Der Tenor auf die Ergebnisbekanntgabe der Commerzbank für das Geschäftsjahr 2001 ist fast typisch für das derzeitige Image. Die Zahlen waren weder überraschend gut, noch überraschend schlecht. Als Folge davon werden sie von den Anlegern mit einem gewissen Achselzucken hingenommen. Praktisch im Gleichschritt mit dem Gesamtmarkt verliert der Kurs am Montagnachmittag 1,19 Prozent auf 19,05 Euro.
Aber bereits im Vorfeld hatte niemand damit gerechnet, dass wegen der neuen Zahlen die Empfehlungen für die Commerzbank-Aktie neu geschrieben werden müssen. Das Drehbuch ist in dieser Hinsicht bereits seit längerer Zeit geschrieben. Selbst ein Einbruch beim Ergebnis vor Steuern von 2,234 Milliarden auf 37 Millionen Euro spielt da schon nicht mehr die ganz große Rolle. Zumal er nach Gewinnwarnungen im Vorfeld auch nicht mehr überraschend kam.
Analysten mögen zwar darüber diskutieren, ob es sich nun um ein echtes Plus oder um ein bilanztechnisch erzwungenes Plus handelt. Oder sich den Kopf darüber zerbrechen, wie stark das Handelsergebnis von 1,146 (Vorjahr: 949) Milliarden Euro von der Umstellung auf die IAS 39-Rechnungslegungsvorschrift profitierte. Unter dem Strich wird das an der Betrachtung der Aktie aber wenig ändern.
Analysten sehr zurückhaltend
Für die meisten Analysten stand und steht vermutlich auch weiterhin fest (41,4 Prozent Verkaufsempfehlungen und 39,7 Prozent Halteempfehlungen), dass sich der Titel mittelfristig betrachtet nicht unbedingt aufdrängt. Und in der Tat ist der Wert vermutlich nicht mehr als eine Halteposition.
Auf der Habenseite kann die Commerzbank zwar eine vergleichsweise günstige Bewertung verbuchen. Alleine der Buchwert ist vermutlich auf rund 20 Euro je Aktie zu beziffern, wie Analyst Wulf Weiler von der WGZ-Bank schätzt. Und auch die stets latent vorhandene Übernahmefantasie sichert den Kurs in gewisser Weise nach unten ab.
Gleichzeitig dämpft der Vorstand mit seinem Kooperationskonzept aber selbst zu große Übernahmehoffnungen. Zudem dürften die Interessenten nicht gerade Schlange stehen. Denn gemeinhin gilt die Commerzbank nicht unbedingt als ideal positioniert.
Kein zündender Kursfunke in Sicht
Das macht sich auch in der Profitabilität bemerkbar. Der Kampf gegen den steigenden Kostenblock scheint zwar Erfolge zu zeigen, wie Weiler aus den Zahlen herauszulesen glaubt. Und auch die für 2002 in Aussicht gestellte spürbare Ergebnisverbesserung liest sich zunächst ganz gut. Aber nach dem Ergebniseinbruch im Vorjahr ist das eine Sache, die der Markt ganz einfach voraussetzt.
Viele Analysten wie Weiler fragen sich vielmehr, woher die Schwungmasse für deutlich steigende Kurse kommen soll. Schließlich hat die Commerzbank nicht nur ein temporäres Ergebnisproblem. Der Provisionsüberschuss entwickelt sich vielmehr schon seit sieben Quartalen in Folge rückläufig. Solange sich aber an der unbefriedigenden Gewinnsituation nichts ändert, wird auch die Aktie den Turbo nicht einschalten.