Autozulieferer hatten es in der Vergangenheit immer wieder schwer und so mussten Anleger häufig mit einer höheren Volatilität leben. Das galt lange Zeit auch für die Aktie des Ingenieurdienstleister Bertrandt, die besonders zwischen 1997 und 2002 heftige Ausschläge verzeichnete.
Danach wurde es ruhiger, aus Sicht der Anleger aber nicht unbedingt besser, weil sich die Notiz erst in einen Seitwärts- und später einen Abwärtstrend begab, in deren Verlauf sie Ende 2005 bei 8,05 Euro ihrem Allzeittief des Jahres 1996 von 7,1581 Euro bedenklich nahe kam.
Allzeithoch erscheint greifbar
Erst danach konnten sich die Aktionäre etwas entspannen, erholte sich die Aktie doch zu Beginn des Jahres 2006 und hielt sich danach vergleichsweise stabil. So richtig glücklich aber dürften sie seit Jahresbeginn sein, denn seitdem hat sich auf 28,45 Euro mehr als verdoppelt und damit ein neues Sieben-Jahres-Hoch markiert. Auch das Allzeithoch aus dem Jahr 1999, das bei 28,50 Euro lag, scheint plötzlich in greifbare Nähe gerückt zu sein. Allein am Freitag geht es um fast zehn Prozent nach oben
Hintergrund dürfte sein, dass der Ingenieurdienstleister in jüngster Zeit eine recht gute Entwicklung nimmt. Das war nicht immer so gewesen. Vie mehr hatte das von Porsche und Thyssen-Krupp kontrollierte Unternehmen, nachdem der Umsatz in den neunziger Jahren noch dynamisch wuchs, ab 2001/2002 mit leicht rückläufigen Umsätzen zu kämpfen. Auch auf der Ergebnisseite kam es immer wieder zu Einbrüchen.
Erst im vergangenen Geschäftsjahr 2005/2006 änderte sich das. Die Umsatzerlöse stiegen um elf Prozent auf 241,11 Millionen Euro, der Jahresüberschuss stieg um mehr als das Hundertfache auf nun 7,82 Millionen Euro.
Guten Trend des Vorjahres fortgesetzt
Diesen Trend konnte das Unternehmen in der ersten Hälfte des bis zum 30. September 2007 laufenden Geschäftsjahres fortsetzen. Nachdem Bertrandt im ersten Quartal den Umsatz auf 75,3 Millionen Euro nach 54,4 Millionen im Vergleichsquartal des Vorjahres und das Ebit um 132 Prozent auf 5,8 Millionen Euro steigern konnte, legte der Konzern am Freitag auch gute Halbjahreszahlen vor.
Der Überschuss habe sich angesichts einer hohen Auslastung und gesunkener Steuern auf 8,8 Millionen Euro verdreifacht, teilte die Firma am Freitag im baden-württembergischen Ehningen mit. Das Betriebsergebnis verdoppelte sich im ersten Halbjahr 2006/07 auf 12,8 Millionen Euro.
Angesichts gestiegener Projektvolumina verbuchte Bertrandt ein Umsatzplus von 40 Prozent auf 158 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl stieg per Ende März um 900 auf 4100 - die meisten Jobs entstanden in Deutschland. Für das laufende Geschäftsjahr 2006/07 rechnet der Vorstand weiter mit Umsatz- und Ergebniswachstum.
Aktienkurs im steilen Aufwärtstrend
Ziel für das zweite Halbjahr sei es, die Marktchancen konsequent zu nutzen und das Unternehmen weiter auszubauen. Impulse erwarte das Unternehmen vor allem von seinen Aktivitäten im Bereich der Luftfahrt. Um die noch kleine Sparte auszubauen, kooperiert Bertrandt mit dem auf die Luftfahrtindustrie spezialisierten Entwicklungsdienstleister Euroaer. Wachstumspotential sieht Bertrandt früheren Angaben zufolge in den Bereichen leichtere Karosserien und kleine, leistungsfähige Motoren.
Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2005/2006 kündigte Bertrandt für das laufende Jahr ein Umsatz- und Ergebniswachstum an. Konkrete Zahlen wollte das Unternehmen jedoch nicht nennen.
Auf Basis der durchschnittlichen Analystenschätzungen ist die Aktie des Ingenieurdienstleisters mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 17,9 für das laufende und 13,3 für das kommende Jahr bewertet. Dabei rechnen die Experten mit einer knappen Verdopplung des Ergebnisses je Aktie und einem Anstieg des Betriebsergebnisses um 77 Prozent auf 24,8 Millionen Euro. Bertrandt befindet sich auf der richtigen Spur diese Zielgrößen zu erreichen, mit einer großen positiven Überraschung ist indes weniger zu rechnen. Die Aktie erscheint noch nicht als zu hoch bewertet, wenngleich sie aber nicht mehr als Schnäppchen einzustufen ist.
Etwas mehr Kopfzerbrechen macht die charttechnische Entwicklung. zwar befindet sich die Notierung in einem eindeutigen Aufwärtstrend, den das Allzeithoch vom Freitag auch noch einmal bestätigt hat. Indes ist der Kursanstieg der vergangenen Monate recht steil verlaufen. Zwar kann die Aktie zwischen 24,50 und 22 Euro als gut unterstützt gelten, sollte es jedoch zu einem Rücksetzer kommen, bei dem diese Linien durchbrochen werden, so könnte der nächste Halt erst wieder im Bereich von 16,17 Euro liegen. Um so eher empfehlen sich daher Absicherungsstrategien.