14.03.2007 · Momentan scheinen Hypothekenbank wenig beleibt zu sein, auch wenn sie von der Krise in Amerika weit weg sind. Mitgegangen, mitgehangen, lautete die Devise, die am Mittwoch die Notiz der Aktie der Hypo Real Estate trotz guter Geschäftszahlen zu spüren bekommt.
Momentan möchte man eigentlich keine Hypothekenbank besitzen. Dabei ist es fast schon unerheblich, wo man ansässig ist und wo man Geschäfte macht. Die Krise in Amerika wirft einfach kein gutes Licht auf den gesamten Immobilienmarkt.
Der Markt hat in den vergangenen Jahren weltweit einen großen Boom erlebt und auch wenn die Probleme in Amerika eigentlich nur bei Einfamilienhäusern und im Kreditbereich auf das Segment der Subprimes entstanden sind, könnten sich Anleger weltweit fragen, inwieweit nicht angesichts der Verflechtung der Finanzmärkte die Probleme Auswirkungen auf andere Regionen und Märkte haben könnten (vgl. Anleihen amerikanischer Investmentbanken werden riskanter; Angst vor Hypotheken-Crash drückt Aktienbörsen).
Von Krise nichts zu sehen
Von Krise oder Belastungen ist in den endgültigen Geschäftszahlen, die der deutsche Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate am Mittwoch vorgelegt hat, indes nichts zu sehen. Wie erwartet konnte die Bank den Gewinn deutlich steigern. So stieg der Überschuss um 43 Prozent auf 542 Millionen Euro. Bereinigt um steuerliche Sondereffekte habe sich ein Plus von 28 Prozent auf 429 Millionen Euro ergeben. Experten hatten nach den bereits veröffentlichten Eckdaten mit einem Gewinnsprung in dieser Größenordnung gerechnet. Die Dividende soll um 50 Prozent auf 1,50 Euro je Aktie steigen.
Das gesamte Neugeschäft inklusive der Verbriefungen und Syndizierungen sowie Finanzierungen anderer Klassen von Vermögenswerten überstieg mit 34,2 Milliarden Euro die Erwartungen des Instituts erheblich. Die gesamten operativen Erträge wurden um 14 Prozent auf 1,08 Milliarden Euro gesteigert und lagen damit über dem Planwert von einer Milliarde Euro.
Der Zinsüberschuss verbesserte sich um rund zwölf Prozent auf 811 Millionen Euro, bedingt durch das bereits starke Neugeschäft der Vorjahre und durch eine verbesserte Durchschnittsmarge im deutschen Immobilienfinanzierungsportfolio. Der Provisionsüberschuss stieg um 16 Prozent auf 145 Millionen Euro.
Gutes Jahr 2007 erwartet
Trotz des deutlich gewachsenen Portfolios stieg die Kreditrisikovorsorge nur leicht auf 159 Millionen Euro. Aufgrund des stärkeren Wachstums der operativen Erträge konnte die Aufwands-Ertrags-Relation (Cost-Income-Ratio) um 2,5 Prozentpunkte auf 31,0 Prozent verbessert werden.
Im laufenden Jahr sollen die Erträge weiter wachsen. Die operativen Erträge sollen 2007 auf „mehr als 1,2 Milliarden Euro“ zulegen. Das Neugeschäft soll wie bereits nach früheren Angaben 2007 mindestens 25 Milliarden Euro erreichen. Hinzu kommen sollen aber noch mindestens zehn Milliarden Euro Verbriefungen und Syndizierungen.
Die Risikovorsorge soll sich 2007 mit 150 Millionen bis 160 Millionen Euro auf Vorjahresniveau bewegen, die Cost-Income-Ratio auf unter 30 Prozent sinken. Zugleich bekräftigte die Bank ihr Ziel, eine Nettorendite in der Spanne von 11 Prozent bis 12 Prozent. 2006 hatte der Immobilienfinanzierer 9,9 Prozent erreicht.
Bei den anteiligen Kosten (Cost-Income-Ratio) werde im laufenden Jahr ein weiterer Rückgang auf weniger als 30 Prozent angestrebt. 2006 sei dieser Wert um 2,5 Prozentpunkte auf 31 Prozent gesunken. Bis 2009 soll er unter die Marke von 28 Prozent sinken.
