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Automobilzulieferer Conti-Aktie dürfte konsolidieren

30.10.2007 ·  Mit soliden Geschäftszahlen für das dritte Quartal wartete der Autozulieferer Conti am Dienstag auf. Allerdings verfehlte er damit die Erwartungen deutlich. Dazu könnte eine Kapitalerhöhung den Kurs belasten.

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Dass Aktienanleger positiv denkende Menschen sind, ist nichts Neues und zeigt sich momentan schon fast extrem. „Belastende Faktoren werden mit Zinssenkungsphantasien weggewischt“, sagten Händler am Montag. Denn obwohl Euro und Ölpreis fast täglich neue Rekordstände erreichen, bleibt die Überzeugung ungebrochen, den Unternehmen und der Weltkonjunktur gehe es gut und so werden eigentlich grundsätzlich gute Zahlen erwartet.

Das galt auch für den Autozulieferer Continental und so kletterte der Aktienkurs schon am vergangene Freitag und ein auch noch am Montag um mehr als acht Prozent auf 104,80 Euro. Trotz des schwierigen Marktumfeldes in Nordamerika , so hieß es, sei die Entwicklung allen Geschäftsbereiche im dritten Quartal solide gewesen sein und Umsatz und Ergebnis im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen.

Hohe Erwartungen verfehlt

Die Messlatte hing aber bereits hoch. Denn sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal hatte der Konzern die Erwartungen übertroffen. Das gelang für das dritte Quartal aber nicht. Continental hat im abgelaufenen Quartal den Betriebsgewinn (vor Steuern und Zinsen, Ebit) gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 394,1 Millionen auf 426,1 Millionen Euro gesteigert. Marktbeobachter hatten allerdings mit 438 Millionen Euro gerechnet.

Der Umsatz sprang von 3,71 Milliarden auf 3,91 Milliarden Euro, während die von Dow Jones Newswires befragten Analysten im Mittel mit 3,93 Milliarden Euro gerechnet hatten. Auch der Überschuss lag mit 251,5 Millionen Euro nach 234,9 Millionen im Vorjahresquartal unter den Erwartungen. Die Experten hatten im Schnitt 274 Millionen Euro prognostiziert.

Auch für die Neun-Monats-Ergebnisse gilt Vergleichbares. Continental hat den Betriebsgewinn um 19,8 Prozent auf 1,338 Milliarden Euro verbessert, erwartet worden waren 1,35 Milliarden. Den Umsatz steigerte der Automobilzulieferer und Reifenhersteller in den
Monaten Januar bis September um 8,9 Prozent zum Vorjahr auf 11,921 Milliarden Euro, bereinigt um Wechselkurseffekte und Veränderungen im Konsolidierungskreis ergab sich ein Wachstum von 6,4 Prozent. Im Durchschnitt hatten die von Dow Jones Newswires befragten Beobachter mit 11,944 Milliarden Euro Umsatz gerechnet.

Kein präziser Ausblick

Zum Gewinnzuwachs trug neben einer operativen Verbesserung vor allem die Übernahme des Autoelektronikgeschäfts von Motorola bei, während das Ergebnis der übernommenen Siemens VDO in den Zahlen des dritten Quartals noch nicht enthalten ist. Die Umsatzrendite stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 10,2 auf 11,2 Prozent. Besonders stark verbesserte Conti die Umsatzrendite im Bereich Pkw-Reifen mit 14,4 Prozent (9,6 Prozent). Im Bereich Automotive Systems ging die Rendite dagegen auf 9,8 Prozent von 10,8 Prozent zurück.

Die Zahlen sind beileibe nicht schlecht, indes liegen sie doch recht deutlich unter dem, was erwartete worden war. Enttäuschen dürfte in diesem Kontext daher auch, dass Continental hat den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2007 weiterhin nicht präzisierte. Der Automobilzulieferer stellt unverändert für 2007 ein Wachstum von Umsatz und Betriebsergebnis gegenüber dem Vorjahr in Aussicht. Zu der erwarteten Erlössteigerung sollen alle Divisionen beitragen.

Auch hinsichtlich der Auswirkungen der Rohmaterialpreise, auf die Analysten besonderes Augenmerk legen wollten, gab man sich eher unpräzise. Man gehe für das Gesamtjahr 2007 von einer Stabilisierung auf hohem Niveau aus, ließ der Autozulieferer verlauten.

Kapitalerhöhung könnte belasten

Stützend könnte dagegen wirken, dass aufgrund des Zukaufs der Telematik von Motorola 2007 manchem Beobachter 2007 „als Transformationsjahr“ gilt, das Vorzeichen geben könne, wie die Integration von Siemens VDO verlaufen könne. Conti verspricht sich davon einen jährlichen Cashflow von künftig mehr als einer Milliarde Euro. Im vergangenen Jahr hatte Conti einen Cashflow von rund 850 Millionen Euro erzielt. Bereits im nächsten Jahr soll VDO bereinigt um Integrations- und Restrukturierungskosten sowie Abschreibungen einen positiven Ergebnisbeitrag leisten.

Vorerst aber könnten sich daraus Kursbelastungen ergeben. Denn Conti will den Zukauf über die Emission von Conti rund 14,7 Millionen neuen Aktien finanzieren, die noch am Dienstag in einem beschleunigten Verfahren bei institutionellen Investoren plaziert werden sollen.

Damit erhöht sich die Aktienzahl um immerhin zehn Prozent. Angesichts der soliden, aber eben schwächer als erwarteten und eben nicht spektakulären Zahlen für das dritte Quartal und das erste Dreivierteljahr, sollte man eigentlich davon ausgehen, dass die Maßnahme nicht spurlos am Aktienkurs vorübergehen wird, auch wenn sich Conti weniger stark verschulden muss. Indes ist die Siemens-Sparte mit der Kapitalerhöhung allein auch nicht annähernd durchfinanziert. VDO kostete immerhin rund 11,4 Milliarden Euro, was auf Basis des Schlusskurses vom Montag drei Viertel der Marktkapitalisierung von Conti entspricht.

Leichte Konsolidierung erscheint wahrscheinlich

Continental hat die Zahlen einen Tag früher als erwartet vorgelegt. Firmenchef Manfred Wennemer sagte, Continental wolle Investoren die Möglichkeit geben, „die aktuelle Leistungskraft der Continental zu bewerten. Außerdem entziehen wir mit diesem raschen Schritt jeder Spekulation über Zeitpunkt und Umfang der Kapitalerhöhung den Boden.“

Die Conti-Aktie ist auf Basis der Analystenprognosen und des Schlusskurses vom Montag mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 13,3 für das laufende und 11,9 für das kommende Jahr bewertet. Berücksichtigt man, dass die Prognosen vielleicht etwas zu hoch angesetzt sind, lässt sich mit einem KGV leicht darüber kalkulieren. Das ist zwar keine hohe Bewertung, erscheint aber durchaus angemessen.

In Anbetracht der Auswirkungen der Kapitalerhöhung sowie der an den Erwartungen gemessenen, mäßigen Zahlen, ist mit einem Angriff auf das im Juli erreicht Allzeithoch von 109,50 Euro in der kommenden Zeit erst einmal nicht mehr zu rechnen. Damit bliebe die Notierung in der Widerstandszone um 105 Euro hängen, so dass zunächst einmal ein Rückgang in Richtung der 100 Euro zu erwarten steht.

Späte Erläuterungen

Im Handel gibt der Aktienkurs deutlich 101,23 Euro nach. Gut unterstützt ist die Notiz im Bereich von 90 Euro, so dass als wahrscheinlichstes Szenario für die nächste Zeit eine Seitwärtsbewegung in der Spanne zwischen 90 und 100 Euro gelten kann. Der Aktienkurs liegt am Vormittag mit 3,2 Prozent im Minus. Das Unternehmen bemühte sich zur selben zeit, darum die positiven Aspekte der Zahlen deutlicher ins Licht zu rücken.

Sondereffekte hätten im dritten Quartal das Ergebnis gedrückt., sagte Finanzvorstand Alan Hippe der Nachrichtenagentur Reuters. Allein in den Vereinigten Staaten seien für die Gesundheitsfürsorge der Beschäftigten einmalig 18,6 Millionen Euro angefallen. Außerdem schlage die Integration der im vergangenen Jahr übernommenen Autoelektroniksparte von Motorola mit 5,8 Millionen Euro zu Buche. Ohne Sondereffekte hätte man im dritten Quartal ein Betriebsergebnis von 448 Millionen Euro und einen Umsatz von 3,88 Milliarden Euro erzielt, was immer noch unter den Prognosen läge, aber immerhin nicht mehr so deutlich.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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