Endlich, könnte man meinen, hat die Aktie der Bank of East Asia (BEA) ihre Fesseln abgelegt. Vor wenigen Tagen kletterte das Papier in Frankfurt auf ein neues Fünf-Jahreshoch von 3,10 Euro. Am Freitag ging die Aktie mit 2,96 Euro aus dem Handel (Isin HK0023000190).
Ende 2000 hatte die Aktie des Kreditinstituts aus Hongkong das letzte Mal die Marke von drei Euro erreicht, dann ging erst einmal bergab. Vor etwa drei Jahren erholte sich der Kurs, doch er schwenkte bald wieder in eine Seitwärtsbewegung ein. Diese scheint jetzt durchbrochen zu sein. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie immerhin etwa 40 Prozent gewonnnen.
Gewinn 2005 deutlich gesteigert
Die 1918 gegründete Bank ist nach eigenen Angaben das größte unabhängige Kreditinstitut Hongkongs. Die BEA bietet neben dem klassischen Bankgeschäft auch Versicherungen an und ist im Wertpapiergeschäft tätig. Die Sparte Tricor bündelt das Geschäft rund um „integrated business, corporate and investor services“.
Insgesamt entwickelt sich das Geschäft erfreulich: Den Gewinn je Aktie konnte das Unternehmen um 15,1 Prozent auf 1,83 Hongkong-Dollar steigern.
China-Geschäft legt zu
2005 gab es auch endlich Fortschritte im China-Geschäft der Bank, wie Morgan Stanley vor einigen Tagen in einer Kurzstudie feststellte. Die vier Jahre zuvor hatte das Geschäft in der Volksrepublik zu wünschen übrig gelassen. Die BEA darf derzeit erst in neun Zweigstellen Services in der chinesischen Währung Renminbi anbieten, dieses Geschäft will sie aber ausbauen.
Bei den Krediten macht China zwar fast 20 Prozent aus, es trägt bisher aber bloß zwölf Prozent zum Gewinn bei. Eine verbesserte Marge könnte 2006 laut Morgan Stanley dafür sorgen, daß der Gewinn dieser Sparte um 75 Prozent steigt.
Verbesserte Effizienz
Optimistisch ist Morgan Stanley auch für die Sparte Tricor, die die Bank in den vergangenen Jahren mit Zukäufen aufgebaut hat. Die Eigenkapitalrendite dieses Geschäfts betrug 2005 14 Prozent, für dieses Jahr rechnet Morgan Stanley mit fast 18 Prozent. Das Umfeld für Aktien bleibe gut, neue Börsengänge werden erwartet - deshalb sehen die Analysten den Gewinn dieser Sparte um 34 Prozent steigen. Tricor habe in Hongkong nur einen großen Konkurrenten.
In der Summe erwartet Morgan Stanley vor allem wegen der erfreulichen Entwicklung des China- und Tricor-Geschäfts, daß der Gewinn der Gesellschaft 2006 um 15 Prozent zulegt. Die Umsätze stiegen schneller als die Kosten, darum verbessere die Bank ihre Effizienz.
Bank ist gut aufgestellt
Auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung berechnet sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf 15,1 für 2006 und 14,1 für 2007. Behält Morgan Stanley mit seiner optimistischeren Gewinnschätzung recht, wäre die Aktie etwas günstiger. Tatsächlich wirken die Schätzungen relativ vorsichtig, schließlich liegt das KGV auf Basis der Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres mit 15,5 nicht sonderlich viel höher.
Attraktiv ist zweifelsohne die Dividendenrendite von derzeit etwa 4,4 Prozent. In diesem Jahr sollen 1,26 Hongkong-Dollar je Aktie ausgeschüttet werden, das sind 16,7 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Die Bank scheint gut aufgestellt zu sein, um in einem günstigen Aktienumfeld und einem China-Geschäft, das sich langsam für ausländische Unternehmen öffnet, in Zukunft zu den Gewinnern zu gehören. Die gute Dividendenrendite und der Chart machen die nicht mehr ganz günstige KGV-Bewertung wett.