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Banken Bankiers der Reichen stecken in der Klemme

05.10.2009 ·  Die Zahl der Millionäre sinkt auf der ganzen Welt. Die Vermögensverwalter sind in der Defensive. Nun denkt die Branche in Singapur über das Geschäft der Zukunft nach. Anleger haben Angst, von Beratern über den Tisch gezogen zu werden.

Von Christoph Hein, Singapur
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Das Umfeld könnte fordernder kaum sein: Auch die Vermögensberater müssen ihr Geschäftsmodell in der Krise umstellen. "Verhielten wir uns so, wie wir das seit Jahren in unserer Branche gewohnt waren, landeten wir direkt im Gefängnis", sagte John Evans, Chefredakteur des Branchendienstes Private Banker International. In Singapur treffen sich derzeit die Größen der Branche zu einer Konferenz über die Zukunft ihrer Industrie. Sie sind in der Defensive: Erstmals seit 2001 fiel die Anlagesumme im vergangenen Jahr wieder, die Zahl der Dollarmillionäre schrumpfte weltweit um 15 Prozent.

"Die Finanzbranche durchlebt einen historischen Stresstest. Wir müssen mit der Lehman-Pleite zurechtkommen, der Madoff-Betrug setzt uns zu, es kommt zu einer Vielzahl von Fusionen und Übernahmen, und schließlich greifen auch die Staaten massiv in das Geschehen ein", umreißt Daniel Truchi, Vorstandsvorsitzender der französischen SG Private Banking, die Ausgangslage.

Fragen über Fragen führen zu Unsicherheit, Zweifeln, Ängsten und Zurückhaltung

"Viele Fragen sind noch unbeantwortet: Warum konnte in Amerika eine solche Blase an nachrangigen Krediten anschwellen, ohne dass eingegriffen wurde? Warum ließen Amerika, Spanien oder Großbritannien die Immobilienpreise so steigen? Und warum ließen die amerikanischen Aufsichtsbehörden Madoff so lange unbehelligt? Wir hatten unsere Geschäftsbeziehung mit ihm schon vor langer Zeit abgebrochen." Mit all diesen Fragen und Vorwürfen konfrontieren die Kunden die Vermögensverwalter täglich. Da auch sie keine Antwort wissen, nehmen Unsicherheit, Zweifel, Ängste, Zurückhaltung zu. Damit wachsen die liquiden Mittel auf Seiten der Kunden, ohne dass die Vermögensverwalter an sie herankommen. Auch wenn ein gutes Drittel aller Reichen in der Krise Geld verlor, bietet der Herbst 2009, da sind sich die Kongressteilnehmer einig, Chancen: "Verfügten unsere Klienten 2006 über 35 Prozent ihres Geldes in bar oder als Festgeld, liegt der Anteil heute bei 50 Prozent", sagt Chris Meares, Vorstandsvorsitzender der HSBC Group Private Banking in London, und fügt an: "Allmählich beginnen unsere Klienten, wieder über Anleihen hinauszublicken. Sie fassen Aktien ins Auge und einfach strukturierte Produkte." Zudem erwartet er, dass die extrem niedrigen Zinsen bald wieder dazu führen, dass zumindest ein Teil der Kunden größere Kredite aufnehmen wird.

Insgesamt macht die Branche ein rasch wachsendes Gewicht Asiens mit seinen Finanzzentren Hongkong und Singapur aus. Hier wächst der Anteil der Reichen mit mehr als 5 Millionen Dollar Anlagevermögen und der Superreichen mit einem Geldvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar jährlich im Durchschnitt um 13 Prozent, im Rest der Welt um 8 Prozent. "Schon im Jahr 2013 wird Asien die Region mit dem höchsten Privatvermögen der Welt sein", sagt Meares. Amerika und Europa fallen auf die Plätze zwei und drei zurück. Deshalb müsse sich die Branche in Asien stärken, und zwar schnell.

Anleger haben Angst, von Anlageberatern über den Tisch gezogen zu werden

"Wir brauchen mehr Offenheit, müssen mehr Sicherheit bieten, verlässliche Renditen, den Kunden mit einbeziehen", empfiehlt Thomas Meier, Chef für Asien, den Nahen Osten und Osteuropa bei Julius Bär. Die Branche steht unter Druck: 42 Prozent der Kunden erwägen, nach der Krise ihren Portfoliomanager zu wechseln. Um der Angst der Kunden, über den Tisch gezogen zu werden, zu begegnen, müssten sich die Banken klar abgrenzen. "Privatbankiers können und dürfen keine Verkaufsabteilungen der Investmentbanken sein", sagt Truchi.

Diese Versicherung reicht nicht. Die Berater müssten auch professioneller werden, hieß es. "Die Leute sollten nicht mehr alle drei Jahre von Bank zu Bank weiterziehen, sie müssen vernünftig gebunden werden", sagt Truchi. Zugleich müssten eine höhere Risikoüberwachung und eine bessere Dokumentation angestrebt werden. "Unsere Kunden haben tiefe Taschen und sind nun jederzeit eher bereit, gegen die Banken vor Gericht zu gehen", sagt Truchi. Die Vorsorge kostet jedoch Geld und schmälert die Margen der Banken. "Wir sind noch hochprofitabel. Aber es könnte sein, dass unsere Margen im heutigen Umfeld um 3 oder 4 Prozentpunkte sinken", fürchtet der Franzose.

Schwer tun sich die Banker unter den neuen Gegebenheiten mit alten Forderungen vieler Kunden: "Gerade in Hongkong herrscht enorme Risikobereitschaft. Da müssen wir manchmal gegensteuern, wollen wir nicht später Probleme bekommen", warnt Truchi. Auch wollten die Kunden unbeirrt Steuern sparen. Angesichts der erwarteten Steuererhöhungen werde diese Forderung zunehmen. Die Schlupflöcher aber würden kleiner.

Die Bankiers stecken in der Zwickmühle aus Kundenverlangen und Rechtspraxis. Aber die Bankiers betonen lauter als bislang, dass es beim "Offshore Banking" nicht nur um den Steuervorteil ginge: "Wir reagieren damit auf die Internationalität unserer Kunden, die oft zwei Pässe besitzen, auf den Wunsch zum Ausgleich politischer Risiken und den Willen, in Wachstumsregionen vorzudringen", versucht Meares dem Begriff eine neue Deutung zu verleihen. Künftig wollen die Banken schlicht auf den Begriff "offshore" verzichten: Stattdessen sollte die Rede sein von "Internationalen Zentren für Vermögensmanagement" - das klinge weniger nach Steuerhinterziehung.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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