24.06.2008 · Amerikanische Regionalbanken leiden stärker als die großen Kreditinstitute des Landes unter der Kreditkrise. Ihre Aktienkurse haben stark an Wert verloren und die Investoren halten sich mit Kapitaleinschüssen zurück.
Amerikanische Regionalbanken leiden im Vergleich zu den großen Kreditinstituten des Landes besonders stark unter der aktuellen Kreditkrise. Der schwache Häusermarkt im Mittleren Westen sowie im Südosten und Westen der Vereinigten Staaten belastet die auf diese Regionen konzentrierten Geldhäuser schwer.
Zweitklassige Hypotheken und andere Darlehen wie Baukredite, die die Banken dort während des Aufschwungs des Häusermarktes vergeben hatten, haben rapide an Wert verloren. Angesichts hoher Abschreibungen erhielten neben Finanzriesen wie der Citigroup auch Regionalbanken in den vergangenen Monaten Finanzspritzen von Investoren, um ihre Eigenkapitaldecke zu stärken. Die Verluste aufgrund notleidender Kredite zehren das Eigenkapital der Banken auf.
Kursverlust um bis zu 85 Prozent
Für die Geldgeber haben sich die Investitionen bisher nicht ausgezahlt. Der Fall der Aktienkurse bei amerikanischen Banken scheint trotz zwischenzeitlicher Erholungen noch nicht beendet. Seit zwölf Monaten haben sich die Bankaktien - gemessen am KBW-Bank-Branchenindex - um rund 46 Prozent ermäßigt.
Der Aktienkurs der in Cincinnati, Ohio, ansässigen Regionalbank Fifth Third Bancorp ist in diesem Zeitraum um 76 Prozent eingebrochen. Andere im Bundesstaat Ohio ansässige Banken stehen an der Börse ebenfalls unter Druck. So ist der Aktienkurs der National City Corporation mit Sitz in Cleveland in den vergangenen zwölf Monaten um 85 Prozent abgesackt. Auch der Kurs der Bank Keycorp, ein Lokalrivale von National City, fiel um 69 Prozent.
Nicht nur ist der Häusermarkt in deren Heimatregion eingebrochen. Die Banken aus Ohio hatten in den vergangenen Jahren auch in Florida expandiert, wo der Immobilienmarkt große Chancen zu bieten schien. Dort sind die Preise jetzt besonders stark unter Druck geraten.
Rechnen auf Übernahmen
Auch die in Atlanta ansässige und in den südöstlichen Bundesstaaten stark verbreitete Sun Trust Banks verlor im vergangenen Jahr 59 Prozent ihres Börsenwertes. Sun Trust und die in Seattle beheimatete Washington Mutual werden seit längerem als potentielle Übernahmekandidaten für Großbanken wie J.P. Morgan Chase gehandelt.
Bisher ist allerdings nichts geschehen. „Jeder versucht herauszufinden, wo der Boden ist“, sagt Jennifer Thompson von der Analysegesellschaft Portales Partners in New York. „Jedes Mal wenn eine Bank eine neue Kapitalerhöhung ankündigt oder mitteilt, dass die Dinge schlimmer sind als erwartet, gibt es eine neue Verkaufswelle“, sagt die Analystin.
Investieren in schwarze Kästen wird unbeliebter
Für die Regionalbanken wird es deswegen zunehmend schwieriger, Kapital einzusammeln. „Das Fenster für Kapitalerhöhungen schließt sich“, sagt Brad Evans, Fondsmanger beim Vermögensverwalter Heartland Advisors in Milwaukee. „Wer derzeit in eine Bank investiert, investiert in ein großes Kreditportfolio, das im Wesentlichen ein schwarzer Kasten ist“, sagt Evans.
Das bringt Banken in die Bredouille, da der Bedarf an zusätzlichem Kapital mit den Verlusten steigt. Analysten der Investmentbank Goldman Sachs schätzen, dass Banken weiteren Kapitalbedarf von 65 Milliarden Dollar haben. Bisher hatten Banken Kapitalspritzen von insgesamt 120 Milliarden Dollar erhalten.
Bevor Keycorp jüngst eine Kapitalerhöhung von 1,5 Milliarden Dollar ankündigte, loteten die Vertreter der Bank daher das Interesse bei über einem Dutzend ihrer größten institutionellen Investoren aus. Einige von ihnen winkten jedoch ab, weil sie sich wegen des schwachen Umfeldes für Banken sorgten.
Strapazierte Nerven
Der Rückgang der Aktienkurse von Banken, die jüngst Kapital aufgenommen haben, signalisiert nach Ansicht von Analysten, dass Börsianer mit weiterem Kapitalbedarf rechnen. „Investoren erwägen die Möglichkeit, dass viele Unternehmen bald zurück an den Brunnen gehen werden“, schrieb Analyst Joseph Fenech vom Wertpapierhaus Sandler O'Neill.
Für weiteren Druck sorge die massive Wertverwässerung für Altaktionäre, die mit einer Kapitalerhöhung einhergeht. Die ersten Banken haben deswegen möglicherweise schon ihre Ambitionen für Kapitalerhöhungen heruntergeschraubt.
Die Nerven von Investoren, die früh eingestiegen sind, werden jedenfalls auf die Probe gestellt. Im April investierte die Beteiligungsgesellschaft TPG gemeinsam mit anderen Geldgebern 7 Milliarden Dollar in die stark im Hypothekengeschäft engagierte Washington Mutual.
Die Anleger erhielten die Anteile für etwa 8,75 Dollar je Aktie - ein deutlicher Abschlag auf den damals bei 13 Dollar liegenden Aktienkurs. Aber selbst dieses Sonderangebot war nicht billig genug für das Ausmaß der Krise. Der Aktienkurs von Washington Mutual notiert derzeit bei nur wenig mehr als 6 Dollar. Im vergangenen Jahr ist der Kurs um 86 Prozent abgestürzt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |