29.06.2009 · Bankaktien werden skeptisch betrachtet. Obgleich die Probleme wohl nicht weniger werden, wenn die Ausfälle bei den gewerblichen Krediten ihren Höhepunkt erreichen, könnten sich in den kommenden Monaten attraktive Chancen bieten.
Von David BogoslawSeit Abschluss der vom amerikanischen Finanzministerium angeordneten Stresstests Anfang Mai geht ein gewaltiger Seufzer der Erleichterung durch die Reihen derer, die in amerikanische Banken investiert haben.
In den seither vergangenen Wochen haben die Banken insgesamt Eigenkapital in Höhe von 16 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Dies versetzt viele von ihnen in eine deutlich bessere Ausgangsposition, um mit einem herannahenden Problem fertig zu werden: den noch bevorstehenden Kreditausfällen, insbesondere aus gewerblichen Immobilienkrediten.
Gewerbliche Immobilien werden riskanter
Kreditausfälle bei gewerblichen Immobiliendarlehen werden weithin als der nächste Kugelhagel gesehen, dem die Wirtschaft auf ihrem gefährlichen Weg in Richtung Aufschwung ausweichen muss. Tendenziell sind die regionalen Banken am meisten auf diese Kredite angewiesen, deren Refinanzierung am Ende der Laufzeit sich für viele Kreditnehmer als schwierig, wenn nicht gar unmöglich gestaltet, da die Zahl der leerstehenden Gewerbeimmobilien zunimmt, das Eigenkapital aufgrund exorbitanter Beleihungsausläufe in den negativen Bereich abrutscht und die Immobilienbewertungen folglich sinken.
Auch nach dem Anziehen der Aktienkurse des Sektors seit März bleiben die Bewertungen vieler Banken verlockend. Nun gilt es, zu unterscheiden, ob man einen guten Handel mit einem Unternehmen macht, das sich wahrscheinlich erholen wird, oder zu viel Geld in eine Aktie steckt, die ganz zu Recht im Keller vor sich hin dümpelt.
„Die regionalen Banken sind allesamt nicht ausreichend auf Kreditausfälle vorbereitet, da die Verluste zu rasch auf uns zukommen“, meint Paul Miller Jr., Analyst bei Friedman Billings Ramsey (FBR) in Arlington, Virginia. Die Bilanzen der Banken sollten genügend Rücklagen aufweisen, um zwei Jahre lang Gewerbekreditausfälle abdecken zu können, sagt er.
Steigende Anzahl von Kreditausfällen
Die Ausfallraten bei gewerblichen Krediten werden voraussichtlich bis ins Jahr 2012 hinein weiter steigen, da der starke Einbruch der Immobilienwerte im ganzen Land auch die Immobilienschätzungen mit auf Talfahrt nehmen wird und die Kredite auslaufen. Auch für Immobilien, auf die die Kreditnehmer Anzahlungen in Höhe von 30 Prozent vorgenommen haben, ist es bei einem Einbruch der Immobilienwerte um 33 bis 40 Prozent nicht gut bestellt, und in vielen Fällen wurden Kredite mit viel geringeren Anzahlungen abgeschlossen, meint Richard Green, Director und Lusk Chair in Real Estate am Lusk Center for Real Estate an der Universität Südkalifornien. Dieses Problem wird sich verschärfen, wenn diese Kredite auslaufen und die Kreditnehmer nach Refinanzierungsmöglichkeiten suchen.
„Einerseits möchten die Regionalbanken keine Zwangsvollstreckungen vornehmen und die Immobilien in ihrer Bilanz haben“, erklärt er. „Andererseits jedoch wollen sie angesichts der allgemeinen Kapitalknappheit nicht, dass diese Kredite, derer sie sich ursprünglich entledigen wollten, weiterhin in ihren Bilanzen ausgewiesen sind, da sie dann keine neuen Kredite vergeben können.“ Er schätzt, dass in den kommenden zwei bis drei Jahren gewerbliche Kredite im Wert von 350 Milliarden Dollar ablaufen.
Gleich ob die Banken zur Refinanzierung auslaufender Kredite bereit sind, oder sich dafür entscheiden, den Wert dieser Kredite abzuschreiben, dürften sie aufgrund ihrer schwachen Kapitalpositionen nur wenig Spielraum für neue Kreditvergaben haben. Dies lässt auf einen langwierigen und wenig dynamischen Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft schließen.
Banken, deren Kreditportfolio sich überwiegend auf geografische Regionen wie Georgia oder Florida Kredite konzentriert, wo die Immobilienwerte besonders stark eingebrochen sind, dürften die Anleger wohl am leichtesten von ihrer Liste streichen. Hierzu zählen beispielsweise SunTrust Banks (STI) und Synovus Financial (SNV), während Marshall & Ilsley (MI) zur Zeit der Immobilienblase viele Kredite an Bauunternehmer in Kalifornien vergaben.
Es kommt ganz darauf an, ob sich die Wirtschaft erholen wird
Wie groß das Problem dieser Verluste letztendlich sein wird, hängt davon ab, wie es der Wirtschaft ergeht. Wenn die Wirtschaft nun ihre Talsohle erreicht hat und in der zweiten Hälfte dieses Jahres zu wachsen beginnt, dann wird die gewerbliche Kreditvergabe im Laufe der nächsten beiden Quartale noch ein wenig weiter zurückgehen, während die Banken wohl über genügend Kapital verfügen, um etwaige Ausfälle dieser Kredite zu decken, meint Erik Oja, Analyst für den Bankensektor bei Standard & Poor's Equity Research. (S&P ist wie die BusinessWeek Teil der McGraw-Hill Companies (MHP).
Allerdings geben Oja und einige andere Analysten zu bedenken, dass den Anlegern wohl einige Chancen entgehen, wenn sie erst dann in Bankwerte investieren, wenn die Ausfallraten oder Verluste bei den gewerblichen Krediten ihren Gipfel erreicht haben. Der Höchststand der gewerblichen Kreditausfälle infolge der Sparkassenkrise Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre war erst sechs Monate nach Beginn des Wiederaufschwungs der amerikanischen Wirtschaft erreicht, sagt er.
„Kreditausfälle sind nur dann ein Spätindikator, wenn man dadurch Geld verdienen kann“, sagt Miller von FBR. Er geht nicht davon aus, dass die Banken in den kommenden Jahren hohe Gewinne erwirtschaften können, da sie zur Deckung der Verluste außerordentliche Rückstellungen vornehmen müssen.
Da die Raten der leerstehenden Bürogebäude und Einzelhandelsgeschäfte im ganzen Land steigen, laufen die Immobilieneigentümer - also die Kreditnehmer, deren Darlehen die Banken halten - Gefahr, nicht genügend Geld einzunehmen, um ihre monatlichen Rückzahlungen zu leisten. Herr Green von USC glaubt, dass die Rate der leerstehenden Gewerbeimmobilien von üblicherweise 10 Prozent auf derzeit 15 Prozent zugelegt hat. Wie hoch die Rate steigen wird, ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich. In Manhattan liegt sie derzeit bei 13 Prozent, was einem Anstieg von rund 1 Prozentpunkt über die vergangenen drei oder vier Monate entspricht. Der Stadt New York könnte noch ein recht großer Anstieg bevorstehen, je nachdem, wie es mit den Entlassungen an der Wall Street weitergeht, meint Green.
Die Rate leerstehender Gewerbeimmobilien könnte sich in vielen Märkten in und um Los Angeles letztendlich der 20-Prozentmarke nähern, während sie sich in Washington D.C. aufgrund der dauerhaften Nachfrage seitens der Juristen und Lobbyisten tendenziell auf relativ niedrigem Niveau hält.
Finanzierungsmöglichkeiten der Banken sind erschöpft
„Viele Leute, die zwischen 2005 und 2007 einen Kredit aufnahmen, hoffen, irgendwie aus ihrer Schieflage herauszukommen, bevor sie mit ihren Schulden in Verzug geraten“, meint Brad Case, Vice-President für Forschung und Brancheninformationen bei der National Association of Real Estate Investment Trusts (Nationaler Verband der Immobilien-Anlagefonds). „Die Frage ist, ob sie etwas an ihrer Lage ändern können. Werden sie andere Finanzierungsquellen finden?“
Da die Finanzierungsmöglichkeiten der Banken erschöpft sind, ist Beteiligungskapital die einzige verbleibende Finanzierungsquelle. Auch bei privatem Beteiligungskapital sieht es derzeit nicht rosig aus. Das bedeutet, dass börsengehandeltes Beteiligungskapital die einzige verfügbare Kapitalform darstellt. Dieses kann jedoch nur von börsengehandelten Immobilien-Investmentgesellschaften (REIT) aufgebracht werden. Case erwartet, dass es zu einem regelrechten Ansturm an Börsengängen kommen wird, da private Kreditnehmer keine andere Möglichkeit haben, als sich nach Ablauf ihrer Kredite in Aktiengesellschaften umzuwandeln. Allerdings werden nur diejenigen Unternehmen, die genügend Eigenkapital aufbringen können, um ihre Darlehen abzuzahlen, beim Börsengang erfolgreich sein, sagt er. Seiner Ansicht nach dürften Kreditnehmer, die mit Beleihungsausläufen von 80 und 90 Prozent Immobilien gekauft haben, hiervon ausgenommen sein.
Wie zu Beginn der 90er Jahre, als die Bankenwerte sechs Monate vor dem Höchststand der notleidenden Aktiva 50 Prozent zulegten, gilt auch hier: „Wer abwartet, bis er mit einem guten Gefühl Bankenwerte kaufen kann, verpasst wahrscheinlich einen beachtlichen Teil der Rally“, glaubt Tom Kersting, Analyst bei Edward Jones in St. Louis. Dennoch empfiehlt er, bei hochwertigeren Namen wie JPMorgan Chase (JPM) und Wells Fargo (WFC) zu bleiben, die ebenso wie die schwächeren Werte gebeutelt wurden, aber möglicherweise nicht so viel Kurspotenzial bieten, wie als risikoreicher geltende Banken.
Auf lange Sicht zählt das Ertragspotenzial
„Für mich lautet die Kernfrage für die längerfristige Zukunft, welche Ertragskraft der Großteil dieser Unternehmen wirklich hat. Ich glaube nicht, dass der Aktienkurs dieses Ertragspotential gegenwärtig widerspiegelt“, meint er
Nehmen wir die Bank of America (BAC), die derzeit mit dem 12-fachen der einvernehmlichen Gewinnschätzung der Analysten für 2010 von 1,03 Dollar je Aktie gehandelt wird. Gleich, wie sehr die Merrill-Lynch-Übernahme dem Ruf und dem Bewertungsmultiplikator des Unternehmens geschadet hat, glaubt Kersting nicht, dass die Transaktion dessen langfristiges Gewinnpotential beeinträchtigt. Ganz anders ist dies bei Aktien wie jener der Citigroup (C), deren Fähigkeit, höhere Gewinne zu erzielen, wenn sich die Marktbedingungen verbessern, weiterhin ungewiss ist, fügt er hinzu.
Nach Ansicht von Anthony Polini, Bankanalyst bei Raymond James, ist die Bank of America eine von drei Banken, die gut aufgestellt sind, gezielt von dem schwachen Wirtschaftswachstum zu profitieren, das auch für 2010 zu erwarten ist. Die Bank of America, JPMorgan Chase und Wells Fargo halten gemeinsam ein Drittel der gesamten Verbraucherbankeinlagen in den Vereinigten Staaten, meint er. Durch das schwache Wirtschaftswachstum bleiben die Darlehenszinssätze der Banken niedrig, während es die Kapitalknappheit vieler schwächerer Banken der Bank of America und den beiden anderen Spitzenreitern ermöglicht, höhere Zinssätze auf neue Kredite zu veranschlagen, sagt er. Die Bank of America bezieht 55 Prozent ihrer Einkünfte aus Gebühren und nur 45 Prozent aus Darlehenszinsen, was sich ebenfalls zu ihren Gunsten auswirken wird. Polini geht davon aus, dass sich der Aktienkurs innerhalb eines Jahres verdoppeln wird, während die Bank auf ein normales Ertragsniveau zurückkehrt, und sich dann binnen zwei Jahren verdreifacht. Vergleicht man dies mit einem Wertzuwachs von 40 Prozent pro Jahr, so ist das durchaus ein Grund zum Feiern.
Viele Banken rechnen damit, davon zu profitieren, dass sich die in den vergangenen Jahren vermehrt von Finanzunternehmen und weniger von Banken vorgenommene Kreditvergabe wieder vermehrt zu den Banken hin verlagert, meint Oja von S&P. Seiner Schätzung nach hielten die Banken am 31. März 7,5 Billionen an ausstehenden Krediten, was lediglich 20 Prozent aller in den Vereinigten Staaten ausstehenden Krediten entspricht. Wenn die Banken diesen Marktanteil bis auf rund 25 oder 30 Prozent erhöhen können, würde das bedeuten, dass sie viel einnehmen und höhere Gewinne erwirtschaften, prognostiziert er.Aufgrund der Wirtschaftslage ist es jedoch schwer zu sagen, wie viel aufgestauter Bedarf an gewerblichen Krediten derzeit besteht, räumt er ein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |