16.12.2002 · Französische und italienische Banken beleben die Übernahmefantasie der Branche. Aber auf Deutschland lässt sie sich nur bedingt übertragen.
Die Titel europäischer Banken reagieren am Montag überaus positiv auf die absehbare Übernahme des Crédit Lyonnais durch die Genossenschaftsbank Crédit Agricole. Die legte eine Offerte vor, die den Übernahmekandidaten mit insgesamt 19,53 Milliarden Euro oder 56 Euro je Aktie bewertet. Zu diesem Preis soll der Credit Lyonnais in den Besitz von Crédit Agricole übergehen.
Am Wochenende hatten die wichtigsten Anteilseigner der beiden Banken sich in getrennten Sitzungen für ein Zusammengehen ausgesprochen und die Konditionen ausgehandelt. Einer Fusion von Crédit Lyonnais und Crédit Agricole haben 39 Prozent der Aktionäre bereits zugestimmt.
Die BNP Paribas dürfte sich neue Ziele setzen
Interessant wird nun die Frage, wie sich die BNP Paribas verhalten wird. Denn die hatte vor drei Wochen in einer Blitzauktion die restlichen 10,9 Prozent des Staates an dem einst von Skandalen geschüttelten Institut übernommen und damit so etwas wie einen Bieterkampf begonnen. Ernsthaft glaubt am Montag niemand mehr, dass BNP-Paribas nochmals zu einer Gegenoffensive ausholen wird. Bereits am vergangenen Freitag, als sich eine Annäherung von Agricole und Lyonnais abzeichnete, hatte das Institut signalisiert, es werde sich zurückziehen, falls eine Offerte vorgelegt werde, die “im Sinne der Aktionäre“ sei. Mit einem Gebot von 56 Euro je Aktie oder gar leicht darüber würde sie mit einem netten Gewinn davon kommen.
Nun gehen die Fantasien in alle Richtungen. Neben dem BLick auf die Dexia Bank ist die naheliegenste Variante neues Interesse an der Société Générale (SocGen). Schon vor drei Jahren hatte die BNP versucht, dieses Institut zusammen mit der Banque Paribas zu übernehmen, war aber gescheitert. Damals entschieden sich die SocGen-Aktionäre gegen dieses Ansinnen. Nun aber könnte das Rennen anders verlaufen. Denn nach der Übernahme des Crédit Lyonnais durch Crédit Agricole hat sich der Markt so verändert, dass die Aktionäre bei einem attraktiven Angebot nun anders entscheiden könnten.
Spekulationen über internationale Fusionen ...
Manche Börsianer spekulieren aber auch auf eine grenzüberscheitende Übernahme oder Fusion. Denn nachdem die drei italienischen Banken Banca Popolare di Bergamo-Credito Varesino, Banca Popolare Commercio e Industria und Banca Popolare di Luino e di Varese miteinander fusionieren, ist offensichtlich Bewegung in die europäischen Bankenszene gekommen. So legte nicht nur in Frankreich das Papier der SocGen mehr als zehn Prozent auf 57,35 Euro zu, sondern auch im restlichen Europa scheint der Finanzsektor zumindest kurzfristig Feuer gefangen zu haben.
In Deutschland gewinnt die HypoVereinsbank im späten Handel 6,34 Prozent auf 15,43 Euro, die Deutsche Bank legt 6,19 Prozent auf 49,20 Euro zu und die Commerzbank liegt mit einem Plus von 3,83 Prozent bei 8,68 Euro. Allerdings sind das Kursbewegungen, die in einem positiven Gesamtmarkt in einem angeschlagenen Sektor schon einmal vorkommen.
Denn bei aller Fantasie sollten die unterschiedlichen Marktverhältnisse im Finanzsektor in Europa nicht übersehen werden. So ist der Privatkundenbereich in Frankreich einerseits profitabel und andererseits nicht so verzerrt von übervorteilten öffentlich-rechtlichen Banken wie in Deutschland. Aus diesem Grund sind Übernahmen und Fusionen in Frankreich sinnvoll. Ein steigender Marktanteil führt zu sinkenden Kosten.
... dürften überzogen sein
Aber eine expansive Bank wie die BNP dürfte sich hüten, sich in Deutschland die Finger zu verbrennen. Denn erstens haben die Sparkassen auf Grund des verzerrten Wettbewerbs einen hohen Marktanteil, zweitens sind die Kosten viel zu hoch. Im Klartext: Es gibt zu viele unnötige Filialen, die nur gegen erheblichen politischen Widerstand und nur unter hohen Kosten geschlossen werden können. Dasselbe gilt erst recht für eine Fusion zwischen deutschen Banken.
Aus diesem Grund sind solche Spekulationen mit Vorsicht zu genießen. Sicher ist, dass sich deutsche Banken mit Ertragsproblemen herumschlagen. Die können nur dann gelöst werden, wenn sie auch im Privatkundenbereich gutes Geld verdienen können. Das wird nur dann der Fall sein, wenn die Sparkassen in die Restrukturierung des Sektors einbezogen werden. Dazu ist ein politischen Meinungswandel und Zeit nötig. Auf dieser Basis sind deutsche Banken höchstens dann interessant, wenn das Kapitalmarktgeschäft wieder deutlich anziehen sollte. Aber das ist im Moment nicht absehbar.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |