Hatte es im vergangenen Jahr eine Zeit lang so ausgesehen, als ob die Reifenhersteller aufgrund der stark gestiegenen Rohstoffpreise Ertragsprobleme bekommen würden, so scheint Michelin operativ richtig auf diese Entwicklung reagiert zu haben.
War die Aktie nach einer Gewinnwarnung von Mai bis Juli um knapp 30 Prozent gefallen von 60 auf bis zu 43,4 Euro, so hat sie sich davon inzwischen nicht nur in einer fulminanten Rally wieder erholt, sondern in den vergangenen Tagen mit satten Kursgewinnen neue Rekordhochs markiert. Alleine am Donnerstag legte der Kurs 6,74 Prozent zu auf zuletzt 80 Euro.
Bewertung auf Basis der Gewinnschätzung noch vernünftig...
Dieser Kursverlauf lässt sich nur dadurch erklären, dass die operative Entwicklung einerseits weniger dramatisch ist als der Markt angenommen hatte, andererseits durch die Bewertung. Denn mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 16,3 und 13,7 auf Basis des abgelieferten Gewinns für das vergangene Jahr und der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr ist die Bewertung noch vernünftig.
Allerdings lag das Umsatzwachstum im vergangenen Jahr gerade einmal bei etwas mehr als fünf Prozent auf 16,384 Milliarden Euro, und der Nettogewinn ist sogar um 35,65 Prozent auf 572 Millionen Euro oder um knapp 35 Prozent auf 3,99 Euro je Aktie gefallen. In der zweiten Hälfte des Jahres 2006 legte der Umsatz sogar nur um 3,2 Prozent zu, während der Nettogewinn im Vergleich zur Vorjahresperiode um 40 Prozent fiel.
In diesem Umfeld - der Ölpreis liegt relativ hoch und der Gummipreis auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten - helfen nur zwei Dinge: Deutliche Kostensenkungen und Preissteigerung auf der Produktseite. Und genau das hat das Management von Michelin vor, um auf diese Weise die operative Marge von 8,2 Prozent im vergangenen Jahr auf zehn Prozent im Jahr 2010 zu steigern.
... fragt sich nur, ob sie sich auch erfüllen lässt
Michelin hat jüngst für Lkw-Reifen eine Preissteigerung von fünf Prozent angekündigt. Gleichzeitig sollen die Kosten im Einkauf, in der Produktion und der Logistik sinken, so der Finanzvorstand Jean-Dominique Senard. Das hat gute Gründe. Denn alleine aufgrund der hohen Rohstoffpreise seien die Kosten im vergangenen Geschäftsjahr im Vergleich mit dem Jahr 2005 um 740 Millionen Euro gestiegen, erklärte er.
Die Börsianer scheinen gegenwärtig darauf zu bauen, dass die Kostensenkungen nachhaltig möglich sein werden und die Rohstoffpreise auf dem erreichten Niveau konsolidieren. Beides ist jedoch nicht sicher. Immerhin ist der Gummipreis nach einer deutlichen Zwischenkorrektur von Juni bis November des vergangenen Jahres um knapp 46 Prozent inzwischen ausgehend vom tieferen Niveau inzwischen wieder um 57 Prozent gestiegen und liegt nur noch 15 Prozent unter dem im vergangenen Jahr erreichten Rekordhoch.
Auf dieser Basis mag der Optimismus von Unternehmenschef Michel Rollier etwas ausgeprägt sein, der sagte, „das Jahr 2007 muss das Jahr des Umsatzwachstums und der Margenverbesserung werden“. Insgesamt mag die Aktie im anhaltend optimistischen Umfeld unter anderem aufgrund der Charttechnik weiter nach oben laufen. Aber die Risiken für eine Enttäuschung dürften hoch sein, insbesondere für den Fall einer konjunkturellen Abkühlung. Aus diesem Grund können Absicherungsstrategien sicherlich nie schaden.