06.07.2007 · Vorstandswechsel sind immer eine heikle Angelegenheit. Geht ein Vorstand überraschend, vermuten Anleger zunächst einmal das Schlimmste - oder hoffen auf Besserung, was im Falle der UBS eher zuzutreffen zu scheint.
Vorstandswechsel sind immer eine heikle Angelegenheit. Anleger, Aufsichtsräten und Investoren ist es immer am liebsten, wenn diese klar kommuniziert, begründet und möglichst von langer Hand vorbereitet sind. Geht ein Vorstand überraschend, vermuten Anleger zunächst einmal das Schlimmste.
Daher nimmt es nicht Wunder, wenn der Verwaltungsrat der Schweizer Großbank UBS am Freitag alle Hände voll zu tun hat. Denn völlig überraschend ist der Vorstandsvorsitzende Peter Wuffli am Morgen zurückgetreten. Wie die Bank mitteilte, wird der 49jährige von seinem bisherigen Stellvertreter Marcel Rohner abgelöst und verlasse die Bank mit sofortiger Wirkung.
Rätselraten um Motive
Ein solch plötzlicher Abgang lässt die Anleger nichts Gutes ahnen. Da ist auch die Erklärung nicht hilfreich, Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel habe schon vor Jahresfrist den Wunsch geäußert, in absehbarer Zeit zurückzutreten und habe Wuffli als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Diesem Vorschlag sei der Verwaltungsrat aber nicht gefolgt. Er sehe „die automatische Ämternachfolge nicht als zwingend, sondern sucht unvoreingenommen nach der in seiner Einschätzung jeweils besten personellen Konstellation für die Bank“, hieß es. Vielmehr erklärte die UBS, Marcel Ospel sei für eine weitere dreijährige Amtszeit als Präsident der Bank nominiert worden.
Eigentlich ist das keine Begründung dafür, dass Wuffli das Unternehmen sofort verlässt. Denn wenn es sich Ospel so plötzlich anders überlegt, muss dies einen Grund haben. Nach einer anderen Version beißt dieser nun in den sauren Apfel. Und so kramen Anleger nun in der Vergangenheit und prüfen diese auf Zusammenhänge.
Im Jahr 2007 in der Kritik
Tatsächlich war die Nachrichtenlage um Wuffli und die UBS im laufenden Jahr nicht besonders gut. Im Februar enttäuschte man die Anleger mit einer verschlechterten Entwicklung zwischen Kosten und Ertrag, nicht zuletzt aufgrund eines Personalaufbau um knapp 8 600 Mitarbeiter. Wuffli sagte seinerzeit: „Wir werden unsere Wachstumschancen nicht dem Verhältnis zwischen Kosten und Ertrag opfern.“
Kritisch und fast schon ungläubig betrachtet wurde auch der Abgang des „Goldjungen“ Ken Moelis, Präsident des Investmentbanking-Bereichs, der als Architekt des Wachstums in den Vereinigten Staaten gilt und der das Haus verließ, nachdem es zu strategischen Differenzen insbesondere in Bezug auf ein aggressives Engagement im Bereich „Private Equity“ kam.
Wuffli mahnte unlängst, das Geschäft mit riskanten Großkrediten sei gefährlich und es drohe darob eine ähnliche Klagewelle gegen die Banken, wie sie die Finanzhäuser nach dem Platzen der Technologieblase vor sieben Jahren erlebt hatten.
Und im Mai musste die UBS den eigenen Hedge-Fonds Dillon Read Capital Management (DRCM) auflösen, nachdem sich dessen Händler mit Eigenkapital der Investmentbank verspekuliert und dabei einen Verlust von 150 Millionen Dollar erlitten hatten - Folge der Krise im amerikanischen Markt für riskante Privathypotheken (Subprime Loans), erklärte Finanzchef Clive Standish auf einer Telefonkonferenz.
DRCM-Pleite kratzt am Image
Wuffli sagte damals, die Entscheidung sei durch den Handelsverlust nur „beschleunigt“ worden. Man habe „große Hoffnungen“ mit DRCM gehegt und die Aufgabe des Projekts sei deshalb eine „Enttäuschung“. Neben dem Handelsverlust entstanden Kosten von rund 300 Millionen Dollar, vor allem für Abfindungen und Aufwendungen für Aktienoptionsprogramme.
Wuffli räumte ein, die gleichzeitige Verwaltung von Eigen- und Kundenkapital unter ein und demselben Dach sei zu teuer und zu kompliziert und nicht lebenstüchtig gewesen. Gleichzeitig liefen der Bank die Kosten weiter davon. Sie stiegen um sechs, die Erträge aber nur um fünf Prozent im zweiten Quartal.
