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Automobilzulieferer Continental-Aktie liegt weiter gut in der Spur

31.03.2005 ·  Continental hat die Ergebnisprognosen für 2004 erheblich übertroffen und strebt ein weiteres Rekordjahr an. Zudem soll die Dividende steigen. Die Aktie reagiert mit Kursgewinnen und ist weiter recht günstig bewertet.

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Bis gegen 10 Uhr schwamm die Aktie von Continental am Donnerstag mit dem Dax-Strom leicht aufwärts - doch anschließend ist es deutlich mit der Notiz aufwärts gegangen. Mit einem Kursgewinn von 4,3 Prozent auf 59,15 Euro rangiert der Titel an der Spitze des Dax. Der Grund: Der Automobilzulieferer und Reifenhersteller Continental hat im vergangenen Jahr erstmals einen operativen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro erzielt und die Prognosen der Analysten erheblich übertroffen. Zudem hat sich das Management zuversichtlich geäußert, ein weiteres Rekordjahr zu schaffen. Abgerundert wird die Reihe schöner Nachrichten mit der schon Mitte März bekanntgegebenen Dividendenerhöhung um fast 54 Prozent von 52 Cent auf 80 Cent je Aktie.

Schon vor der Vorlage der Bilanz hat das Analysehaus Independent Research die Einstufung „akkumulieren“ bestätigt und das Kursziel von 66 Euro auf 68 Euro angehoben. Die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) wird ihr bei 55 Euro stehendes Kursziel heraufsetzen, wie Analyst Michael Punzet zu FAZ.NET sagte. Gleiches gilt für das Bankhaus Lampe, das den Titel bisher bei 63 Euro als gut bezahlt ansah. Ob andere Analysten diesen Beispielen folgen, wird sich weisen. Klar ist indes: Obwohl die Conti-Aktie ihre einfdrucksvolle Rally des vergangenen Jahres fortsetzt und sich binnen Jahresfrist sechsmal so gut entwickelt hat wie der Dax, ist der Titel weiter günstig bewertet. Zudem bewegt sie sich in einem ungefährdeten Aufwärtstrend und dürfte ihr Rekordhoch von 60,80 Euro bald toppen.

Ergebnisprognose um fast 19 Prozent übertroffen

Im vergangenen Jahr hat sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 1,096 Milliarden Euro erhöht von zuvor 855 Millionen Euro. Darin seien die finanziellen Lasten von 104 Millionen Euro aus der Teilschließung des Reifenwerks in Kentucky enthalten, gab der Vorstand bekannt. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Ebit von 1,041 Milliarden Euro gerechnet. Unter dem Strich verblieb Continental ein Gewinn von rund 674 Millionen Euro nach 314 Millionen im Vorjahr. Die Konsensprognose lag bei 567,6 Millionen Euro, wurde folglich um fast 19 Prozent übertroffen. Der Konzernumsatz stieg von 11,5 auf 12,6 Milliarden Euro und lag knapp unter den Prognosen.

Continental hat außerdem Schulden abgebaut. Die Netto-Finanzschulden seien um 473 Millionen auf 695 Millionen Euro gesunken. Dadurch verringerte sich das Verhältnis von Verbindlichkeiten zu Eigenkapital (Gearing Ratio) den Angaben zufolge von 58,9 Prozent auf nur noch 24,5 Prozent.

Für den weiteren Geschäftsverlauf in diesem Jahr gibt sich der Vorstand optimistisch. Auch die anhaltend hohen Rohstoffpreise scheinen das Management kaum zu beunruhigen, nennenswerte negative Effekte auf die Ertragslage sieht Konzernchef Manfred Wennemer nicht. „Einen möglichen Einfluß durch die Preisentwicklung für Rohstoffe schätzen wir als nicht wesentlich ein“, sagte er bei der Bilanzvorlage. „Für das Geschäftsjahr 2005 erwarten wir eine erneute Steigerung des Konzern-Umsatzes sowie auch des operativen Konzernergebnisses“, bekräftigte Konzernchef Manfred Wennemer.

Conti will an der Preissschraube drehen

Die LRP zählt mit ihrer Einstufung „Marketperformer“ zu den zurückhaltenden Analysehäusern. Zuletzt votierten elf Analysten für aggressiv laufen und zwölf für kaufen, dagegen nur vier für Halten, darunter die LRP. Punzet begründet seine Meinung mit dem Hinweis, daß Conti an den Kapazitätsgrenzen arbeite und deshalb ein neues Reifenwerk plane. Wann dies zu weiteren Umsätzen führe, sei offen. Zudem sei es nicht unproblematisch, neue Rekorde anzukündigen. Solange der Konzern die Nachfrage nicht befriedigen könne, sei er zwar in der Vorderhand gegenüber den Autobauern. Doch wenn das Angebot am Markt besser werde, dürften die Kunden für Preisdruck sorgen, so der Analyst.

Doch das ist derzeit noch Zukunftsmusik und der Zeitpunkt des möglicherweise einsetzenden Drucks nicht absehbar. Vielmehr will Conti selbst an der Preisschraube drehen: Um ein bis vier Prozent könnten die eigenen Produkte teurer werden, heißt es. Und: Im ersten Quartal seien Umsatz und Gewinn im Periodenvergleich weiter gestiegen.

Die Gemengelage scheint geeignet, die Ergebnisschätzungen anzuheben, die aktuell im Durchschnitt bei etwa 5,36 Euro je Aktie liegen; 2004 hat der Konzern 4,62 Euro verdient. Derzeit weist Continental für dieses und das nächste Jahr moderate Kurs-Gewinn-Verhältnisse von elf und 9,8 auf, während der Dax mit 12,5 und 11,1 bewertet ist. Um die Bewertungslücke zu schließen, kann der Kurs auf gut 66 Euro klettern. Aus charttechnischer Sicht hat der Wert nur noch eine Hürde vor 5er Nase: das Rekordhoch bei 60,80 Euro (Schlußkurs). Dieses zu übertreffen, käme einem Kaufsignal gleich.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi mit Reuters
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