19.12.2007 · Mit Spannung waren am Dienstag die Ergebnisse der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs erwartet worden. Sie fielen zwar wie erhofft gut aus - doch der Ausblick stimmt nicht eben hoffnungsfroh.
Mit Spannung waren am Dienstag die Ergebnisse der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs erwartet worden. Nicht nur, weil es ansonsten wenig Berichtenswertes am Tage gab, sondern vor allem, weil man sich ein wenig Beruhigung und Hoffnung in der Finanzkrise erwartete, hatte die Bank doch seinerzeit für das dritte Geschäftsquartal Zahlen präsentiert, die vergleichsweise wenig von einer Krise zeigten.
Diese Hoffnungen wurden erfüllt - indes nur teilweise. So hat Goldman Sachs seinen Nettogewinn im vierten Quartal, das im November zu Ende ging, um zwei Prozent auf 3,22 Milliarden Dollar gesteigert. Dies sei gelungen, weil man die Krise am amerikanischen Markt für Hypothekenkredite früh vorhergesehen und sich entsprechend positioniert habe. Dank dessen wies die Bank am Dienstag ein Ergebnis von 7,01 Dollar je Aktie nach 6,59 Dollar im Vorjahresquartal aus. Das war deutlich mehr als von Analysten mit 6,61 Dollar erwartet.
„Minenfelder vermieden“
Die Einnahmen steigerte Goldman Sachs im Quartal per Ende November um 19 Prozent auf 21,53 Milliarden Dollar. Der Nettoumsatz kletterte um 14 Prozent auf 10,741 Milliarden Dollar und damit stärker als von Beobachtern mit 10,16 Milliarden Dollar erwartet.
Im klassischen Investmentbanking profitierte das Institut von einer Verdopplung der Gebühren für Fusionen und Übernahmen. Daher stiegen die Einnahmen hier trotz stagnierender Erträge im Emissionsgeschäft um 47 Prozent auf knapp zwei Milliarden Dollar.
Auch im Handelsgeschäft legte Goldman zu, da die Bank Wertverluste zahlreicher strukturierter Papiere mehr als ausgleichen, die in den Strudel der vom Subprime-Markt ausgegangenen Turbulenzen geraten waren. „Goldman hat zudem die Minenfelder gemieden, in die viele Konkurrenten hereingelaufen sind“, sagte Michael Holland vom Vermögensverwalter Holland& Co.
Besser als der Wettbewerb
Indes bemerkte Nike Mayo, Analyst der Deutschen Bank, seien gegenüber dem dritten Quartal der Rentenhandel schwächer, der Aktienhandel niedriger und das Kreditemissionsgeschäft geringer ausgefallen.
Mit der Quartalsentwicklung schlug sich Goldman Sachs besser als viele Wettbewerber. Vergangene Woche hatte Lehman Brothers aufgrund der andauernden Kreditkrise und des Wertverlusts von besicherten Krediten einen Rückgang des Nettogewinns von 12 Prozent vermeldet. Bei den weiteren Wettbewerbern Bear Stearns und Morgan Stanley, die im Laufe der Woche ihre Zahlen vorlegen, erwarten Analysten gar rote Zahlen.
Nach Aussagen des Finanzvorstands David Viniar geriet der Aktienkurs indes deutlich unter Druck und fiel im Verlauf um bis zu 5,6 Prozent auf 196,90 Dollar. Auch am Tagesende betrug dass Minus immer noch 3,4 Prozent.
Nicht nur im Kreditgeschäft sind die Aussichten verhalten
Da die Kreditmärkte schwierig blieben, sei die Investmentbank mit Blick auf ihre Geschäftsentwicklung kurzfristig vorsichtig, hatte Viniar auf einer Telefonkonferenz gesagt. Mittel- und langfristig seien die Aussichten zwar besser. Der Boden beim Wertverlust der Immobilienkredite komme näher. Dennoch seien die Hypotheken- und Kreditmärkte in der schwierigsten Situation seit einem Jahrzehnt.
Das ist nicht unbedingt das, was die Anleger hören wollten, macht es doch den ernst der Lage deutlich, vor allem mit dem Blick auf Wettbewerber, die zu lange prozyklisch agiert haben. Jedenfalls griffen sie mit Begeisterung zu Verkaufsoptionen auf Goldman-Sachs-Aktien und trieben deren Preise um bis zu 80 Prozent nach oben.
