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Banken Ein Analyst gegen die Citigroup

01.09.2010 ·  Der einflussreiche Bankenanalyst Mike Mayo von Crédit Agricole Securities wirft der Großbank fragwürdige Bilanzierungsmethoden vor.

Von Norbert Kuls, New York
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Mike Mayo ist an der Wall Street für seine unbeugsame Haltung bekannt. Der einflussreiche Bankenanalyst hatte noch nie Angst davor, wichtige Finanzinstitute zu kritisieren. Dabei weiß er, welche Konsequenzen das haben kann. Vor rund zehn Jahren verlor er seinen Job bei der amerikanischen Tochtergesellschaft der Schweizer Bank Credit Suisse, nachdem er in einem 1000-Seiten-Bericht zahlreiche Bankaktien zum Verkauf empfohlen hatte.

Mayo, der danach auch einige Jahre für die Deutsche Bank arbeitete, gehört seit Jahren zu den Besten seiner Zunft. Auch wenn die Kunden seines aktuellen Arbeitgebers Crédit Agricole Securities ihm das danken - in den Vorstandsetagen der kritisierten Banken ist Mayo immer noch nicht beliebt.

Steuerrückzahlungsträume

Das gilt besonders für die Citigroup und deren Vorstandschef Vikram Pandit. Pandit zeigt Mayo, einem von nur drei Analysten an der Wall Street, die die Aktien der Citigroup derzeit zum Verkauf empfehlen, seit fast zwei Jahren die kalte Schulter. „Wir hatten trotz wiederholter Anfragen seit etwa 21 Monaten kein privates Treffen mit führenden Managern, wie sie Analysten normalerweise gewährt werden“, schreibt Mayo in einem aktuellen Kommentar. Für die anderen Analysten an der Wall Street hätten sich die Manager der Citigroup dagegen Zeit genommen. Von diesen Analysten empfehlen aber 13 die Aktie zum Kauf und neun empfehlen zumindest ein „Halten“.

Konkret kritisiert Mayo die Bilanzierung sogenannter latenter Steueransprüche bei der Citigroup im Volumen von 50 Milliarden Dollar. Banken können diese Posten unter bestimmten Voraussetzungen nutzen, um zukünftige Steuerbelastungen zu reduzieren. Mayo glaubt jedoch, dass die Citigroup zukünftig nicht genügend Gewinn ausweisen wird, um das aktuelle Volumen dieses Bilanzpostens zu rechtfertigen. Er insistiert, dass die Citigroup schätzungsweise 10 Milliarden Dollar abschreiben muss - was zu Verlusten und möglicherweise zu Druck auf den Aktienkurs führen würde. Die Citigroup hat mehrfach betont, dass sie sich mit der Bilanzierung der latenten Steuern „wohl fühle“. Bei der Citigroup geht man davon aus, in den kommenden 20 Jahren genug zu verdienen, um das Ausmaß zu rechtfertigen.

Wiederholung der Fehler der Vergangenheit

Mayo kritisiert angesichts der Schwierigkeiten der Citigroup mit risikoreichen Geschäften in der Vergangenheit - die Bank hatte zu den größten Verlierern der Finanzkrise gehört - auch deren aktuelle Wachstumspläne. „Citi will seine Vermögenswerte aggressiv um 5 Prozent steigern, obwohl so viele der vergangenen Probleme aus übertriebenem Wachstum der Vermögenswerte resultierten“, schreibt Mayo.

Weil die Spitzenmanager ihn nicht zum Gespräch laden, stellt Mayo die gesamte Vertrauenswürdigkeit der Citigroup in Frage: „Es ist uns nicht klar, dass sich die Unternehmenskultur und die Kultur des Risikomanagements ausreichend geändert haben, um unser Vertrauen zu gewinnen.“

Schon in den Jahren 2001 und 2002 war Mayo auf eine ähnliche Art und Weise vom direkten Informationsfluss bei der Citigroup ausgeschlossen worden. Auch damals hatte er zu den stärksten Kritikern der Bank gehört. „Unsere Einschätzung basiert auf einer einfachen Beobachtung: Wenn das Management keine kritischen Stimmen von außen hören will, warum sollten wir glauben, dass sie internen Kritikern Gehör schenken?“, schreibt Mayo. Sein Kursziel für die Citigroup liegt bei 3,50 Dollar.

Aktuell notiert der Aktienkurs der Citigroup bei rund 3,70 Dollar. Mit einem Plus von knapp 11 Prozent in diesem Jahr ist die Citigroup unter den vier größten amerikanischen Banken die einzige mit einem Kursgewinn. Nachdem die Kritik von Mayo an der Citigroup an der Wall Street in den vergangenen Tagen hochgekocht war, wollen ihm die Spitzenmanager jetzt aber möglicherweise doch eine Audienz gewähren. Man werde „Mister Mayo zu gegebener Zeit treffen“, sagte ein Sprecher der Bank.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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