Dennoch verteidigte Wuffli seinen Kurs. Es gebe keine Notwendigkeit für eine Änderung. Vielmehr sah er die Märkte in einer kritischen Phase, rechnet mit einem Anstiegen der Kreditausfallraten, höherer Inflation, höheren Renditen und steileren Zinsstrukturkurven.
Bemühen um Normalität
Weiterhin befürchteten Kritiker, dass die UBS trotz des Zukaufs von Paine Webber im Jahr 2000 im Kerngeschäft der Verwaltung großer Vermögen zurückbleiben könnte
in den Vereinigten Staaten zurückbleiben könnte. Mit „nur“ 700 Milliarden Dollar verwalteten Vermögen wurde sie deutlich von Merrill Lynch nach dem Zukauf von AG Edwards und von Wachovia in den Schatten gestellt, die beide rund eine Billion verwalten.
Der Verwaltungsrat der UBS beteuert am Freitagmorgen, weiter hinter der bisher verfolgten Strategie und den Wachstumsinitiativen zu stehen. Das Resultat für das zweite Quartal werde im Rahmen der Markterwartungen ausfallen, sagte Präsident Marcel Ospel in einer Telefonkonferenz. Dies erklärte Ospel auf die Frage, ob DRCM das Halbjahresresultat mit höheren Verlusten als bisher vermutet belasten werde.
Die Bank wies auch Spekulationen zurück, der Personalwechsel könnte eine Strategieänderung vorbereiten. „Es gab keine Meinungsverschiedenheiten über die Strategie“, sagte Sprecher Cristoph Meier. Die Bank bleibe bei ihrer Ausrichtung als integriertes
Institut, sagte er und erteilte damit den jüngsten Spekulationen eine Absage, die UBS könnte in die Bereiche Vermögensverwaltung und Investmentbanking aufgespalten werden.
Anleger hoffen auf Besserung
Es ist immer ein wenig fragwürdig, wenn sich ein großes Unternehmen von einem - möglicherweise auch angeschlagenen - Vorstandschef plötzlich trennt und dann beteuert, es gebe keine strategischen Differenzen. Sind persönliche Differenzen der Grund, so spricht dies auch nicht für das Unternehmen und sind es Launen, schon gar nicht.
Je nach Sichtweise hat es Wuffli entweder nicht vermocht, die Ertragskraft der Bank wenigstens zu halten und strategische Fehler begangen. Oder aber er versuchte die Bank davor zu bewahren, sich im letzten Moment über Gebühr in Märkten zu engagieren, die ihren Zenit überschritten haben und auf denen es zu deutlichen Übertreibungen gekommen ist.
Weder die eine, noch die andere Variante ist bei den Anlegern sonderlich populär, und so kann es angesichts der Beteuerungen, es gebe kein negativen Überraschungen beim Ergebnis, nicht verwundern, dass der Kurs der Aktie des Unternehmens am Freitagmorgen nicht etwa abrutscht, sondern vielmehr ein Prozent im Plus startet.
Von neuer Führung nicht viel Neues zu erwarten
Offenbar wird erwartet, dass die Ertragskraft gestärkt wird und die UBS sich stärker in den Bereichen engagiert, in denen sie zuletzt zurückhaltend war - irgendetwas muss sich ja zum bessern ändern, lautet die unverwüstlich optimistische Ansicht des Marktes. Ob das tatsächlich so kommt und ob das langfristig positiv ist, muss sich erst noch herausstellen.
Die Aktie der UBS ist mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 für das laufende und knapp elf für das kommende Jahr im Brachenvergleich nicht ausgesprochen günstig bewertet.
Seit Oktober ist auch der charttechnische Trend negativ. Die Erholungen wiesen immer weniger Kraft auf, während die Konsolidierungen im Dezember und März jeweils deutlich tiefer führten. Das kann sich dann ändern, wenn Rohner für das dritte Quartal mit verbesserten Zahlen aufwarten kann oder es zu dem am Freitag bestrittenen Strategiewechsel im Sinne des Marktes kommt.
Einen allzu harten Kurswechsel aber dürfte Marcel Ospel im Verwaltungsrat verhindern. Zudem stammt Rohner wie Wuffli und Ospel von der Bankverein-Seite der 1998 mit der Bankgesellschaft zur UBS fusionierten Bank. Daher ist auch ein Trendwechsel der Aktie in den kommenden Monaten nicht unbedingt wahrscheinlich.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |