11.12.2002 · In Frankreich ist unter den Banken ein Kampf um Marktanteile entbrannt. Aktionäre des Credit Lynonnais dürften profitieren.
Im Übernahmegefecht um die französische Großbank Credit Lynonnais ist die nächste Runde eingeläutet. Credit Agricole hat seine Beteiligung am Credit Lyonnais Sm 2,2 Prozent auf 17,4 Prozent aufgestockt. Rivale BNP Paribas bat am Montag die Aufsichtsbehörde um Genehmigung, ihren Anteil an Credit Lyonnais von derzeit 16,2 auf 20 Prozent zu erhöhen. BNP Paribas könnte durch die Übernahme doppelt soviel sparen wie Credit Agricole.
Es geht um die sechs Millionen Kunden und 1.800 Filialen der sechstgrößten Bank Frankreichs. „Es ist eine echte Übernahmeschlacht", beschreibt Valerie Oelihoffen. Die Fondsmanagerin bei MMA in Paris hält Aktien aller drei Banken im Portefeuille. „Credit Agricole wird versuchen, noch mehr Aktien am Markt aufzukaufen. Sie sprechen institutionelle Investoren an, die Aktienpakete halten." In Frankreich müssen Unternehmen ein Übernahmeangebot abgeben, sobald sie eine Beteiligung von 33 Prozent erreicht haben.
BNP zahlte 58 Euro je Aktie
Credit Agricole hat seine Beteiligung am Credit Lyonnais seit dem 23. November fast verdoppelt, nachdem die Bank den Zuschlag für den Staatsanteil von 10,9 Prozent nicht erhielt. Er ging an BNP Paribas. Diese zahlte für die Aktien etwa 2,2 Milliarden Euro, das entspricht 58 Euro je Aktie.
In der größten Übernahmeschlacht im französischen Bankensektor seit BNP 1999 versuchte, sowohl die Bank Paribas als auch die Societe Generale aufzukaufen, hat in den Augen der Analysten der Credit Agricole gegenüber BNP Paribas die Nase vorn. Credit Agricole verfügt über eine gut gefüllte Kriegskasse und gehört zu einer aus sechs Mitgliedern bestehenden Aktionärsgruppe, die den Credit Lyonnais kontrolliert. Durch seinen Börsengang hat Credit Agricole im Dezember letzten Jahres 3,4 Milliarden Euro eingenommen. Außerdem kann das Finanzinstitut über seine 45 Regionalbanken bis zu 12 Milliarden Euro beschaffen, schätzten die Analysten von Schroder Salomon Smith Barney. „Die Machtverhältnisse haben sich wieder zu Gunsten von Credit Agricole verschoben", konstatierte Daniel Garrod, Analyst bei Commerzbank Securities.
Consumerbanking ist in Frankreich profitabel
BNP Paribas und Credit Agricole wollen im französischen Consumerbanking expandieren, ein Bereich der profitabler ist als in anderen Ländern Europas. In Frankreich kamen 1999 auf eine Million Einwohner 411 Bankfilialen, verglichen mit 674 Filialen in Deutschland und 989 in Spanien, geht aus Zahlen der Europäischen Zentralbank hervor. Credit Agricole hat einen Marktanteil von 22 Prozent im heimischen Privatkundenmarkt, BNP kommt auf neun Prozent. Das Privatkundengeschäft steuerte in den ersten neun Monaten dieses Jahres bei Credit Lyonnais 58 Prozent zum Gewinn bei.
BNP Paribas könnte durch eine Übernahme des 139 Jahre alten Credit Lyonnais die Kosten fast doppelt so stark senken wie der Rivale, schätzten die Analysten von Schroder Salomon. Eine Verbindung zwischen BNP Paribas und Credit Lyonnais würde jährliche Kosteneinsparungen von 1,11 Milliarden Euro einbringen. Bei Credit Agricole veranschlagen sie das Synergiepotenzial auf 612 Millionen Euro.
Aktie noch nicht überteuert
Eine Gruppe aus sechs Mitgliedern kontrolliert den Credit Lyonnais seit 1999. Außer Credit Agricole hält die Allianz über Assurances Generales de France etwa zehn Prozent, Axa 5,4 Prozent, Commerzbank 3,9 Prozent, der spanische Banco Bilbao Vizcaya Argentaria 3,7 Prozent und die italienische Banca Intesa 2,7 Prozent. Wenn einer von ihnen verkaufen will, muss er die Aktien erst den anderen Mitgliedern anbieten. BNP Paribas gehört nicht zu dieser Aktionärsgruppe.
Auf Grund dieser Aktivitäten ist der Kurs des Credit Lyonnais in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen und liegt mit 54,15 Euro auf dem höchsten Stand seit dem Börsengang Anfang Juli des Jahres 1999. Mit einem KGV von 19 auf Basis der Schätzungen für das Jahr 2003 erscheint die Aktie nicht überteuert. Ein absehbares Übernahmeangebot dürfte sehr wahrscheinlich darüber liegen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |