Nach einer deutlichen Erholung der Finanzmärkte in diesem Jahr hoffen Banker an der Wall Street wieder auf kräftig steigende Bonuszahlungen. Die renommierte Beratungsgesellschaft Johnson Associates prognostiziert in ihrer jüngsten, vielbeachteten Studie zur Bonus-Saison einen durchschnittlichen Anstieg der Boni für Investmentbanker um rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Allerdings dürfte nicht in allen Sparten der Banken gleich gut verdient werden. Am besten könnten es die Händler von festverzinslichen Wertpapieren, Rohstoffen und Devisen getroffen haben. Johnson Associates geht dort von um bis zu 60 Prozent höheren Boni aus. Damit wäre nur ein Jahr nach dem Höhepunkt der Finanzkrise in diesem Bereich das Vorkrisen-Niveau wieder erreicht.
Arme Fusionsberater
Daher zeichnet sich auch eine Zuspitzung der anhaltenden Debatte um die Vergütung an der Wall Street ab. Hohe Bonuszahlungen gelten als Mitverursacher der Finanzkrise, weil sie Anreiz für das Eingehen hoher Risiken von Händlern waren. Nun könne ein typischer, erfahrener Rentenhändler eine Gesamtvergütung von rund 930.000 Dollar erhalten, heißt es in der Studie.
Aktienhändler dürfen mit einem etwas geringeren Wachstum der Boni um bis zu 50 Prozent rechnen. Dagegen müsse ein Investmentbanker, der mit der Beratung bei Fusionen und Übernahmen sein Geld verdient, wegen des dort schleppenden Geschäfts Einbußen um bis zu 15 Prozent hinnehmen. Auch bei Fondsgesellschaften und Hedge-Fonds wird es wegen des geringer gewordenen Vermögens, das zur Verwaltung bereitsteht, um bis zu 20 Prozent geringere Boni geben.
„Es ist ein Jahr mit zwei unterschiedlichen Welten. Es handelt sich nicht um eine breitangelegte Erholung“, sagte Alan Johnson, Geschäftsführer von Johnson Associates. Wie der Berater rechnen auch andere Fachleute aber mit insgesamt steigenden Boni an der Wall Street. Die Zeitung „Wall Street Journal“, die sich auf Analystenschätzungen für die Jahreserträge von 23 großen Banken und Wertpapierhäusern stützte, prognostizierte jüngst sogar ein neues Rekordniveau.
Höchste Arbeitslosenzahl seit einem Vierteljahrhundert
Die Bonusdebatte ist auch politisch brisant, weil die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten wegen des von der Finanzkrise ausgelösten Wirtschaftsabschwungs auf den höchsten Stand seit mehr als 25 Jahren geklettert ist. „Das normale Amerika ist verärgert, dass die Wall Street soviel Geld verdient“, sagt der auf Vergütungsfragen spezialisierte Rechtsanwalt Joseph Bachelder.
Im Kongress gibt es Initiativen, die darauf zielen, dass die Vergütungspraktiken künftig nicht das Eingehen exzessiver Risiken belohnen. Ein Sonderbeauftragter des Finanzministeriums, Kenneth Feinberg, hatte kürzlich die Gesamtbezüge von 25 Spitzenverdienern in sieben staatlich gestützten Banken und Unternehmen, darunter die Citigroup und die Bank of America, um durchschnittlich mehr als 50 Prozent gekürzt. Auf andere Banken hat Feinberg aber keinen Einfluss.
Es regt sich was
Es zeichnet sich jedoch ab, dass die Notenbank Fed in ihrer Rolle als Bankenaufseher die Vergütungsstrukturen in der Finanzbranche unter die Lupe nehmen will. Die Fed plant aber nicht, konkrete Obergrenzen für Gehälter und Boni zu erlassen. Am Montag hatten Vertreter der Fed Spitzenmanager der 28 größten amerikanischen Banken zu kurzen Gesprächen einbestellt, und eine Prüfung und mögliche Reform der Vergütungsmethoden angemahnt. Die Banken, darunter auch ausländische Institute wie die Deutsche Bank oder Credit Suisse, müssen der Fed bis zum 1. Februar eine Liste mit potentiellen Reformvorschlägen unterbreiten.
Innerhalb vieler Banken wird bereits erwogen, einen größeren Teil der Bonuszahlungen in zunächst verkaufsbeschränkten Aktien der Bank auszuzahlen, um die Zahlungen an den längerfristigen Erfolg des Instituts zu koppeln. Einzelne Banken wie Morgan Stanley haben verfügt, dass sie Bonuszahlungen auch wieder zurückfordern können, wenn aufgrund mangelnder Risikokontrolle später Verluste entstehen.
Grundsatzfragen
St. Koch (Pensacola)
- 06.11.2009, 09:33 Uhr
Warum?
Jürgen Zwiebel (Konspirant)
- 06.11.2009, 10:53 Uhr