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Bankenregulierung Obamas Pläne verunsichern die Börsianer

22.01.2010 ·  Neben der restriktiveren Geldpolitik in China müssen die Aktienmärkte einen weiteren Tiefschlag verdauen: die Bankenpläne von Obama. Der Dax verliert binnen zwei Wochen 7 Prozent. Strategen sehen die Börsen vor einer holprigen Wegstrecke.

Von Daniel Mohr
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Der Dax hat am Freitag den dritten Tag in Folge deutlich nachgegeben. Mit rund 5650 Punkten lag er mehr als 400 Punkte tiefer als noch in der Vorwoche. Am Freitag belastete die Märkte vor allem die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, die Geschäftstätigkeit von Banken erheblich beschneiden zu wollen. Der Dax verlor bis kurz vor Handelsende fast 2 Prozent. Der Aktienkurs der Deutschen Bank fiel um 6 Prozent, der der Commerzbank um 2 Prozent. Auch an der Wall Street verlor der Dow Jones zur Handelseröffnung knapp ein Prozent auf 10.300 Punkte, nach einem Minus von 2 Prozent am Donnerstag.

„Die Börsianer sind verunsichert“, sagt Markus Wallner, Aktienstratege der Commerzbank. „Die restriktivere Geldpolitik in China könnte den für die Weltwirtschaft so wichtigen Wirtschaftsaufschwung in China abwürgen und die Bankenpläne von Obama einigen Banken praktisch die Geschäftsgrundlage entziehen.“ Es sei aber noch völlig unklar, inwieweit die Bankenpläne überhaupt umgesetzt werden, und auch die Auswirkungen der chinesischen Geldpolitik auf die Weltwirtschaft seien noch nicht abzusehen. „Wir halten den Kursrutsch der vergangenen Tage daher für eine Überreaktion der Märkte“, sagt Wallner.

Expansive Geldpolitik nur für Industrieländer adäquat

Matthias Jörss, Aktienstratege des Bankhauses Sal. Oppenheim, erwartet gleichwohl ein mühevolles erstes Halbjahr an den Aktienmärkten: „Die expansive Geldpolitik ist für Industrieländer wie Deutschland und die Vereinigten Staaten adäquat, nicht aber für stark wachsende Schwellenländer wie China und Indien.“ Jörss rechnet daher mit einer weiteren Straffung der dortigen Geldpolitik sowie dem Auslaufen einiger expansiv wirkender Maßnahmen der Europäischen Zentralbank und der amerikanischen Federal Reserve. „Das wird die Aktienmärkte noch einige Monate belasten“, sagt Jörss.

Video: Obamas Pläne setzen Aktien unter Druck

Auch gebe das konjunkturelle Umfeld wenig Anlass zu Euphorie für die Börsianer. „Die meisten Frühindikatoren haben zunächst einen V-förmigen Anstieg gezeigt und damit die Erwartungen auf eine schnelle und deutliche Wirtschaftserholung geweckt“, sagt Jörss: „Diese Erwartungen sind zu hoch, das zeigen mittlerweile zahlreiche Konjunkturdaten, die nur ein gemischtes Bild liefern.“ Auch die Berichte der Unternehmen über ihre Geschäfte im vierten Quartal des Jahres 2009 böten kaum Anlass zu Optimismus. „Unter dem Strich werden die meisten Zahlen ganz gut sein, aber wohl kaum positiv überraschen“, erwartet Jörss: „Eher wird es zu Enttäuschungen kommen, weil die Unternehmen nur vage und verhaltene Zukunftsausblicke geben werden.“

Erstmals wieder steigende Gewinne für Dax-Unternehmen

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) geht für die am Dienstag mit der Vorlage der Quartalszahlen von Siemens beginnende Berichtssaison im Dax von einem Anstieg der operativen Gewinne der 30 Unternehmen um 149 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal aus. Ganz wesentlich zu diesem starken Anstieg von 9 auf erwartet 22,5 Milliarden Euro trägt der Basiseffekt bei. Das vierte Quartal des Jahres 2008 war das erste volle Quartal nach der Insolvenz von Lehman Brothers und gekennzeichnet von hohen Abschreibungen der Banken und einer plötzlichen Schockstarre, in die viele Unternehmen fielen. Werden die Finanzwerte herausgerechnet, wird für die übrigen Unternehmen nur ein Gewinnanstieg um 14 Prozent, von 17,2 auf 19,7 Milliarden Euro, erwartet. Erstmals seit Ende des Jahres 2008 dürfte aber die Mehrheit der Dax-Unternehmen wieder über steigende Gewinne berichten, erwarten die Analysten.

„Die Unternehmensberichte werden den Märkten aber keinen Anlass bieten, neue Kursphantasie zu entwickeln“, sagt Steffen Neumann, Aktienstratege der LBBW. „Wie schon bei den amerikanischen Quartalsberichten zu beobachten ist, neigen die Börsianer derzeit selbst bei ausgesprochen positiven Ergebnissen dazu, das Haar in der Suppe zu suchen.“ Für die nächsten Börsenmonate ist Neumann daher skeptisch, denn auch von der Konjunkturseite seien keine positiven Impulse zu erwarten. „Bei den wirtschaftlichen Frühindikatoren dürfte der Höhepunkt bald überschritten werden“, sagt Neumann. „Das wird dem Markt zu denken geben und die Erwartungen an die wirtschaftliche Erholung dämpfen.“

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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