dividende“ ist eine auf dem Papier hohe Dividendenrendite nicht schon automatisch ein Kaufgrund. Dies zeigt das Beispiel Bien-Zenker. Rein rechnerisch kam der Titel in den vergangenen Wochen auf eine Dividendenrendite von rund sechs Prozent. Doch dies war zum einen auf einen deutlichen Kursverfall zurückzuführen.
Zum zweiten zeigt sich zur Wochenmitte, dass die Dividendenrendite insgesamt zur Makulatur geworden ist. Denn der Fertighaus-Bauer hat im Geschäftsjahr 2004 erstmals in seiner Geschichte rote Zahlen geschrieben und will deshalb mangels Gewinnen die Aktionäre für das abgelaufene Jahr nicht bedienen. Dadurch sinkt die Dividendenrendite auf Null. Für das Geschäftsjahr 2003 hatte das mittelständische Unternehmen noch eine Dividende von 50 Cent je Aktie gezahlt.
Die Aktie von Bien-Zenker reagiert indes auf dem Frankfurter Parkett nur moderat auf die schlechten Nachrichten. Sie verbilligt sich um knapp ein Prozent auf 8,12 Euro - nicht zuletzt deswegen, weil sie schon eine Talfahrt hinter sich hat. Binnen Jahresfrist hat das Papier fast 30 Prozent an Wert verloren und sich um 36 Prozent schlechter entwickelt als der Deutsche Aktienindex (Dax). Gegenüber dem Kleinwerte-Segment SDax beträgt das relative Minus sogar fast 50 Prozent.
Wieder mehr Aufträge und Umsatz erwartet
Scharfer Wettbewerb und die hoher Kostendruck hätten zu einem Verlust von 3,6 Millionen Euro geführt, teilte das Unternehmen aus Schlüchtern am Mittwoch mit. 2003 machte Bien-Zenker noch knapp 2,2 Millionen Gewinn. Im Jahr davor war unter dem Strich noch ein Ergebnis von 3,5 Millionen Euro erzielt worden.
Die Umsätze im Fertighausbau stiegen von 79,9 auf 103,7 Millionen Euro. Die Aufträge gingen allerdings um rund ein Drittel von 113,2 Millionen Euro im Vorjahr auf 77,6 Millionen Euro zurück. Verantwortlich sei dafür das zweite Halbjahr in Deutschland gewesen. Dagegen konnte die österreichische Tochter einen Anstieg des Auftragseingangs von 19,1 Millionen Euro auf 23,6 Millionen Euro verbuchen. Das reichte aber nicht aus, den Abwärtstrend in Deutschland auszugleichen. Der Marktanteil der Bien-Zenker-Häuser liegt den Angaben zufolge bei rund fünf Prozent. Die Eigenkapitalquote betrug 33,7 Prozent nach 43,7 Prozent
Vorstand und Aufsichtsrat wollen wegen des schlechten Ergebnisses der Hauptversammlung vorschlagen, für das vergangene Jahr keine Dividende auszuschütten. Für dieses Jahr erwartet Bien-Zenker Auftragseingänge in Höhe von 155 Millionen Euro, der Gesamtumsatz soll bei rund 140 Millionen Euro liegen. Wie das Unternehmen weiter mitteilte, will es Kosten senken, vom Inlandsmarkt unabhängiger werden, indem es das Auslandsgeschäft vorantreibt.
Aktie günstig - wenn die Ertragswende gelingt
Aus fundamentaler Sicht kommt es darauf an, die Ertragswende zu schaffen. Der Konzern gibt sich bisher zurückhaltend: Er strebt „wieder bessere Ergebnisse“ an. Wenn der Turnaround gelingt, wäre die Aktie günstig bewertet. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis beträgt gemessen an der Erlösprognose nur 0,14. Der Marktwert von Bien-Zenker liegt mit gut 20 Millionen Euro deutlich unter dem Eigenkapital von 35,7 Millionen Euro, dem Schulden von gut 15 Millionen Euro gegenüber stehen.
Zwar macht der Anstieg des Auftragseingangs um 13 Prozent im ersten Quartal Mut, es dürfte dem Unternehmen aber angesichts der anhaltend schwachen Baukonjunktur in Deutschland dennoch nicht leicht fallen, wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Deshalb wäre eine Wette darauf spekulativ.
Derzeit notiert die Aktie auf dem Niveau vom zweiten Halbjahr 2003. Gleichzeitig bewegt sie sich entlang einer breiten charttechnischen Unterstützungszone. Ein Fall unter acht Euro wäre auf jeden Fall ein (weiteres) schlechtes Signal, nachdem der Titel schon die Unterstützung bei neun Euro nicht hatte halten können.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.685,51 | −1,07% |
| FAZ-INDEX | 1.491,62 | −1,09% |
| TecDAX | 770,00 | −1,40% |
| MDAX | 10.215,80 | −1,32% |
| SDAX | 4.974,79 | −0,92% |
| REX | 423,38 | +0,51% |
| Eurostoxx 50 | 2.466,89 | −1,09% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 79,69 | −1,07% |
| Dow Jones | 12.781,00 | −0,76% |
| Nasdaq 100 | 2.556,01 | −0,75% |
| S&P500 | 1.343,23 | −0,54% |
| Nikkei225 | 9.238,10 | −0,24% |
| EUR/USD | 1,2984 | −0,59% |
| Rohöl Brent Crude | 119,19 $ | +0,13% |
| Gold | 1.733,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 139,46 € | +0,29% |