18.09.2007 · Mit Erleichterung wurde am Markt aufgenommen, dass die Ergebnisse der Investmentbank Lehman Brothers im dritten Quartal weniger schlecht ausfielen als ursprünglich befürchtet. Dem Aktienkurs vermag dies aber nur begrenzt zu helfen.
Die Denkweise der Börsianer ist bisweilen schwer verständlich, besonders für einen Markt, der sich immer wieder mit der vorgeblichen Rationalität seiner Ergebnisse in die Brust wirft. Gerade in den vergangenen Wochen aber waren die Anlageentscheidungen von Panik gekennzeichnet, nachdem sie zuvor von Euphorie getragen waren.
Da macht auch die Reaktion auf die am Nachmittag vorgelegten Ergebnisse der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers zum dritten Quartal keine Ausnahme. Die Märkte, die den ganzen Tag leicht negativ tendiert hatten, schossen von einem Moment auf den anderen ins Plus und auch die Gerüchte, dass die Verluste der Commerzbank im Subprime-Geschäft vielleicht nicht 80 Millionen Euro, sondern 500 Millionen oder gar eine Milliarde betragen könnten, taten dem Kurs keinen Abbruch mehr.
Ergebnis weniger schlecht als befürchtet
Auch Marktstratege Mirko Pillep von der Helaba sah die Marktreaktion durchaus kritisch: „Die Zahlen waren nicht so schlecht wie befürchtet, und jetzt freuen sich alle - die Krise ist aber trotzdem noch nicht vorbei“, so sein Fazit.
Lehman Brothers haben im dritten Quartal ein Nettoergebnis von 887 Millionen Dollar erzielt. Das waren rund drei Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dies entspreche einem Ergebnis von 1,54 Dollar nach 1,57 Dollar je Aktie im Vergleichsquartal, teilte das Unternehmen mit. Von Thomson Financial befragte Analysten hatten mit einem Ergebnis je Aktie von lediglich 1,47 Dollar gerechnet.
Die Nettoerträge seien auf 4,31 Milliarden Dollar geklettert, so das Institut. Im Vorjahr waren es noch 4,18 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Mittel mit Nettoeinnahmen von 4,3 Milliarden Dollar gerechnet. Das Ergebnis beinhaltet 37 Millionen Dollar oder 0,06 Dollar je Aktie für Hypotheken-Restrukturierungskosten.
Deutliche Abschreibungen
Bei den Nettoeinnahmen erreichte Lehman Brothers nichtsdestotrotz noch immer das zweitbeste Quartal im Bereich Wertpapierhandel und Investementbanking und das beste Quartal im kleinsten Geschäftssegment, dem Investmentmanagement.
Die Erträge aus Kapitalmarktgeschäften sanken um 14 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar. Grund war ein starker Einbruch beim Rentenhandel (Fixed Income). Die Erträge aus Geschäften mit diesen Papieren gingen um 47 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar zurück. Hierfür seien vor allem Bewertungsänderungen verantwortlich gewesen. Im Laufe das Quartals habe Lehman die Bewertung bestimmter Kredite und Hypotheken erheblich nach unten korrigiert. Dies sei nur teilweise durch Bewertungsgewinne in anderen Bereichen ausgeglichen worden. Insgesamt habe dies die Erträge um 700 Millionen Dollar verringert.
Im Geschäft mit Aktien und Derivaten legten die Erträge dagegen um 64 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar zu. Auch das Investmentbanking-Geschäft verzeichnete einen deutlichen Anstieg. Die Erträge legten hier um 48 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar zu.
Analysten voll des Lobes
Lehman-Chef Richard Fuld sagte, trotz schwieriger Bedingungen am Markt hätten die Ergebnisse erneut die finanzielle Stärke seines Unternehmens gezeigt. Mehr als die Hälfte der Erträge habe Lehman bereits außerhalb der Vereinigten Staaten erwirtschaftet.
Amerikanische Analysten waren voll des Lobes. Das zeige die bemerkenswerte Fähigkeiten der Investmentbanken, Marktstürme zu überstehen, sagte etwa David Easthope, Analyst bei Celent, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Nichtsdestoweniger streicht Lehman derzeit 2.000 Stellen im Hypothekengeschäft.
Der Aktienkurs des Unternehmens eröffnete in Amerika 2,75 Prozent im Plus bei 60,23 Dollar, nachdem er vorbörslich noch bis zu 3,8 Prozent auf 60,87 Dollar zugelegt hatte. Das zeigt doch noch eine gewisse Zurückhaltung, die weniger durch unternehmensspezifische Faktoren zu erklären ist, denn mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von acht für das laufende und 7,6 für das kommende Jahr ist die Aktie nicht teuer.
Begrenzte Begeisterung
Vielmehr scheinen die Anleger dem Frieden noch nicht ganz zu trauen, allzumal die Bilanzierung bei Banken gewisse Spielräume offen lässt, da sie einen Teil der Gewinne auf Basis subjektiver Schätzungen ausweisen dürfen, nämlich für diejenigen Produkte, für die es keine Marktopreise gibt und just diese waren es, die in den vergangene Monaten den meisten Ärger verursacht hatten.
Neben Lehmans Engagement am Hypothekenmarkt schauen viele Anleger zudem in den Geschäftszahlen auch auf mögliche Abschreibungen auf Finanzierungen für Übernahmen. Die Bank hat bei mehreren Zukäufen privater Beteiligungsgesellschaften Kredite bereit gestellt und findet für diese Risiken wegen der Unsicherheit an den Märkten nur schwer Käufer. „Die entscheidende Frage ist, wie viel sie in den Büchern haben, was nun noch nicht bekannt ist“, sagte Robert Lutts, Anlage-Chef von Cabot Money Management.
Schwache Charttechnik
Darüber hinaus hat mit der Bank of America das zweitgrößte Geldhaus der Vereinigten Staaten noch vor bedeutenden Auswirkungen der Krise auf die Quartalsergebnisse gewarnt. Dabei verwies Finanzchef Joe Price besonders auf das Firmenkundengeschäft und Investmentbanking.
Ob also die Lehman-Zahlen bereits die ersehnte Entwarnung sind, ist also doch mit einem Fragezeichen zu versehen. Das scheinen auch einige Anleger so zu sehen, denn der Handel in Lehman-Aktien verläuft recht volatil. Eine kräftige Zinssenkung dürfte ihr aber in jedem Fall Auftrieb geben.
Charttechnisch ist die Aktie allerdings unattraktiv. Nach dem Fall unter die Marke von 60 Dollar fehlen ihr ausgeprägte Unterstützungen. Erst bei 45 Dollar kommt eine solche wieder ins Spiel, der Abwärtstrend ist weiter intakt und erst bei Kursen über 65 Dollar wäre eine Wende denkbar.
Warte, warte nur.......
Werner Schmidt (banker-schmidt)
- 18.09.2007, 22:55 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
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| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
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| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
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| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |