01.10.2007 · Bis zu 800 Millionen Franken Verlust wird die UBS aufgrund notwendiger Abschreibungen auf hypothekenbesicherte Anleihen im dritten Quartal ausweisen. Dies dürfte den Aktienkurs in den kommenden Monaten belasten, auch wenn man im Gesamtjahr in der Gewinnzone bleiben will.
Lange schon wurde hinter vorgehaltener Hand und mitunter ganz offen diskutiert: Die Schweizer Großbank UBS werde für das kommende Quartal Verluste ausweisen. Bisweilen war man sich lediglich nicht einig, wie hoch diese ausfallen würden. Auslöser war der überraschende Rücktritt des Vorstandssprechers Peter Wuffli Anfang Juli, wenige Wochen bevor die Kreditkrise sich so richtig bemerkbar machte.
Am Montagmorgen kamen die zahlen nun auf den Tisch. Zunächst waren es die „Financial Times“ und das „Wall Street Journal“ die vorab berichteten, die Bank habe aus ihrem Anleihe-Portfolio mehr als drei Milliarden Schweizer Franken (rund 1,8 Milliarden Euro) abgeschrieben und werde einen Verlust für das dritte Quartal von mindestens 600 Millionen Franken (rund 360 Millionen Euro) ausweisen.
Problemsparten ziehen Ergebnis ins Minus
Kurz darauf legte die UBS die Karten auf den Tisch und bestätigte die Meldungen. Wegen außerordentlicher Abschreibungen auf mit Hypothekenkrediten besicherten Papieren im Zusammenhang mit der amerikanischen Subprime-Krise dürfte sich auf 600 bis 800 Millionen Schweizer Franken (361 bis 482 Millionen Euro) belaufen, teilte das Kreditinstitut am Montag in Zürich mit.
Der Gewinn vor Steuern nach neun Monaten werde dadurch immer noch bei rund zehn Milliarden Franken liegen. Das Gesamtjahr will die Bank „voraussichtlich auf gutem Gewinnniveau und mit starker Kapitalbasis abschließen“. In Neunmonatssicht ergebe sich ein Konzerngewinn vor Steuern in der Größenordnung von zehn Milliarden Franken.
Mit Ausnahme des von der Kreditkrise betroffenen Bereichs Fixed Income Rates and Currencies (FIRC), der das Ergebnis durch Verluste von vier Milliarden Franken belaste, wiesen alle übrigen Sparten innerhalb der Investmentbank sowie die Unternehmensgruppen Global Wealth Management & Business Banking und Global Asset Management „sehr gute Leistungen“ aus.
Veränderungen im Management
Wie zuvor spekuliert, ist auch der Leiter der Investmentbank-Sparte, Huw Jenkins, zurückgetreten. Seine Aufgaben übernimmt Bankchef Marcel Rohner. Zudem geht Finanzchef Clive Standish in den Ruhestand und wird durch den bisherigen Vizepräsidenten des UBS-Verwaltungsrates, Marco Suter, ersetzt. Bereits im August hatte man den Chef der Rentenabteilung, Simon Bunce, durch den für Lateinamerika zuständigen Andre Esteves ersetzt.
Damit sind die Verluste der Schweizer Bank weit größer als jene, die von anderen Banken infolge der jüngsten Turbulenzen am Kapitalmarkt berichtet wurden. Im Zuge dessen gab die Bank ebenso bekannt, dass man 1.500 Stellen abbauen werde.
Image etwas ramponiert
Auch wenn die UBS die Verluste an anderer Stelle ausgleichen kann, so wird der etwas ramponierte Ruf des Geldhauses dadurch nicht eben verbessert. 300 Millionen Dollar kostete die Bank die Schließung ihres Hedge-Fonds Dillon Read Capital Management (DRCM), nachdem sich dessen Händler mit Eigenkapital der Investmentbank verspekuliert und dabei einen Verlust von 150 Millionen Dollar erlitten hatten, die die Bank tragen musste.
Die Positionen, auf die die jetzt vermeldeten Abschreibungen anfielen, wurden größtenteils von DRCM gehalten. Nach der Schließung von DRCM nahm die UBS diese Positionen in die eigenen Bücher.
Im Februar enttäuschte man die Anleger mit einer verschlechterten Entwicklung zwischen Kosten und Ertrag, nicht zuletzt aufgrund eines Personalaufbau um knapp 8.600 Mitarbeiter. Als großer Fehler wurde gewertet, als die Bank ihren „Goldjungen“ Ken Moelis, Präsident des Investmentbanking-Bereichs, der als Architekt des Wachstums in den Vereinigten Staaten galt, ziehen ließ, nachdem es zu strategischen Differenzen insbesondere in Bezug auf ein aggressives Engagement im Bereich „Private Equity“ kam.
Aktie vergleichsweise hoch bewertet
Analysten rechneten bislang mit einem Gewinn von 6,17 Franken je Aktie für das laufende Jahr. Auf dieser Basis ist die Aktie der UBS bereits derzeit vergleichsweise hoch bewertet, etwa auf dem gleichen Niveau wie Goldman Sachs und noch etwas billiger als Bear Stearns oder HSBC. Geht man davon aus, dass das Ergebnis schwächer ausfällt als bislang antizipiert, dürfte die UBS-Aktie eine der teuersten Aktien unter den internationalen Investmentbanken sein.
Wie bei allen Finanzwerten hat auch der Kurs der UBS-Aktie in den vergangen Wochen nachgegeben, hatte auch kurzzeitig das 2006er-Tief von 60,95 Franken unterboten, sich zuletzt aber wieder gefangen, nachdem das Ausmaß der Belastungen durch die Hypothekenkrise mit einem Mal für die Investmentbanken verkraftbar schien.
Bei 62,60 Franken aber notiert der Kurs nicht so weit höher, dass ein Sturz unter die Unterstützungslinie unwahrscheinlich wäre. Im vorbörslichen Handel wird die Aktie bei 60 Franken kotiert. Im Xetra-Handel hat die Notierung das 2006er-Tief ohnehin schon vor langer Zeit unterboten. Die nächste Unterstützung liegt bei 35 Euro, vorbörslich wird der Aktienkurs bei 36 zu 37,40 Euro 1,7 Prozent niedriger taxiert.
Neuer Druck auf den Kurs
Im Schweizer Handel liegt die nächste Unterstützung bei etwa 50 Franken. Wenngleich nicht zu erwarten ist, dass die Aktie am Montagmorgen einen spektakulären Kurssturz erlebt, so dürfte sie am stärksten unter dem durch die Nachrichten weiter belasteten Sentiment für Finanzwerte leiden, allzumal die Nachrichtenlage um die UBS bereits das gesamte Jahr hindurch negativ war.
Angesichts dieser Lage ist zu fragen, ob Finanzwerte derzeit überhaupt die richtige Investition sind, rechnet doch etwa die renommierte amerikanische Ökonomin Gail D. Fosler mit einem über die kommenden Jahre hinweg schrumpfenden Finanzsektor. Die Bewertung zahlreicher Vermögenswerte, weit über Hypotheken hinaus, werde nach unten korrigiert, schrieb die Expertin eines der weltweit wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute in einem Gastkommentar für das Handelsblatt. Selbst wenn man diesen Argumenten nicht folgen mag, scheint die UBS-Aktie unter den Finanzwerten aber derzeit nicht erste Wahl zu sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |