13.06.2005 · Erst wollte es keiner so recht glauben, nun ist es Tatsache. Die Hypo-Vereinsbank geht an die italienische Unicredito. Grund zur Freude gibt es für Anleger aber nicht.
Nichts ist schöner, als mit einem Feuerwerk unterzugehen. Das dachte sich wohl auch die Spitze der Hypo-Vereinsbank (HVB). Die ersten Gerüchte über die bevorstehende Übernahme hatten die Aktie an Fronleichnam um fünf Prozent nach oben befördert. Danach gab es noch einen Klecks dazu. Das war's.
Einige haben es wohl schon vorher gewußt. Denn aller Vernunft zum Trotz hatte die Aktie der angeschlagenen Großbank trotz hoher Bewertung schon seit dem Spätsommer des vergangenen Jahres zugelegt. Wer früh gekauft hat, wird jetzt belohnt, denn für sein Investment erhält er fünf Aktien der Unicredito, die aktuell bei 4,24 Euro notieren.
Wer zu spät kommt, den bestraft die Börse. Die HVB-Aktie notiert aktuell bei 20,74 Euro, Unicredito bei 4,24 Euro. Das macht gerade mal einen Aufschlag von 2,2 Prozent brutto. Gebühren und Kursrisiko berücksichtigt, lohnt sich das alles jetzt nicht mehr.
Synergien! Was für Synergien?
Ob sich das Engagement langfristig lohnt, ist Frage Nummer zwei. Denn nicht nur hinter vorgehaltener Hand werden Zweifel an der Sinnhaftigkeit geäußert. Ein ungenannter Analyst nennt die Fusionsziele “sehr ambitioniert“ - eine Umschreibung für tendenziell unrealistisch. Bis 2007 eine Eigenkapitalrendite von 18 Prozent erreichen zu wollen ist mutig. Denn Unicredito hat allein gerade 17 bis 18 Prozent geschafft, die HVB liegt mit null bis acht Prozent jenseits von Gut und Böse.
An den propagierten Synergien wurden schon in Mai lautstark Zweifel geäußert. Zwar sind beide Institute im Osteuropa-Geschäft sehr aktiv, doch ist Unicredito auch ohne die zur HVB gehörenden Bank Austria schon jetzt groß genug. Im Gegenteil: In Polen fürchtet man infolge des Zusammenschlusses um Arbeitsplätze. Denn die HVB hat dort jetzt die Kontrolle über die Fusion der polnischen Banken, Pekao und BPH. Medienberichten zufolge wird damit gerechnet, daß jede fünfte Bankfiliale der Pekao und BPH geschlossen werden wird, um Kosten zu sparen. Das ist alles andere als eine expansive Strategie. Fusionen und Kostenmanagement brauchen Zeit. Wo da auf die Schnelle eine Ergebnisverbesserung herkommen soll, bleibt zu fragen.
Marktteilnehmer verweisen auch auf die sinnfällig niedrige Mindestannahmequote von lediglich 65 Prozent. „Es gibt anscheinend einige Aktionäre, die man nicht überzeugen konnte, sonst wäre die Quote höher“, zitiert die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires dieselbe ungenannte Quelle. Der Einwand hat etwas für sich.
Mir warn a bayerische Bank...
Die Hypo-Vereinsbank selbst (ohne die Bank Austria) hat schwer an Altlasten aus den Zeiten der immensen Fehlspekulationen der ehemaligen Hypobank mit Immobilien in den neuen Bundesländern zu schleppen. Einige Beobachter werten die Fusion der beiden bayerischen Bankinstitute als eine Maßnahme, damals die Insolvenz der Hypobank zu vermeiden. Gerade erst zu Jahresanfang hatte die Hypo-Vereinsbank erneute Wertberichtigungen bei Immobilien in Höhe von 2,5 Milliarden Euro vornehmen müssen.
Denkt man zurück an das Jahr 1997 als Hypobank und Bayerische Vereinsbank, so stand diese Fusion damals unter ähnlich riesigen Fragezeichen hinsichtlich des Sinns. Was die neue Bank sein wolle, auf welche Geschäftsfelder sie sich konzentrieren werde, wie sie sich organisieren werde, welchen strategischen Sinn das Zusammengehen habe, all das blieb unscharf. Die Rede war von der „Super Regional“-Bank. Was das hieß, wurde nicht wirklich erklärt. Es hieß, da´“eine sehr dichte Präsenz auf einem regional beschränkten Markt erfahrungsgemäß überdurchschnittliche Renditen bringe“. Das war damals schon genauso fragwürdig wie heute.
Damals wie heute präsentierte sich das Zusammengehen zweier ungleicher Partner, von denen der eine angeschlagen war, als Fusion. Im Falle Hypobank/Vereinsbank stellte sich bald heraus, daß die Hypobank verschwinden würde - spätestens als der letzte ehemalige Hypobank-Vorstand aus dem der Hypo-Vereinsbank ausschied. Interessanterweise benötigte die Vereinsbank in Reaktion auf die Fusion erst einmal eine Kapitalerhöhung. Sollte sich die Geschichte wiederholen?
Deutsche Probleme ungelöst
Was also wird aus dem problematischen Deutschlandgeschäft der Hypo-Vereinsbank? Derzeit ist alles um Beruhigung bemüht. Aber so recht glauben mag das niemand. Zwar verbessert die Kapitalstärke der Italiener das Rating der HVB und verbilligt damit ihre Refinanzierung. Aber das geht zu Lasten der Unicredito. Denn bereits jetzt sind Bestandsgarantien zugesagt worden und daher ist davon auszugehen, daß die gute Marge der Unicredito nur mit der schlechten der HVB verrührt wird. Kapitalmarktexperten spekulieren auf eine zukünftige inländische Bankenehe. Denn daß die in Deutschland tätigen Banken das Zweigstellen-Netz beschneiden müssen, stehe außer Frage.
HVB-Chef Rampl hat nun geäußert, man sei an Zukäufen unter Sparkassen und Landesbanken interessiert. Das macht nichts besser. Das Fillialnetz wird dadurch höchstens noch dichter und die Ertragssituation der Sparkassen ist ausgesprochen schwer einzuschätzen.
Alles in allem ist gut bedient, wer seine Hypo-Vereinsbank-Aktien nun mit Gewinn abgeben kann. Ob der HVB-Großaktionär die Fusion deswegen begrüßt hat? Viel Vertrauen hat der markt jedenfalls in die Fusion nicht. Die Unicredito-Aktie liegt seit Anfang April im Abwärtstrend. Der hat sich seit Bekanntwerden der Fusionspläne nur beschleunigt. Auch gegenüber anderen italienischen Bankenaktien hat sich die Unicredito deutlich schlechter entwickelt. Deswegen ist zu einem Engagement nicht zuzuraten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |