18.06.2008 · Nur dank Verkäufen aus dem Tafelsilber konnte sich Morgan Stanley im zweiten Quartal in der Gewinnzone hallten. Analysten beklagen eine schlechte Qualität der Ergebnisse. Auch die Regionalbank Fifth Third sorgt für schlechte Stimmung in der Branche.
Auch wenn die Zahlen, die die Investmentbank Goldman Sachs am Dienstag vorlegte besser waren als erwartet, so waren sie doch nicht eben gut. Vor allem aber die Einschätzung, die die Analysten des Hauses am gleich Tag zur Branche gaben (vgl. Aktie von Goldman Sachs kann sich weiter halten), deutete an, dass von Banken, besonders von amerikanischen, derzeit nicht viel Gutes zu erwarten ist.
Denn die zweitgrößte Investmentbank Morgan Stanley traf am Mittwoch nur noch weitgehend die Markterwartungen. Und die waren schlecht gewesen. Die Erträge fielen um fast 40 Prozent auf 6,51 Milliarden Dollar. Unter dem Strich verdiente Morgan Stanley von März bis Mai 1,01 Milliarden Dollar und damit trotz hohen Einmaleinnahmen durch Anteilsverkäufe rund 60 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Nur dank dieser Verkäufe konnte das Institut überhaupt verhindern, rote Zahlen zu schreiben.
Wie viele Kaninchen sind noch im Hut?
Je Aktie lag der Gewinn bei 0,95 Dollar und damit weit unter dem Vorjahreswert von 2,45 Dollar. Von Thomson Financial befragte Analysten hatten im Schnitt mit 0,92 Dollar Gewinn je Aktie gerechnet, aber auch mit Erträgen in Höhe von 7,1 Milliarden Dollar.
Schwach war vor allem das Geschäft im Investmentbanking und im Handel, was Morgan Stanley nur zum Teil in anderen Geschäftsbereichen wie etwa der Vermögensverwaltung wett machen konnte.
Firmenchef John Mack räumt ein, dass die schwierige Marktlage und die Zurückhaltung der Kunden deutliche Spuren hinterlassen hätten. Angesichts der Turbulenzen sei die Bank keine großen Risiken eingegangen und habe sich auf die Stärkung ihrer Kapitalbasis konzentriert.
Branchenexperten zeigten sich enttäuscht, dass die Bank trotz der umfangreichen Verkäufe wie einer Beteiligung am Indexanbieter MSCI und eines spanischen Vermögensverwalters einen Gewinneinbruch nicht verhindern konnte. „Es ist nicht gut, wenn man bis nach Spanien gehen muss, um Geld zu machen“, bemerkte Analyst Matt McCormick vom Bahl & Gaynor Investment Council und warf die Frage auf: „Wie viele Kaninchen sie wohl noch aus dem Hut zaubern können? Was wird in Zukunft die Gewinne steigen lassen?“
Mit den 95 Cents habe man die Erwartungen in niedriger Qualität geschlagen, urteilt Roger Freeman, Analyst beim noch stärker angeschlagenen Wettbewerber Lehman Brothers. Im Kern habe man die Erwartungen verfehlt.
Fifth Third kürzt Dividende
Im Anleihehandel gingen die Erlöse um 85 Prozent auf 4141 Millionen Dollar zurück, bedingt durch Verluste von 436 Millionen Dollar durch Geschäfte im Hypothekenbereich und 519 Millionen bei Übernahmekrediten und verbundenen Absicherungsgeschäften.
Selbst im Rohstoffgeschäft, in dem man führend ist, gingen die Erlöse durch Verluste im Stromhandel und niedrigere Gewinne im Handel mit Ölprodukten. Das Timing der Händler sei falsch gewesen, räumte Finanzchef Colm Kelleher ein.
Und als ob das nicht genug gewesen an schlechten Nachrichten gewesen sei, kürzte die zweigrößte Bank des Bundesstaates Ohio, die Fifth Third Bancorp am Dienstag die Dividende um fast 80 Prozent und kündigte eine Kapitalerhöhung im Volumen von zwei Milliarden Dollar an. Grund ist, dass die Verlustrückstellungen für das Kredit- und Leasinggeschäft für das Geschäftsjahr 2009 nicht ausreichen.
Auf dem Weg zu neuen Tiefs
Die Krise setzt sich weiter fort. Das wird auch nicht mehr bezweifelt. Nach anfänglichen Kursgewinnen verloren auch die Aktien des relativen Musterknaben Goldman Sachs am Dienstag rund 1,5 Prozent an Wert.
Die Papiere von Morgan Stanley und Fifth Third geben am Mittwoch im vorbörslichen Handel um mehr als sechs bzw. 15 Prozent nach, nachdem sie am Vortag schon mehr als vier bzw. sechs Prozent verloren. Die Aktie von Fifth Third kommt auf dem vorbörslichen Niveau von 10,71 Dollar dem Allzeittief des Jahres 1990(!) von 10,4375 Dollar bedenklich nahe.
Und auch um Organ Stanleys Kurs ist es schlecht bestellt. Bei vorbörslichen 37,85 Dollar ist es zum Januartief von 36,38 Dollar gleichfalls nicht mehr weit. Und so sollte man sich vielleicht vorsichtshalber schon einmal mit dem Tief des Jahres 2003 beschäftigen, das bei 33,57 Dollar lag.
Denn ob die von Analysten prognostizierten 4,93 Dollar je Aktie im laufenden Geschäftsjahr erreicht werden, daran sind leise Zweifel angebracht. Das gilt auch für die Fifth Third, die im ersten Quartal einen Gewinneinbruch um 19 Prozent verzeichnete.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.279,86 | −0,01% |
| FAZ-INDEX | 1.367,74 | −0,08% |
| TecDAX | 752,59 | +0,20% |
| MDAX | 10.191,60 | −0,17% |
| SDAX | 4.839,55 | +0,43% |
| REX | 437,51 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.119,65 | +0,16% |
| F.A.Z. EURO | 68,68 | −0,03% |
| Dow Jones | 12.419,90 | −1,28% |
| Nasdaq 100 | 2.537,40 | −0,84% |
| S&P500 | 1.313,32 | −1,43% |
| Nikkei225 | 8.542,73 | −1,05% |
| EUR/USD | 1,2401 | +0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 103,16 $ | −0,09% |
| Gold | 1.540,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 145,55 € | +0,05% |