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Veröffentlicht: 07.01.2013, 17:30 Uhr

Basel III Die neue Banken-Regulierung

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat die Regeln für die Liquiditätsreserven der Banken gelockert. Die Geldinstitute bekommen vier Jahre mehr Zeit. Fragen und Antworten zu Basel III.

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© AFP Weltweit müssen die Banken mehr Geld bunkern

Am Montag legten die Kurse der Bank-Aktien deutlich zu, nachdem der Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht den Banken nun bis Ende 2018 und damit vier Jahre länger Zeit gewährt, einen Liquiditätspuffer aufzubauen.

Wie werden die neuen Liquiditätsregeln aussehen?

Markus Frühauf Folgen:

Die Banken müssen ihre Zahlungsfähigkeit in Krisenzeiten für einen Zeitraum von 30 Tagen sicherstellen. Dies ist Bestandteil der neuen Aufsichtsregeln für Banken (“Basel III“). Mit den höheren Kapital- und Liquiditätsanforderungen reagieren die Aufseher auf die Finanzkrise, um die Widerstandsfähigkeit der Banken zu erhöhen. Die Notenbankpräsidenten und Chefs der nationalen Aufsichtsbehörden räumten auf ihrem Treffen am Sonntag in Basel zudem Erleichterungen in den Berechnungen des Stressszenarios ein, so dass die Liquiditätsanforderungen insgesamt geringer ausfallen.

Wie setzt sich der Liquiditätspuffer zusammen?

Der Baseler Ausschuss teilt die Wertpapiere und Vermögenswerte in zwei Klassen ein: Als „Level 1“ zählen Aktiva mit einer sehr hohen Qualität, die auch in Krisenzeiten einen stabilen Wert haben und jederzeit am Markt akzeptiert werden. In diese Kategorie fallen Bargeld, Zentralbankguthaben und Anleihen höchster Bonität wie etwa Schuldtitel des deutschen Staates. Der Level-1-Anteil am Liquiditätspuffer muss mindestens 60 Prozent betragen. Nach oben hin gibt es keine Grenze.

Allerdings sind diese Vermögenswerte für Banken relativ teuer zu halten, weil sie wie Bargeld nicht oder wie Bundesanleihen nur sehr gering verzinst werden. Die Banken haben im Vorfeld darauf gedrungen, auch andere Wertpapiere in den Puffer miteinzubeziehen. Sie argumentierten damit, ansonsten noch stärker in Staatsanleihen investieren zu müssen. Doch aufgrund der europäischen Staatsschuldenkrise soll eine noch höhere Abhängigkeit der Banken von der Kreditwürdigkeit der Staaten vermieden werden.

Dem ist der Baseler Ausschuss nun nachgekommen und hat den Katalog der zulässigen Wertpapiere erweitert. Bislang waren für die restlichen 40 Prozent des Puffers Unternehmensanleihen und mit Hypotheken- oder Staatskrediten unterlegte Bankanleihen (Covered Bonds, Pfandbriefe) akzeptabel, nun können auch Aktien und Hypothekenanleihen einbezogen werden.

Welche Bedingungen müssen die Wertpapiere erfüllen?

Zunächst müssen die Wertpapiere frei verfügbar sein. Sie dürfen also nicht zur Besicherung von Finanzierungsgeschäften mit den Notenbanken oder zur Unterlegung von eigenen Anleihen wie etwa Pfandbriefen eingesetzt werden. Während die Vermögenswerte aus der höchsten Qualitätsklasse (Level 1) vollständig zur Berechnung des Puffers berücksichtigt werden, sind für die untere Kategorie (Level 2) Abschläge vorgesehen.

Unternehmensanleihen oder Covered Bonds, die eine Bonitätsnote von mindestens „AA-“ aufweisen, können zu 85 Prozent des Nennwerts in den Puffer einbezogen werden. Um den Banken entgegenzukommen, hat der Baseler Ausschuss auch den Katalog der Level-2-Wertpapiere ausgeweitet. So können nun auch Unternehmensanleihen, deren Rating zwischen „BBB-“ und „A+“ liegt, sowie bestimmte Aktien zur Hälfte des Nennwerts berücksichtigt werden.

Mit Hypothekenkrediten besicherte Anleihen wie etwa Residential Mortgage Backed Securities (RMBS) müssen eine Bonitätsnote von mindestens „AA“ haben und können dann mit einem Abschlag von 25 Prozent in den Puffer eingehen. Jedoch dürfen die neu in den Katalog aufgenommen Papiere nur 15 Prozent des Puffers ausmachen.

Wie wird das Krisenszenario angenommen?

Bislang wenig beachtet, aber in seinen Auswirkungen durchaus bedeutend ist die Definition des Ernstfalls. Auch hier kam der Baseler Ausschuss den Banken entgegen. So werden die Abflüsse geschützter Privatkundeneinlagen in einer Finanz- oder Marktkrise mit nur noch 3 statt zuvor 5 Prozent angenommen. Für die geschützten Einlagen von Unternehmen, Staaten, Zentralbanken oder öffentlich-rechtlichen Einheiten werden die Abflüsse nur noch mit 20 statt 40 Prozent angenommen.

Deutlich werden auch die Annahmen für die Beanspruchung von Kreditfazilitäten durch Unternehmen und andere Stellschrauben gelockert, so dass der erwartete Liquiditätsabfluss im Krisenfall sinkt. Damit fällt auch der für die Zahlungsfähigkeit notwendige Liquiditätspuffer geringer aus.

Wie sieht der Basel-III-Zeitplan aus?

Die schärferen Eigenkapitalregeln sollen noch in diesem Jahr eingeführt werden. Bis Ende 2018 müssen die Anforderungen, die einen höheren Kapitalpuffer sowie qualitativ strengere Vorgaben an das Eigenkapital vorsehen, von den Banken vollständig erfüllt werden. Den Liquiditätspuffer müssen die Institute ab Anfang 2015 zu 60 Prozent erfüllen. Diese Vorgabe steigt jährlich um 10 Prozent, so dass Anfang 2019 100 Prozent erreicht werden.

Um die erforderlichen Liquiditätsreserven nach den bisher geltenden Regeln (also ohne erweiterten Wertpapierkatalog und aufgeweichten Krisenannahmen) zu erfüllen, fehlten den Banken Ende 2011 rund 1,8 Billionen Euro. Davon entfielen zwei Drittel auf europäische Institute.

Der Baseler Ausschuss will 2018 eine zweite Liquiditätskennziffer - die Net Stable Funding Ratio - einführen. Mit dieser soll sichergestellt werden, dass die Banken langfristige Kredite nicht zu kurzfristig refinanzieren. Dies war der Hypo Real Estate oder der britischen Hypothekenbank Northern Rock in der Finanzkrise zum Verhängnis geworden, weil sie am Markt wegen des Vertrauensverlustes keine Schuldtitel mehr plazieren konnten. Diese Kennziffer will der Baseler Ausschuss in den kommenden zwei Jahren beobachten und überarbeiten.

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Quelle: F.A.Z.

 

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