Von “Subprimes“ weit weg
Auch wenn das Immobilienfinanzierungs-Neugeschäft 2006 unter anderem wegen eines starken Wachstums in den Vereinigten Staaten, gut zulegte, so ist die Hypo Real Estate als Finanzierer von gewerblichen Immobilienprojekten nicht unmittelbar betroffen. Zwar ist nicht abzusehen, wie sich die Krise noch ausbreiten wird, doch scheint sie vom zweitgrößten deutschen Finanzierer von Gewerbeimmobilien noch sehr weit weg zu sein.
Auch wenn die Bank „eine neue Wachstumsphase einleiten“ und dabei unter anderem in die Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen, aber auch die Verwaltung von Finanzierungsrisiken expandieren will, denen überwiegend Immobilien zugrunde liegen.
Das klingt zwar zunächst einmal angesichts der Risiken für mit Wohnimmobilien besicherten Anleihen in Amerika (RMBS) recht mutig. Indes ist der europäische Pfandbriefmarkt als ein völlig anderes Spielfeld und da die Hypo Real Estate zudem ihr „Profil als weltweit agierender Finanzierer großvolumiger gewerblicher Immobilien“ nicht verlieren will, ist kaum davon auszugehen, dass die Bank ausgerechnet jetzt bei Wohnimmobilienkrediten in den Vereinigten Staaten im großen Stil neue Engagements in eingeht.
Mitgegangen, mitgefangen
Nichtsdestoweniger gilt an den Börsen immer ein Stück weit das Motto: Mitgegangen, mitgehangen. Krisen im Finanzsektor schlagen auf alle größeren Titel des Sektors durch. Bereits gestern fand sich die Hypo Real Estate mit einem Minus von 1,45 Prozent recht weit oben auf der Liste der Dax-Verlierer, wenn auch die Deutsche Bank und die Commerzbank stärker verloren, weil es bei ihnen als wahrscheinlicher gilt, dass sie die Auswirkungen der Krise spüren werden.
Am Mittwoch rutscht die Aktie der Hypo Real Estate kurz nach Handelsbeginn 2,5 Prozent ins Minus auf 44,95 Euro. Ein Kursschub war von den erwartet guten Zahlen nicht zu erhoffen, allzumal im aktuellen Umfeld. Zudem bargen sie ebenso wenig Überraschungen wie der Ausblick.
Auf der anderen Seite ist durchaus positiv, scheint die Bank doch offenbar auf dem Wachstumspfad weiter voranschreiten zu können. Obendrein ist die Bewertung mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 11,8 für das laufende und knapp zehn für das kommende Jahr nicht teuer.
Charttechnik spricht gegen die Aktie
Andererseits ist das Papier gut gelaufen. Seit dem Börsengang im Jahr 2003 ist der Kurs von 12,40 Euro bis Anfang des vergangenen Jahres auf 57,30 Euro gestiegen. Nach einer Konsolidierung legte sie ausgehende vom Zwischentief im August wieder bis auf 52,80 Euro im Januar zu. Es sind somit beim, aktuellen Kurs von 46,10 Euro noch genügend Gewinne vorhanden die mitgenommen werden können.
Zudem zeigt die Notierung schon seit dem Januarhoch Schwächezeichen. Zunächst kam es zu einer Korrektur, in Richtung der Marke von 50 Euro. Bei der anschließenden Erholung scheiterte die Notierung zweimal am Januarhoch, begann weiter abzugeben und wurde dann in der ersten Korrekturbewegung weiter nach unten gerissen. Davon konnte sie sich auch in den ruhigen Tagen bis Dienstag nicht wirklich erholen.
Daher ist davon auszugehen, dass nun erst einmal der Test des Dezembertiefs von 43,94 Euro ansteht, hält dieses nicht so dürfte es bis in die Region von 42 Euro abwärts gehen. Fällt die Notiz dabei unter das Julitief von 41,50 Euro, könnte es tiefer unter die Marke von 40 Euro gehen. Spätestens dann aber sollte sich der Wert fangen und Erholungspotential gewinnen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |