25.07.2005 · Lange Zeit ist die Commerzbank-Aktie besser gelaufen als der Dax. Doch seit einem Vierteljahr hinkt sie hinter dem Index her. Zu Wochenbeginn fällt sie wegen eines Geldwäscheverdachts um Mitarbeiter weiter zurück.
Die Aktie der Commerzbank zählt zu Wochenbeginn zu den fünf schwächsten Dax-Werten. Das Papier verliert 1,6 Prozent auf 18,35 Euro und schneidet schlechter ab als der auf der Stelle tretende Index, der auch in den vergangenen drei Monaten besser gelaufen ist als die Aktie. Insofern hat die Commerzbank den zuvor bewiesenen „Outperformer“-Charakter eingebüßt; im Jahresvergleich hat sie die Nase gegenüber dem Dax deutlich vorn.
Der Grund für den Kursrückgang: Commerzbank-Personalvorstand Andreas de Maizière ist nach Angaben des Kreditinstituts wegen der Geldwäsche-Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen ihn und andere Bank-Mitarbeiter zurückgetreten. Das Ausmaß des Schadens ist noch nicht bekannt.
Unter Analysten wird aber nicht mit erheblichen Nachteilen für die Aktie gerechnet. „Die Commerzbank wird damit leben können, daß die Sache ein, zwei Tage Wellen schlagen wird“, sagte Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz zu FAZ.NET. Schließlich reiche die Anlegenheit einige Jahre zurück. Zudem steht nicht die Bank selbst im Visiert der Fahnder. Reuters zitiert einen anderen, nicht namentlich genannten Analysten mit den Worten, kurzfristig lasteten die Vorwürfe auf den Kurs. „Das kratzt am Ruf, wird aber an der Lage der Bank wohl nichts ändern“, sagte der Analyst.
„Verantwortung für Verfehlungen von Mitarbeitern“
„Herr De Mazière hat die Verantwortung für Verfehlungen von Mitarbeitern übernommen“, sagte ein Sprecher der Commerzbank am Montag. De Maizière, der lange für das Mittel- und Osteuropageschäft zuständig war, war in der vergangenen Woche überraschend und ohne Angabe von Gründen zurückgetreten. Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehe es um einzelne Personen, nämlich fünf aktuelle und ehemalige Mitarbeiter, nicht aber um das gesamte Geldhaus, ergänzte der Bank-Sprecher. Der Fall liege bereits mehrere Jahre zurück.
Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittele wegen des Verdachts der Geldwäsche, bestätigte deren Sprecherin Doris Möller-Scheu am Montag entsprechende Medienberichte. Es gehe zunächst nur um die Commerzbank. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Institute in den Fall verwickelt seien, der sich um illegale Machenschaften im Zusammenhang mit der Privatisierung russischer Telekomfirmen dreht. Beschuldigt seien sieben Personen, drei davon von der Commerzbank, darunter auch de Maizière, ergänzte Möller-Scheu. Die Ermittlungen würden voraussichtlich Monate dauern.
„Die Schadenssumme ist noch nicht abzuschätzen“, sagte Möller-Scheu zu Reuters. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Zürich wurden bei der international organisierten Geldwäsche von russischen Staatsunternehmen Gelder abgezweigt und über ein Netz von Tarnfirmen, Treuhänder und Beteiligungen umgeleitet. Dabei habe die Commerzbank bei mehreren Transaktionen eine Schlüsselrolle gespielt, berichtet das „Wall Street Journal“.
Aktie moderat bewertet und bei 17,60 Euro unterstützt
An der Börse werden die Folgen für die Bank wohl als nicht dramatisch eingeschätzt. Dies läßt die vergleichsweise moderate Kursreaktion vermuten, die den seit August vergangenen Jahres ausgebildeten Aufwärtstrend nicht gefährdet; erst bei einem Fall unter die Marke von etwa 16,90 Euro wäre das positive Kursbild deutlicher eingetrübt. Auch die Bewertung kann sich durchaus sehen lassen. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 13,5 und 11,1 für dieses Jahr und 2006 ist die Aktie moderat bewertet und liegt zwischen Deutsche Bank (10,8/9,6) und Hypo-Vereinsbank (16,8/12,5). Und anders als die gerade von Unicredito übernommene Münchener Großbank zahlt das Frankfurter Institut sogar eine Dividende. Die Dividendenrendite von gut 1,3 Prozent ist allerdings nicht mehr als ein nettes Zubrot.
Unter Analysten gilt der Titel als Kauf. So empfiehlt die Deutsche Bank, die die Commerzbank auf dem Weg sieht, die Gewinnziele für 2006 zu erreichen, den Titel mit Kursziel 20,50 Euro. Die Hauptrisiken seien die Entwicklung der Beteiligungen des Instituts, sprich der Aktien und der Anleihen, sowie und der Fortgang der Wirtschaft in Deutschland, da sich die Commerzbank auf ihren Heimatmarkt weitgehend konzentriert. Für SEB Invest ist die Aktie sogar 21 Euro wert. Dagegen sieht Kayser das Papier bei 19,50 Euro als fair bewertet und als Halte-Position an. Dies dürfte derzeit ein guter Rat sein.
Für die längerfristige Kursentwicklung wird es vor allem darauf ankommen, daß die Bank die Anleger mit ihren Geschäftszahlen nicht enttäuscht und ihre Ziele mindestens erreicht. Inwieweit die Nachricht vom Geldwäsche den Kurs noch drücken wird, kann nur die Zukunft zeigen. Tiefer als etwa 17,60 Euro sollte die Aktie aber nicht fallen, um nicht unter die nächste Unterstützungszone zu rutschen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |