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Bankaktien Immer mehr unter staatlicher Fuchtel

19.01.2009 ·  Die Royal Bank of Scotland schockte am Montag die Märkte mit neuen Schreckensnachrichten und brachte Bank-Aktien europaweit stark unter Druck. Banken, vor allem solche mit Staatsbeteiligung, scheinen auf Jahre hinaus eine unwägbare Angelegenheit für die Anleger.

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Jetzt gerät also auch die Royal Bank of Scotland unter staatliche Kuratel. Nach immer neuen Milliardenlöchern hat die Regierung in London nun ein zweites Rettungspaket für die Banken geschnürt. Unter anderem will der Staat die Institute gegen die Risiken ihrer faulen Kredite versichern, teilte Finanzminister Alistair Darling am Montag in London mit. Für diese Risiken müssen künftig die Steuerzahler aufkommen.

Gleichzeitig kündigte die Royal Bank of Scotland (RBS) für das vergangene Jahr einen Rekordverlust von umgerechnet bis zu 31 Milliarden Euro an. Wegen dieses Milliardenverlusts muss die Royal Bank of Scotland erneut neue Stammaktien für 5 Milliarden Pfund ausgeben. Der Staat erhöht in diesem Rahmen den Anteil an der Bank von 58 auf 70 Prozent.

Das brachte nicht nur den Kurs der RBS unter Druck, der um 60 Prozent auf 12,9 Pence abstürzte. Er zog auch die Kurse anderer europäischer Bankaktien mit sich. In Deutschland fielen die Kurse der Deutschen Bank und der Postbank um mehr als 10 bzw. 13 Prozent, die schon zuvor stark gebeutelte Aktien der Commerzbank und der Hypo Real Estate kamen mit einem Minus von 1,6 Prozent glimpflich davon. Härter erwischte es da die Aareal-Bank, deren Kurs um 26 Prozent einbrach.

In Frankreich ging die Kurse der BNP Paribas und der Societe Generale 10 Prozent in die Knie, in der Schweiz verloren Credit-Suisse-Aktien knapp 13 Prozent, die UBS-Aktie hielt sich mit einem Minus von mehr als 6 Prozent fast schon gut.

Insgesamt erwischte es diejenigen Bank-Aktien am härtesten, die bisher noch am besten davon gekommen waren. Denn auch wenn für die faulen Kredite der britischen Banken und die Verluste der RBS zum größten Teil der britische Staat und damit die Steuerzahler auf der Insel aufkommen, ist damit für die Aktionäre der Krisenbanken in England und anderenorts längst nicht alles in Butter.

200 Milliarden Pfund vergiftete Kredite

Vielmehr müssen Anleger damit rechnen, dass die Banken auf unabsehbare Zeit mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen haben. Niemand kann verlässlich abschätzen, welche Risiken noch in den Bankbilanzen liegen und ob die Rettungsschirme, die von den Regierungen aufgespannt wurden, groß genug sind (vgl. Banken könnte Rettungsschirm zu eng werden).

Allein für die britischen Banken wird das Volumen dieser vergifteten Kredite auf 200 Milliarden Pfund geschätzt. Anfang Oktober schon rettete die britische Regierung mehrere Banken mit einer Finanzspritze über 37 Milliarden Pfund vor dem Kollaps. Die drei Banken RBS und Lloyds TSB sowie HBOS wurden dabei teilweise verstaatlicht. Doch der Erfolg blieb aus. Wie die RBS am Montag mitteilte, rutschte die Bank 2008 so tief in die roten Zahlen, wie zuvor noch kein Unternehmen im Vereinigten Königreich.

Einschließlich Abschreibungen auf den Unternehmenswert sei ein Verlust von bis zu 28 Milliarden Pfund möglich. Ohne die Abschreibungen, die vor allem aus der Teilübernahme des niederländischen Konkurrenten ABN Amro entstehen, und ohne Einmaleffekte dürfte der Verlust zwischen 7 und 8 Milliarden Pfund liegen.

RBS-Kurs bricht ein

Anleger sollten grundsätzlich Bankaktien, bei denen der Staat einen nennenswerten Anteil erworben hat, meiden. Sollten diese Geldhäuser eines Tages wieder Gewinne erzielen, werden diese auf absehbare Zeit zu einem großen Teil in den Staatshaushalt fließen. Und sollten sich die Aktienkurse irgendwann wieder erholen, müssen die Anleger befürchten, dass die Finanzminister die Aktienpakete auf den Markt werfen werden. Auch diese Erwartung wird das Erholungspotential von Bankaktien in den nächsten Jahren begrenzen. Dies gilt nicht nur für britische Bankaktien.

Barclays sind der Tagesfavorit

Lichtblick waren am Montag zunächst Barclays, deren Aktienkurs anfänglich gegen die Branchentendenz um mehr als 25 Prozent bis auf 123 Pence stieg. Damit war die Aktie zeitweilig sogar Tagesfavorit im Londoner Standardwerte-Index FTSE-100. Immerhin hatte die Bank am vergangenen Freitag mitgeteilt, die Erträge 2008 könnten die Erwartungen der Analysten übertreffen. Dagegen hat die Aktie der RBS ausgehend von einem ohnehin schon extrem niedrigen Kursniveau in den vergangenen fünf Tagen nochmals drei Viertel ihres Wertes verloren.

Die Abschreibungen bei Barclays dürften laut den Analysten von Collins Stewart aber vor dem Hintergrund der im Bankensektor insgesamt zu beobachtenden Bemühungen, die Risikopositionen herunterzufahren, noch weiter deutlich anwachsen.

„Vernünftig finanziert“

„Barclays ist vernünftig finanziert, auch wenn andere Banken gezeigt haben, wie schnell es hier zu Erosionen kommen kann“, sagt Analyst Alex Potter. Er verweist dazu auf Aussagen der Royal Bank of Scotland (RBS), wo es unter anderem heißt, „weitere ....Kreditverluste scheinen sicher“. Collins rät zu Vorsicht, denn die Kapitalspritzen der Regierung würden mit der Zeit teurer und eine verspätete Kapitalerhöhung bei Barclays könne teuer werden. Am Ende schloss auch die Barclays-Aktie 10 Prozent im Minus.

Bei Lloyds TSB, deren Kurs mehr als ein Drittel nachgab, sehen die Experten das Risiko weiterer Kapitalspritzen. Die Kernkapitalquote der aus der Fusion mit HBOS hervorgegangenen neuen Lloyds liege bei 6,5 Prozent, wenngleich hier bereits deutlich mehr an Abschreibungen berücksichtigt sei als bei den Wettbewerbern.

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