06.05.2004 · Nach einem niedriger als erwartet ausgefallenen Quartalsertrag und der Gewinnwarnung einer Tochterfirma erlebt die Aktie von Hochtief einen Kursrutsch und einen technischen Schaden. Zudem ist sie sehr hoch bewertet.
Mit einem Minus von 14,22 Prozent auf 19,60 Euro liegt die Aktie von Hochtief am Donnerstag mittag abgeschlagen am Ende des MDax und belastet diesen schwer. Im Handelsverlauf hatte der Titel schon 16,85 Prozent auf glatt 19 Euro verloren.
Der Grund: Der Gewinn im ersten Quartal ist deutlich niedriger ausgefallen als von Analysten erwartet. Die australische Tochter Leighton hat eine sogenannte Gewinnwarnung veröffentlicht, da sie wegen verschobener Projekte, Abschreibungen und eines Brandes in einem Kohlebergwerk einen geringeren Ertrag als erwartet erwirtschaften wird, wie das Unternehmen mitgeteilt hat.
Durch den Kurssturz ist die Hochtief-Aktie aus dem seit Frühjahr vergangenen Jahres aufgebauten Aufwärtstrend gerutscht und hat dadurch charttechnischen Schaden erlitten. Die zuversichtliche Prognose, den Jahresgewinn um 50 Prozent zu steigern, hat die Talfahrt nicht wesentlich aufhalten können. Belastend dürfte auch die hohe Bewertung wirken.
Quartalsertrag klar unter, Umsatz etwas über den Erwartungen
Deutschlands größter Baukonzern Hochtief hat ein betriebliches Ergebnis (Ebita) von 28,7 Millionen Euro nach 59,1 Millionen Euro vor einem Jahr erwirtschatet. Wie Hochtief am Donnerstag weiter mitteilte, beruhe diese Abweichung im wesentlichen auf einer Risikovorsorge von Leighton. Mit 31,5 Millionen Euro übertraf der Gewinn vor Steuern (Ebt) dank des wiedererstarkten Unternehmensbereichs Europe sowie eines verbesserten Finanzergebnisses zwar knapp den Vergleichswert des Vorjahres. Von Reuters befragte Analysten hatten allerdings im Schnitt mit 42 Millionen Euro gerechnet.
Das Nettoergebnis sei unter anderem wegen eines niedrigeren Steueraufwands auf 0,6 Millionen Euro gestiegen nach einem Verlust von 16,1 Millionen Euro im Vorjahresquartal, teilte Hochtief mit. Nur lag die Konsensprognose der von Dow Jones-vwd befragten Analysten bei 4,9 Millionen Euro. Der Auftragseingang sei mit 3,92 Milliarden Euro etwas höher ausgefallen, die Konzern-Leistung aber um 4,1 Prozent auf 2,71 Milliarden Euro zurückgegangen. Der Umsatz lag gleichwohl über den Erwartungen der Analysten, die im Durchschnitt von 2,63 Milliarden Euro gerechnet hatten.
Analysten und Händler: Zahlen enttäuschend
Konzernchef Hans-Peter Keitel sprach angesichts des Kursrutsches von einer Überreaktion des Marktes, für die er keine Veranlassung sehe. „Wir sind exzellent gestartet", sagte er. „Wir haben hier ein bißchen Turbulenzen gehabt im ersten Quartal in Australien, aber wir sind exakt dort, wo wir am Jahresende hin wollen.“ Am Markt wurden indes andere Meinungen vertreten: „Die Zahlen waren nicht besonders gut", sagte ein Händler zu Reuters. Christoph Schlienkamp, Analyst beim Bankhaus Lampe, wertete die Daten als enttäuschend. Allerdings applaudierte er der Übernahme der Gebäudemanagement-Sparte der Lufthansa, die in die Strategie des Konzerns passe, vermehrt als Dienstleister aufzutreten.
Mit Wirkung vom 1. Juni 2004 soll das Unternehmen zu Hochtief zählen, vorbehaltlich kartellrechtlicher Zustimmung. LGM habe 2003 einen Umsatz von rund 180 Millionen Euro erzielt, wie Reuters anmerkt. Mit der Übernahme werde Hochtief zu einem führenden Anbieter für integriertes Facility Management in Deutschland und Europa.
Für 2004 bestätigte Hochtief seine Prognose. Hochtief rechne mit Zuwächsen beim Ebt im oberen einstelligen Prozentbereich. Bei Leistung und Umsatz erwarte der Konzern eine Steigerung im einstelligen Prozentbereich, den Auftragseingang sieht er in der Größenordnung des Vorjahres. Keitel sagte, das Nettoergebnis werde um mehr als 50 Prozent höher ausfallen.
Aktie auch im Branchenvergleich sehr hoch bewertet
Gemessen am Jahresergebnis 2003 läuft dies auf einen Gewinn von rund 24,3 Millionen Euro hinaus. Angesichts der 70 Millionen ausstehenden Aktien errechnet sich ein Ergebnis je Aktie von 0,35 Euro (während Analysten im Schnitt bisher von etwa 1,07 Euro je Anteilsschein ausgehen). Daraus folgt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von aktuell gut 56. Damit ist die Aktie auch im Branchenvergleich sehr hoch bewertet; Bilfinger Berger als wichtigster deutscher Mitbewerber kommt auf ein KGV von 14,4. Diese Bewertung dürfte sich bremsend auf den Kurs auswirken, der im Jahresvergleich um gut 53 Prozent zugelegt hat, aber in diesem Zeitraum etwas hinter dem MDax zurückgeblieben ist. Und: Auf Sicht von drei Jahren hat es mit dem Titel nichts zu verdienen gegeben. Im Gegenteil, die Performance ist sogar leicht negativ.
Aktuell ist nicht ersichtlich, warum sich auf Sicht daran etwas ändern sollte. Zumal die Aktie aus dem mittelfristigen Aufwärtstrend gerutscht ist, der bei etwa 21,20 Euro verläuft. Erst wenn sie dieses Niveau wieder erreichte, würde sie ermutigende Signale aussenden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |