10.06.2010 · Der Bankenverband IIF warnt vor einer schärferen Bankenregulierung. Eine zu rasche Umsetzung sei unklug, wenn die Wirtschaft sich nur langsam erhole. Unterdessen gab der Risikovorstand der Deutschen Bank Zahlen zum Engagement in den finanzschwachen Euro-Ländern bekannt.
Eine schärfere Bankenregulierung wird deutliche Wachstums- und Beschäftigungsverluste nach sich ziehen. Davor warnte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, am Donnerstag auf der Frühjahrstagung des internationalen Bankenverbands Institute of International Finance (IIF) in Wien.
Nach einem Bericht des Verbands könnten demnach im Euro-Raum, in Amerika sowie Japan knapp zehn Millionen Arbeitsplätze verlorengehen. Ackermann, der Vorsitzender des IIF ist, mahnte zu einem besonnenen Vorgehen bei der Einführung neuer Regeln. Eine zu rasche Umsetzung sei unklug, wenn die Wirtschaft sich nur langsam erhole, sagte er. Als wichtigen Schritt der Regulierung bewertet der IIF eine globale Harmonisierung von Bilanzregeln.
Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung
Einstellen müssen sich die Banken wegen der deutlich höheren Eigenkapitalanforderungen jedenfalls auf einen hohen Finanzbedarf. Institute in Amerika, Japan und dem Euro-Raum müssten in den nächsten fünf Jahren ihr Eigenkapital um 700 Milliarden Dollar erhöhen, schätzt der IIF. Auch auf die Wirtschaftsleistung dürften die noch nicht endgültig festgelegten neuen Kapitalregeln einen erheblichen Effekt haben: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) könnte laut IIF in Amerika, Japan und im Euro-Raum bis zum Jahr 2015 um 3,1 Prozent niedriger ausfallen. Am stärksten würde der Euro-Raum beeinträchtigt, wo die Wirtschaftsleistung um 4,3 Prozent schrumpfen könnte. In den Vereinigten Staaten dürfte der Knick dagegen nur 2,6 Prozent betragen und in Japan 1,9 Prozent. Der Verband sieht die Erholung der globalen Wirtschaft noch einem hohen Risiko ausgesetzt.
Die Lage am Interbanken-Markt beurteilt Ackermann vorsichtig optimistisch. Zwar sei das Niveau vor der Krise noch weit entfernt. Jedoch verliehen sich die Banken gegenseitig wieder mehr Kredite, sagte er. Der Interbanken-Markt spiegle eine andauernde Unsicherheit über die Stärke der Bilanzen einiger Bankensektoren. Dennoch habe sich der Markt im Vergleich zum Höhepunkt der Krise erholt. „Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass es eine Vertrauenskrise gibt, aber die ,Spreads' zeigen, dass es ein gewisses Unbehagen über die Bilanzstärke einiger Teile der Industrie gibt“, sagte Ackermann. Moniert wurde die fehlende internationale Kooperation bei der Finanzmarkt-Regulierung. Caio Koch-Weser - der ehemalige Staatssekretär im Finanzministerium berät die Deutsche Bank - warnte vor nationalen Alleingängen. Diese seien gefährlich, sagte er mit Blick auf das Verbot ungedeckter Leerverkäufe in Deutschland.
Keine Risiken gegenüber Spanien oder Portugal
Auf einer von Goldman Sachs organisierten Investorenkonferenz in Madrid sagte Hugo Bänziger, Risikovorstand der Deutschen Bank, dass die Unsicherheiten über die künftige Regulierung eine Schätzung des erforderlichen Kapitalbedarfs schwierig machten. Seinen Ausführungen zufolge bereitet sich die Deutsche Bank über die Einbehaltung von Gewinnen und die Reduzierung von Risikoaktiva - im Wesentlichen Kredit- und Wertpapierpositionen - auf die strengeren Aufsichtsregeln vor. Eine Kapitalerhöhung sei nur im Falle einer Übernahme denkbar, sagte Bänziger.
Erstmals präsentierte der Risikovorstand Zahlen zum Engagement der Deutschen Bank in den finanzschwachen Euro-Ländern. Die Forderungen gegenüber italienischen Adressen summieren sich auf 27,6 Milliarden Euro. Bereinigt um Absicherungen, verbleibt ein Nettorisiko von 16,5 Milliarden Euro, davon 3,2 Milliarden Euro gegenüber dem Staat. In Spanien beträgt das Engagement insgesamt 20,6 Milliarden und bereinigt 7,5 Milliarden Euro. In Portugal sind es 2,5 Milliarden und bereinigt 500 Millionen Euro. Unter dem Strich hat die Deutsche Bank keine Risiken gegenüber dem spanischen oder portugiesischen Staat.
In Griechenland hat die Deutsche Bank Kredite über insgesamt 2,6 Milliarden Euro vergeben. Das Nettorisiko beträgt laut Bänziger 1,1 Milliarden Euro, davon entfallen 500 Millionen Euro auf den griechischen Staat. In Irland ist die Deutsche Bank mit 1,4 Milliarden Euro engagiert. Bereinigt um Absicherungen, sind es 700 Millionen Euro, davon 200 Millionen Euro gegenüber dem Staat.
Unproduktive Arbeitsplätze
Alexej Schmidt (AlexejSchmidt)
- 10.06.2010, 23:29 Uhr
Deswegen kann London auch nicht mitmachen
Walther Schmidt (silitoe)
- 11.06.2010, 00:45 Uhr
10 Millionen Arbeitsplätze?
Thorsten Haupts (ThorHa)
- 11.06.2010, 00:53 Uhr
Bankenchef warnt vor Bankenregulierung
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 11.06.2010, 01:26 Uhr
Kapital ist was schönes und
Reiner Luecker (Reinerluecker)
- 11.06.2010, 03:13 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
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