18.09.2008 · Bankwerte waren in den vergangenen Wochen alles andere als beliebt. Mit massiven Kursverlusten zeigt sich das Misstrauen der Anleger inzwischen auch bei der australischen Bank Macquarie. Am Donnerstag hat die Aktie 23 Prozent nachgegeben.
Neben der UBS galt die australische Macquarie Group lange Zeit als eine der besten Banken der Welt. Bei beiden hat man sich allerdings getäuscht. Denn sie profitierten in ihren besten Jahren weniger vom eigenen Können, als von den vorteilhaften Bedingungen des leichten Geldes während der von der Liquidität getriebenen Hausse und vor allem vom ausgeprägten Risikoappetit der Anleger.
Damit ist es allerdings vorbei. Denn die Zweifel an den Geschäftsmodellen der verschiedenen Finanzinstitute sind durch die Pleiten und Übernahmen der vergangenen Wochen und Monate verstärkt worden. Inzwischen lassen sie sich auch an der Kursentwicklung des australischen Unternehmens überaus deutlich ablesen. Der Aktienkurs der Macquarie Group ist am Donnerstag in der Spitze beispiellose 23,4 Prozent abgesackt auf knapp unter 26 australische Dollar.
Belastet die globale Kreditmarktkrise das Geschäft von Macquarie?
Anleger fürchten, dass die globale Kreditmarktkrise das Geschäft von Macquarie so belastet, dass die größte Investmentbank Australiens ihre Anleihen nicht zurückzahlen kann. Macquarie nimmt Fremdkapital auf, erwirbt damit Vermögenswerte - zumeist im Infrastruktursektor - und bündelt diese in Fonds. Zwanzig Prozent des Gewinns werden mit Fonds erzielt, 60 Prozent stammen aus dem Investmentbanking. Macquarie belegt nach Bloomberg-Daten Rang sechs in der Beratung bei Fusionen und Übernahmen in Australien und Neuseeland.
Am Mittwoch hatte die Ratingagentur Standard & Poor's ihren Rating-Ausblick für Macquarie von „stabil“ auf „negativ“ geändert. Dies impliziert eine Chance von eins zu drei für eine Herabstufung. Zur Begründung verwies S&P auf die zunehmenden Störungen an den weltweiten Finanzmärkten.
„Der Markt macht sich Sorgen über einen Domino-Effekt im Finanzsektor. Niemand weiß, wer als nächster umfällt“, sagte Nader Naeimi, Senior-Fondsmanager beim australischen Vermögensverwalter AMP Capital Investors in Sydney. Maquarie hat seit dem im Mai 2007 markierten Rekordhoch 20 Milliarden australischen Dollar an Marktkapitalisierung eingebüsst. Seit Jahresanfang haben die Aktien mehr als 65 Prozent an Wert verloren.
Das Geschäftsmodell der 1969 gegründeten Investmentbank beruhe darauf, in großen Mengen schnell auf günstiges Kapital zugreifen zu können. Eine weitere Bedingung sei, dass der Wert der Investments steige. Das Problem bestehe nun darin, dass nunmehr eine Phase anhalte, in der Vermögenswerte auf breiter Front an Wert verlieren, sagte Tim Morris, Aktienanalyst beim Anlageberater Wise-Owl.com in Sydney. Er hatte Investoren schon geraten, die Aktien zu verkaufen, als der Kurs bei über 40 A$ stand.
Im Juli hatte der Vorstandsvorsitzende Nicholas Moore wiederholt, dass die Periode der 16 Jahre stetig steigenden Jahresgewinne bei Macquarie zu Ende gehen könnte. Er begründete dies mit den hohen Schwankungen an den Finanzmärkten. Sie würden den Wert der Anlagen schmälern und die Gewinne im Aktienhandel reduzieren.
Gläubiger sind schlagartig vorsichtiger geworden
Bei einer Präsentation am achten September in New York erklärte der stellvertretende Geschäftsführer Richard Sheppard, Macquarie habe per 31. März Vermögenswerte im Höhe von 167,2 Milliarden australischen Dollar besessen. Der Finanzierungsbedarf betrage 72,8 Milliarden A$. Diese, so die Bank in einer Erklärung, könne Macquarie in Form von kurzfristigen Schulden, Bankkrediten, Anleihen und Aktien, beschaffen.
Auch die Ratingagentur Moody's Investor Service hob in einer Mitteilung am Donnerstag hervor, dass Macquarie per Ende Juni liquide Mittel von mehr als 20 Milliarden australischen Dollar ausgewiesen habe. Damit verfüge die Investmentbank über einen „sehr starke Deckung, um kurzfristige Verbindlichkeiten abzufedern und die nötige Flexibilität, auch länger andauernde Marktturbulenzen bei der Finanzierung zu überstehen“, schrieb Moody's Analyst Patrick Winsbury in einem Bericht am Donnerstag. Selbst wenn die Bank einen erheblichen Gewinneinbruch hinnehmen müsse, so bliebe sie in der erwarteten Bandbreite des aktuellen Ratings.
Winsbury wies ferner darauf hin, dass Macquarie im März ein Eigenkapital ausgewiesen habe, das 40 Prozent über dem von den Aufsichtsbehörden geforderten Minimum gelegen habe. Moody's bestätigte in dem Bericht den Ausblick für Macquarie mit „stabil“ und erklärte, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen.
Doch die Gläubiger sind schlagartig vorsichtiger geworden. Die Kosten zur Absicherung gegen Zahlungsausfälle von vorrangigen Macquarie-Anleihen stiegen binnen drei Tagen in ungeahnte Höhen. Die Kreditausfallswaps waren am Dienstag 75 Basispunkte auf 600 Basispunkte geklettert, am Mittwoch auf 630 Basispunkte weiter gestiegen und verzeichneten am Donnerstag ein neues Rekordhoch bei 900 Basispunkten. Das zeigen von Citigroup Inc. gemeldete Preise. Die australische Börsenaufischt ASIC untersucht nach eigenen Angaben inzwischen eine mögliche „Marktmanipulation „ bei den Aktien.
Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 4,5 und vier auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr scheinen die Aktien der Bank optisch unglaublich günstig zu sein. Es fragt sich allerdings, was diese Schätzungen angesichts der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten und angesichts der wirtschaftlichen Abkühlung weltweit und auch in Australien wert sind. Der Chart jedenfalls sieht desaströs aus.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |