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Banken Aktie von Goldman Sachs kann sich weiter halten

17.06.2008 ·  Besser als erwartet ist die Investmentbank Goldman Sachs im zweiten Quartal durch die Finanzkrise gesteuert. Doch das heißt weder, dass die Zahlen gut waren, noch dass die Branchenkrise überstanden ist. Letzteres meint auch die Bank selbst nicht.

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Auch das Wunderkind der amerikanischen Investmentbankenszene, Goldman Sachs, kommt mittlerweile nicht mehr ohne Blessuren über die Runden des zähen Kampfes mit der Finanzkrise. Im zweiten Quartal sank das Nettoergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11 Prozent auf 2,09 Milliarden Dollar, das verwässerte Ergebnis je Aktie von 4,93 auf 4,58 Dollar gefallen.

Die Gesamteinnahmen beliefen sich in dem im Mai endenden zweiten Quartal auf 17,64 Milliarden Dollar und gingen damit um 13 Prozent zurück, die Nettoeinnahmen fielen um 7 Prozent auf 9,422 Milliarden Dollar.

Fallende Einnahmen

In der Sparte Investment Banking fielen die Nettoeinnahmen im Vorjahresvergleich um 2 Prozent auf 1,69 Milliarden Dollar, der Bereich Trading and Principal Investments verbuchte mit Nettoeinnahmen von 5,59 Milliarden Dollar einen Rückgang von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Nettoeinnahmen im Renten-, Rohstoff- und Währungsbereich fielen um 29 Prozent zum Vorjahr auf 2,38 Milliarden Dollar. Indes verbesserte sich die Lage im Vergleich zum ersten Quartal in diesen Bereichen recht deutlich.

In anderen Bereichen zeigte sich das Geschäft auch gegenüber dem Vorjahr weiter stark. Die Finanzberatung verbuchte ein Plus von 13 Prozent auf 800 Millionen Dollar, die Sparte Asset Management and Securities Services mit die Nettoeinnahmen von 2,15 Milliarden Dollar einen Zuwachs von 18 Prozent. Dabei stiegen die Einnahmen aus dem reinen Asset Management um 10 Prozent auf 1,16 Milliarden Dollar und bei den Securities Services um 30 Prozent auf 985 Millionen Dollar.

Damit hielt sich die Bank insgesamt besser als erwartet, hatten Analysten doch mit einem Ergebnis von 3,42 Dollar je Anteilsschein und einem Einbruch der Nettoeinnahmen auf 8,74 Milliarden Dollar gerechnet.

Freude am Leid der anderen

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein zeigt sich zufrieden mit den Zahlen: „In Anbetracht der schwierigen Bedingungen am Markt sind wir besonders stolz, starke Zahlen für das zweite Quartal vorzulegen zu können“, sagte er laut der Mitteilung. Die aktuellen Verwerfungen am Markt würden auch Chancen bieten, und seine Bank wolle die besten dieser Chancen auch in Zukunft nutzen, fügte Blankfein hinzu.

Branchenexperten zeigten sich beeindruckt. „Irgendwie gelingt es denen, alle Problemen zu umschiffen“, sagte der amerikanische Portfoliomanager Thomas Russo. Dem Londoner Analysten Jeremy Batstone-Carr von Charles Stanley zufolge nutzt Goldman Sachs die
Krise weiterhin geschickt zum eigenen Vorteil aus: „Goldman Sachs erbaut sich derzeit am Leid der anderen.“

Denn allzu optimistisch für die Branche als solche gibt sich Goldman Sachs nicht. Zwar sei die Stimmung deutlich besser als vor drei Monaten. Doch die Spannungen an den Finanzmärkten hielten weiter an, und es sei noch ungewiss, wann die Kreditmärkte ihren Wendepunkt erreichen würden.

Branchenprognose negativ

Auch die eigene Branche leidet nach Ansicht des Instituts weiter stark. Die amerikanischen Banken bräuchten noch 65 Milliarden Dollar weiteren Kapitals, sagten Analysten des Hauses, angesichts weiter fallender Hauspreise und sich darob verschlechternder Kreditmärkte. Eine breite Rally von Bankaktien sei daher unwahrscheinlich, solange die Kreditkosten weiter stiegen - und das werde wohl bis Anfang 2009 der Fall sein.

Insofern dürfte sich die Aktie des Hauses wohl besser halten könne, als so mancher andere Branchenwert. Das gilt zumindest solange, wie sich nicht herausstellt, dass die Bank die Leichen im Keller versteckt, die manche Beobachter weiterhin befürchten. Angesichts der Spielräume bei der Bewertung von illiquiden Vermögenswerten gibt es zumindest eine Basis dafür.

Auch davon abgesehen, ist die Bewertung der Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von rund 12 für das laufende und 9 für das kommende Jahr angesichts zurückgehender Erträge und Gewinne zumindest angemessen.

Warten auf das Ende der Krise

Auch die charttechnische Entwicklung spricht nicht für den Wert. Seit dem Allzeithoch von 247,92 Dollar im Oktober vergangenen Jahres befindet er sich weiter im negativen Trend, wenngleich er sich in den vergangenen Monaten stabilisieren konnte. Das Kursplus hält sich aber am Dienstag mit 0,8 Prozent in Grenzen.

Denn das Sentiment für Bankaktien ist weiterhin wenig positiv. Daher dürfte sich der Aktienkurs von Goldman Sachs zwar oberhalb der Marke von 160 Dollar behaupten können, Kursgewinne über das Maihoch von 200 Dollar hinaus erscheinen derzeit aber eher wenig wahrscheinlich, so dass sich die Aktie allenfalls als kurzfristiges Investment anbietet, solange der amerikanische Bankensektor die Finanzkrise nicht wirklich ausgeschwitzt hat und sich die Marktbedingungen von der Zinsseite her verbessern. Das aber setzt wiederum auch einen Rückgang der Inflation voraus und dieser lässt momentan auf sich warten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: mho
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