Auch die Prognose für das Investmentbanking war nicht eben begeisternd. Das Institut erwartet zwar auch 2008 viele Übernahmen, doch dürften darunter kaum spektakulär großen Transaktionen sein. Deren Finanzierung ist durch die Vertrauenskrise an den Kreditmärkten enorm schwierig geworden. Die Pipeline potentiell neuer Investmentbanking-Aktivitäten sei immer noch voller als Ende 2006, erklärte die Bank zwar - doch habe sie im Quartal abgenommen, räumte man ein.
Kritische Analystenstimmen
Kritik an der Qualität der Quartalszahlen kam nach einem näheren Blick darauf von Analysten. Analyst David Trone von Fox-Pitt Kelton sagte, Goldman habe das Ergebnis durch Einmaleffekte gesteigert. Allein durch den Verkauf der Investments sei der Gewinn um 0,75 Dollar je Aktie gesteigert worden, und dabei seien die verkauften Kraftwerke noch gar
nicht berücksichtigt.
So hat die Investmentbank einen Einmalgewinn von 734 Millionen Dollar aus Investitionen gebucht. Weitere 800 Millionen Dollar fielen auf der Habenseite auch beim Verkauf von
Kraftwerken und bei weiteren Transaktionen an. Goldman Sachs habe zwar keine Probleme im Subprime-Bereich, wie Wettbewerber der Investmentbank. Aber dies sei so erwartet worden, sagte der Analyst.
Mittelabflüsse und fallende Performance-Gebühren
Zudem wurde bekannt, dass die Bank mit Abflüssen aus Hedgefonds zu kämpfen hat. Im vierten Quartal zogen Anleger immerhin drei Milliarden Dollar aus quantitativen Hedge-Fonds ab und diese Abflüsse würden stiegen. Viniar wertete dies aber positiv, die Fonds seien ohnehin zu groß geworden.
Grund dürfte jedenfalls eine schwache Rendite sein. Der zehn Milliarden Dollar schwere Global-Alpha-Fonds verlor allein im November 37 Prozent an Wert, weil es keine profitablen Handelsmöglichkeiten gab, die den Vorgaben der mathematischen Modellen entsprachen. Schon im August hatte der Fonds „Global Equity Opportunities“ um 23 Prozent nachgegeben.
Das machte sich auch darin bemerkbar, dass die vereinnahmten Performance-Gebühren aus der Vermögensverwaltung im abgelaufenen Geschäftsjahr um nicht weniger als 81 Prozent auf 187 Millionen Dollar fielen, obwohl die vereinnahmten Verwaltungsgebühren um 29 Prozent gestiegen waren. Jetzt soll ein neuer Fonds mit einem Rekordvolumen von zehn Milliarden Dollar wieder Schwung in den Geschäftszweig bringen.
Keine guten Aussichten
Geht man nach den Analystenprognosen, so ist die Aktie maßvoll bewertet, aber wie alle Bank-Aktien nicht wirklich günstig. Indes ist zum einen die Frage, inwieweit die Prognosen zuverlässig sind und zum anderen, ob das Sentiment für den Sektor überhaupt eine positive Entwicklung von Bank-Werten in den kommenden Monaten zulässt. je nachdem wie sich die Krise entwickelt, wird sich auch Goldman Sachs in der ein oder anderen weise sich ihr nicht entziehen könne. Erste Schwächezeichen wurden von verschiedene Analysten bereits angemerkt.
Verschmerzbar erscheint die äußerst geringe Dividendenrendite angesichts der Tatsache, dass man durchaus in Zweifel ziehen kann, dass beispielsweise die Citigroup in der Lage sein wird, eine Dividendenrendite von derzeit sieben Prozent zu aufrecht zu erhalten.
Charttechnisch ist die Entwicklung der vergangenen beiden Monate negativ zu beurteilen, nachdem sich der Kurs vom jahrestief bei 164,90 Dollar im August bis auf ein jahreshoch von 247,92 Dollar im November erholt hatte.
Die Unterstützungslinie bei 220 Dollar liegt in weiter Ferne und sollte das Märztief bei 190 Dollar durchbrochen werden, so dürfte es zum Test des Jahrestiefs kommen. Insofern kann man nur Optimisten, die mit einem baldigen Verschwinden der Finanzkrise rechnen, die Aktie ans Herz legen. Aber damit rechnet ja selbst Goldman Sachs nicht in der nächsten Zeit.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |