Als eine der ersten Banken überhaupt hat Credit Suisse konkretere Angaben zum Ergebnis im dritten Quartal gemacht. Was die Schweizer am Dienstagmorgen aber zu berichten hatten, lässt für den ganzen Sektor keine große Vorfreude auf die Zahlen aufkommen. Auch der Aktienkurs der CS Group fällt am Vormittag an der Schweizer Börse um 4,5 Prozent auf 52 Euro.
Angesichts der Hiobsbotschaft, immerhin wurde ein Verlust nach Amortisation von Goodwill und erworbenenen immateriellen Werten von rund 300 Millionen Schweizer Franken verkündet, hält sich die negative Kursreaktion aber eigentlich sogar noch in Grenzen. In ersten Einschätzungen zeigen sich Analysten zwar negativ überrascht, gleichzeitig setzen sie aber darauf, dass langsam das Schlimmste überstanden sein könnte.
Gleich mehrere Problemfelder
Die Liste der Probleme bei CS ist jedenfalls lang und deutet darauf hin, dass in der Tat der Höhepunkt langsam erreicht sein sollte. Neben Verlusten bei der Investmentbanktochter Credit Suisse First Boston wurde das abgelaufene Quartal von niedrigeren Gewinnen im Versicherungsgeschäft, Wertberichtigungen bei Swiss Life und Rückstellungen auf ungedeckte Kreditausstände bei SAir Group belastet. Unter Würdigung aller Problemfelder kommt Pictet et Cie-Analystin Claudia von Turk zu folgender Schlussfolgerung: „Wir hatten zwar mit schwachen Zahlen im dritten Quartal gerechnet, jetzt ist es aber noch etwas schlechter geworden als gedacht.“
Ihren Angaben zufolge machten insbesondere die inflexiblen Kostenstrukturen bei Credit Suisse First Boston Sorgen. Umso mehr seien die jetzt angekündigten Restrukturierungs- und Kosntensenkungsmaßnahmen zu begrüßen, mit denen bis Ende 2002 insgesamt eine Milliarde Dollar eingespart werden sollen. Die Hoffnung auf ein Greifen dieser Maßnahmen in Verbindung mit der Annahme, das Schlimmste könnte ausgestanden sein, sollte dazu beitragen, die Kursverluste im Zaum zu halten. Die Einschätzung für die CS Aktie belässt von Turk bei „Neutral“. Kurzfristig rechnet sie aber nicht nur bei diesem Titel sondern auch im Bankensektor allgemein mit einem gewissen Kursdruck.
Charttechnische Erholungsbewegung noch intakt
Ebenfalls auf kurzfristige Verluste hat sich Christoph Burkhalter eingestellt. Der Charttechniker vom Bankhaus Vontobel klammert bei seinen Analysen fundamentale Umstände wie die neuen Quartalszahlen völlig aus, sondern konzentriert sich ausschließlich auf die Chartsignale. Und die zeigen ihm kurzfristige Kursverluste nach der zuletzt gesehenen Erholungsbewegung an. „Wichtig ist, dass dabei die Unterstützungszone um 48 Schweizer Franken hält“, erklärt er. In diesem Fall hat Burkhalter nach einer kurzen Verschnaufpause anschließend wieder steigende Kurse auf der Rechnung. Als Zielregionen hat er dabei Kurse von 59 oder 64 Franken anvisiert. Danach kann aber auch er sich aktuell nur schwer vorstellen, woher der Schwung kommen sollte, um noch höhere Kursregionen anzustreben.